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Teures Mehl erhöht den Preisdruck
Deutscher Bauernverband verkennt den Ernst der Lage / Emotional geführte Diskussion um historisches Preishoch

Personal-, Energie- und Rohstoffkosten: Jeder der Faktoren leistet seinen Beitrag zur Preisbildung bei Brot und Brötchen – daran gibt es nichts zu deuteln.
Das alljährlich gepflegte Ritual im Kampf um Getreide-, Mehl- und Brotpreise zu Beginn der Erntezeit gerät 2007 etwas aus den gewohnten Fugen. Die Emotionen kochen hoch und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZVB) findet deutliche Worte, um dem Deutschen Bauernverband den Ernst der Marktlage der Betriebe des Bäckerhandwerks zu verdeutlichen: „Der Deutsche Bauernverband sollte die bewusste Irreführung der Öffentlichkeit über die Preisbildungsfaktoren bei Backwaren endlich abstellen, weil wir nicht länger akzeptieren, dass ein aus Steuermitteln hochsubventionierter Wirtschaftsbereich anderen Branchen Kalkulationsvorschriften machen will“, findet Präsident Peter Becker deutliche Worte. Und weiter: „Es ist eine betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeit, dass Preissteigerungen im hohen zweistelligen Prozentbereich für unseren wichtigsten Rohstoff Mehl nicht ohne Einfluss auf die Preiskalkulation unserer Betriebe bleiben.“
Dass ein Zusammenhang zwischen den massiven Getreide- und Mehlpreissteigerungen und der Preisentwicklung bei Brot und Backwaren besteht, bedarf eigentlich nicht der expliziten Klarstellung.
Dass der Brotpreis nicht nur vom Mehlpreis abhängt, dürfte ebenfalls offenkundig sein. Ein Blick auf zentrale Preisbildungsfaktoren lässt den Verband Deutscher Großbäcker bereits Alarm schlagen: Wesentliche Kostentreiber sind die gestiegenen Heizöl- und Strompreise (+20 bzw. +25%), Frachtkosten (+10 %) und Verpackungsmaterial (+8 %). In der Wertschöpfungskette vom Getreideanbau bis zum fertigen Brot, das über die Ladentheke geht, ist das Bäckerhandwerk außerdem sicherlich das personalintensivste Gewerbe.
Dennoch fühlt sich Bauernpräsident Sonnleitner berufen, bereits vor der neuen Ernte medienwirksam zu verkünden, dass die Brotpreise sich nicht ändern werden. „Die Preiskalkulation haben ausschließlich die verantwortlichen Unternehmer des Bäcker- und Konditorenhandwerks zu entscheiden und nicht die Vertreter irgendwelcher völlig anders gelagerter Interessen“, sieht sich Präsident Becker genötigt klar zustellen.
Unterdessen hat der Verband Deutscher Mühlen bereits darauf hingewiesen, dass die Abgabepreise für Mehl steigen werden. Um die Lage am Getreidemarkt zu entspannen, hat EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel angekündigt, die Stilllegungsprämie für die Aussaaten Herbst 2007 und Frühjahr 2008 zu streichen.
Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhardt Groebel begrüßt diesen Schritt, der eine zusätzliche Menge von 10 bis 17 Mio. t Getreide in Aussicht stellt. Groebel: „Es wäre besser, wenn der Deutsche Bauernverband solche sinnvollen Maßnahmen unterstützen würde, anstatt anderen Branchen Vorschriften über deren Preisbildung zu machen.“
In Nachbarländern sind gegenwärtig Preissteigerung von 7 bis 12 Prozent für Backwaren keine Seltenheit. Rationalisierungsmöglichkeiten bestehen im Handwerk kaum, so dass Preissteigerungen eine logische Konsequenz bedeuten. Ob sie denn kommen, entscheidet bei aller Verbandspolitik dann letztendlich der Markt.
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