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Utopie: Getreidepreis in Barrel

Mühlenverband befürchtet Preiskopplung zwischen Getreide und Öl / Heizen mit Weizen wird zum Preistreiber


Stuttgart / Bonn. (kh). Traditionell weist der Mühlenverband um diese Zeit mit einer Pressemitteilung im Vorfeld bzw. während der laufenden Ernte darauf hin, wie sie die Witterung auf die zu erwartende Preisentwicklung beim Brotgetreide ausgewirkt hat. In diesem Jahr gab es witterungsbedingt wenig Probleme sowohl in der Wachstums- als auch der Reifephase des Getreides. Allgemein wird eine durchschnittliche Erntemenge um die 46 Mio. t erwartet.

Wobei die langanhaltende Schönwetterperiode dafür sorgen könnte, dass ein Teil des Getreides schon vor der Zeit „verbrannt“ wird.

Heizen mit Weizen

Die ABZ hat Anfang des Jahres ausführlich über die Problematik der Energiegewinnung durch die Verbrennung von Getreide hingewiesen. Inzwischen sind eine ganze Reihe von Getreidekraftwerken am Netz. Tendenz steigend! Die ethischen Fragen um den Sinn oder Unsinn einer Verbrennung von Getreide werden noch heftig diskutiert.

Vor dem Hintergrund des Überangebotes in der Menge zumindest innerhalb der EU und der führenden Produzenten wie Kannada und den Vereinigten Staaten, sorgt die Verbrennung von Getreide für die Verringerung der Interventionsmengen. Grundsätzlich gilt aber die Prämisse, dass nur minderwertiges Getreide und kein für die Vermahlung zu Mehl geeignetes Getreide in die Verbrennung gelangen soll.

Somit ist der Markt und damit die Preisfindung für Brotgetreide und Mehl von der Verbrennung von Getreide nur mittelbar betroffen. Die Nachfrage nach Getreide zur Verbrennung könnte aber dazu führen, dass einige Landwirte sich überlegen, ob sie nicht besser gleich Sorten anbauen, die sich vorwiegend für die Verbrennung eignen. Würde dieses Gedankenspiel Schule machen, könnte es zu einer Verknappung von Brotgetreide führen.

Ethanol-Beimischungspflicht

Ein weiteres Problem beim Getreide beschreibt der Verband Deutscher Mühlen in seiner Presseerklärung. Bio-Ethanol muss zwangsläufig in immer größeren Mengen auch konventionellen Kraftstoffen beigemischt werden. Ab 2007 sind 2 Prozent Beimischung gefordert, bis 2010 soll dieser Wert auf 5,75 Prozent ausgeweitet werden. Um diesen Wert zu erreichen, sind bis 2010 Mengen von rund 2 Mio. t Ethanol notwendig. Der Löwenanteil dieser Menge soll aus Bio-Ethanolanlagen auf Getreidebasis gewonnen werden.

Der Verband Deutscher Mühlen rechnet vor, dass für eine derartige Menge rund ein Drittel der Weizenanbaufläche des laufenden Jahres notwendig wäre. Er befürchtet, – durch die steigende Nachfrage auf den Getreidemärkten werde für das kommende Jahr eine Nachfragesteigerung von zusätzlich 2 Mio. t Getreide prognostiziert – dass die Preise für Brotgetreide deutlich anziehen werden.

Kopplung an den Ölpreis

Da ein erheblicher Anteil des Getreides künftig in den Energiemarkt abfließen könnte, befürchtet der Verband Deutscher Mühlen zudem eine Koppelung des Getreidepreises an den Ölpreis. Der Markt wäre dann sowohl den Steigerungen als auch den erheblichen Schwankungen innerhalb eines Jahres unterworfen.


Artikel vom 27.07.2006
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