Branche_Politik

Total abgefahrene Preise?

Der Verband Deutscher Mühlen spricht von „deutlich höheren“ Mehlpreisen


Stuttgart (mfi). Die Zahlen sind ernüchternd: Die Tonne A- Weizen kostet zwischen 230 und 240 Euro, die Tonne Eliteweizen bis zu 280 Euro. „Die Müller sind gezwungen, die höheren Getreidekosten in ihrer Kalkulation zu berücksichtigen und ihre Peise anzupassen“, sagt Manfred Weizbauer.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM) berichtet von größenordnungsmäßig „100 bis 120 Euro je Tonne“. So viel müssten die Müller rein rechnerisch auf die Mehlpreise vom Juni aufschlagen, „um das teure Getreide aufzufangen“. Es bleibe jedoch abzuwarten, „inwieweit die kalkulierten Werte am Markt akzeptiert werden.“

Ausschlaggebend für die Preisspitzen sind nicht nur Ernteausfälle. „Die Niederschläge in den vergangenen Wochen haben sich negativ auf die Qualität ausgewirkt“, betont Weizbauer. Um die Nachfrage zu decken, müssten Müller bei überregionalen Lieferanten, zum Teil im Ausland, Getreide zukaufen.

Weltweit werden laut VDM dieses Jahr 20 MillionenTonnen Getreide zu wenig eingefahren. Trotz der vollen Läger im Jahr 2009 ergebe sich ein Defizit. Von „echten Versorgungsengpässen“ sei man jedoch weit entfernt, stellt Weizbauer klar.

Der Einfluss der Spekulanten an den Börsen lässt sich laut VDM schwer quantifizieren. „Sie verstärken den Trend um zehn bis 20 Euro pro Tonne.“

Laut Süddeutsche Zeitung pumpten Anleger im vergangenen Jahr mehr als 300 Milliarden Dollar in Indexfonds auf Weizen; 2003 waren es 13 Milliarden Dollar. Kritiker werfen den Spekulanten vor, die nächste Hungerkrise zu verursachen. Egal, ob Börsenblase oder Ernteausfälle – auch Bäcker müssen neu kalkulieren. In jedem Brötchen steckt Mehl im Wert von ein paar Cent. Moderate Preiserhöhungen, wie sie Fachverbände nahelegen, dürften bald Realität sein.


Artikel vom 18.08.2010
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