Meinung
Theorie und Praxis besser verbinden
Die Schulleiterin der Bäckerfachschule in Stuttgart plant Seminare in Bäckereien
Seit Anfang des Jahres ist Brigitte Ewald Schulleiterin der Württembergischen Bäckerfachschule in Stuttgart, an der sie seit 1992 als Fachlehrerin tätig ist. Die Verkaufsleiterin folgte in dieser Funktion Bäcker- und Konditormeister Hans-Georg Baum nach, der Ende letzten Jahres in den Ruhestand verabschiedet wurde. ABZ-Fachredakteur Dieter Kauffmann sprach mit ihr über die neue Aufgabe und die Weiterentwicklung der Bildung im Bäckerhandwerk.
ABZ: Bisher leiteten Bäcker- und Konditormeister die Stuttgarter Bäckerfachschule. Wird sich mit Ihrer Berufung in der Ausrichtung der Schule etwas ändern?
Brigitte Ewald: Mit jeder neuen Person an der Spitze ändern sich Schwerpunkte und Zielsetzung in der Führung eines Betriebes oder einer Schule. Wichtig ist in jedem Fall die eingebrachte Kompetenz, gemeinsam mit dem vorhandenen Team die Ausbildung an der Schule nach vorne zu bringen. Ob es hier ums Backen oder Verkaufen geht – beides ist gleich gewichtet. Durch meine Erfahrung im Verkauf kann ich in diesem Bereich noch stärkere Akzente setzen. Fachliche Fragen der Produktion beantworten unsere qualifizierten Mitarbeiter in der Bäckerei und Konditorei.
Das Jahr 2010 insgesamt bedeutet für die Schule personell eine Zäsur, gehen doch langjährige Fachlehrer in den Ruhestand?
Ewald: Herr Greiner und Herr Baum sind nun im Ruhestand, aber wir haben vorgesorgt und neue, junge Mitarbeiter eingestellt. Joachim Burkart ist Bäcker- und Konditormeister, Tobias Pfaff ist Bäckermeister, beide sind auch Betriebswirte des Handwerks. Mit diesen beiden engagierten Mitarbeitern sind wir fachlich gut aufgestellt. Außerdem mache ich weiterhin Unterricht bei den Verkäuferinnen der ÜBA.
Wie garantieren Sie für die gute Ausbildung von Azubis und Meisterschülern?
Ewald: Neben den hauptamtlichen Lehrern holen wir freiberufliche Dozenten und Lehrkräfte hier ins Haus und vor allem in diesem Bereich profitieren wir besonders vom Dachverband der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk (ADB). Über dieses Kompetenzzentrum können wir Lehrer zu speziellen Fachgebieten anfordern, die hier an der Schule das entsprechende Thema unterrichten oder Seminare durchführen.
Wer berät jetzt Innungsmitglieder bei fachlichen Problemen oder Fragen?
Ewald: Fachtechnologische Anfragen werden durch unser Kompetenzteam beantwortet, das aus selbstständigen Bäckermeistern besteht und auf das ich bei Anfragen zurückgreifen kann. Aber interessanterweise haben wir jetzt seit meinem Amtsantritt verstärkt Anfragen zu Verkauf und Marketing.
Gibt es Veränderungen beim Seminarwesen?
Ewald: Ja, es wird mit dem Programm für 2011 einige Veränderungen geben. Wir werden die Trends – wie Snacks, Kaffee oder Eis – noch stärker beachten und wir werden dazu auch Workshop-Seminare anbieten: nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitarbeiten und dabei lernen. Die Verkaufsseminare in den Bäckereien, die ich bisher schon veranstaltet habe, führe ich weiter fort.
Snacks als Chancen für die Bäckerei – was bieten sie hier Besonderes?
Ewald: Die ADB Württembergische Bäckerfachschule wird beispielsweise im Trendforum auf der südback 2010 ein neues Snack-Konzept präsentieren. Auf dieser Basis wollen wir unser Seminarwesen weiter ausbauen, denn die räumlichen Voraussetzungen hier im Haus sind mit unserem Frontbaking-Konzept in Küchenform schon längst vorhanden.
Was sind Ihre mittelfristigen Ziele – wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?
Ewald: Mein Motto heißt: Andere erfolgreich machen! Neben einem abwechslungsreichen Seminarprogramm, das aktuelle Trends umsetzt, soll die Schule direkt vor Ort in den Betrieben aktiv werden. Das heißt, es werden künftig mehr Fortbildungsseminare für Bäcker angeboten, die direkt in den Betrieben durchgeführt werden. Auf dieser Basis verspreche ich mir eine bessere Verbindung von Theorie und Praxis.
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