Meinung

Unser täglich Brot


Den Welthunger wähnte man mehr oder weniger als gelöstes Problem. Uns hierzulande jedenfalls scheren ganz andere Probleme: „Satte hungrig zu machen“, lautet ein Slogan, mit dem Marketingexperten dem Handwerksbäcker klar machen wollten, das er sich nicht mehr als Versorger verstehen darf. Zur Retourenbegrenzung mahnen die Controller, damit nicht zuviel Brot oder gar teurer Sahnekuchen in den Abfallcontainer wandert. Oder nicht viel mehr, um den Gewinn zu optimieren? Wohl letzteres. Unser täglich Brot hat längst die ihm gebührende Achtung verloren.

Mit unglaublicher Geschwindigkeit rückt ein in Vergessenheit geratenes Thema jetzt wieder in die Medien: Hungerkatastrophen. Die Meldungen häufen sich – nicht über Hunger in Äthiopien, sondern in Mexiko, Ägypten, Indonesien, Haiti, Indien und weiteren Ländern. Die Ursachen für die angespannte Situation auf den Weltmärkten sind vielfältig und werden kontrovers diskutiert: Der verdoppelte Fleischverzehr in China oder Verheizen von Weizen wird ins Feld geführt, aber es ist wohl die verfehlte Subventionspolitik, die dazu führte, dass statt Reis, Mais oder Getreide – Baumwolle, oder Zitrusfrüchte angebaut wurden – freilich Exportsubventioniert.

Dass Spekulanten in der gegenwärtigen Situation auf weiter steigende Preise hoffen und wetten, kostet Menschenleben – Zynismus einer globalisierten Welt. Derweil kämpfen die Bauern hierzulande bereits wieder gegen ein drohendes Preisdiktat mächtiger Discounter, die die Milchpreise wieder massiv nach unten drücken wollen. Es ist ein Jammer, dass man die weltweite Agrarpolitik ebenso wenig wie die Energiepolitik so wenig nachvollziehen kann.


Artikel vom 16.04.2008
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