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Tchibo legt in der Schweiz rasant zu

Vermehrt Umsatz vor allem im Depotgeschäft / Zahl der eigene Standorte stagniert


Hergiswil (p). Das ständig wechselnde Sortiment ergibt für Tchibo eine speziellen Wettbewerbsposition: «Wir haben eigentlich jede Woche einen neuen Konkurrenten», sagt Harald Mayer, der aus Wien die Tchibo-Geschäfte in Österreich und der Schweiz führt. Vor vier Jahren startete der Tchibo-Konzern, der inklusive seiner Mehrheitsbeteiligung am Kosmetikkonzern Beiersdorf 14 Milliarden Franken umsetzt, mit eigenen Läden in der Schweiz. Mit Schwung, wie die Umsatzzahlen zeigen, die das Marktforschungsinstitut IHA-GfK in Hergiswil NW erstmals veröffentlicht. „Tchibo ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt IHA-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener, „dieses Jahr wird in der Schweiz mit Sicherheit die Marke von hundert Millionen Franken Umsatz übertroffen.“ Darin ist der Versandhandel, der laut Mayer einen Kundenstamm von „über 125.000 Schweizern“ hat, noch nicht enthalten.

Der Schub im stationären Bereich kommt vor allem aus dem Depotgeschäft. In einer im Schweizer Detailhandel seltenen Weise betreibt Tchibo nicht nur eigene Läden, sondern richtet in Papeterien und Bäckereien Tchibo-Abteilungen ein. 72 Depots gab es Ende 2005. Am meisten Schub gibt Tchibo beim Konkurrenten Coop. Die Basler übten im Mai 2005 mit ersten Tchibo-Regalmetern in eigenen Supermärkten und expandieren jetzt stark. Vor kurzem wurde in einem Glarner Coop-Supermarkt das hundertste Tchibo- Depot eingerichtet.

Für Coop scheint das ein einträgliches Geschäft zu sein. Zumal “die Tchibo-Artikel das Coop-Sortiment nur marginal kannibalisieren“, wie Coop-Sprecher Jörg Birnstiel sagt. Der Basler Detailhändler budgetiert mit Tchibo ein Umsatzziel pro Standort und erhält eine durchschnittliche Marge auf den verkauften Produkten. Gut für Coop: Man muss sich nicht mit überzähligen Artikeln herumplagen.

Eine risikofreie wilde Ehe, wie Birnstiel erklärt: „Nach Ablauf der maximalen Präsentationsdauer von vier Wochen werden die nicht verkauften Artikel an Tchibo retourniert und voll vergütet. Somit entfällt jede Art von Sonderverkäufen oder Liquidation allfälliger Überhänge.“ Coop plant bereits den nächsten Expansionsschritt mit Tchibo-Depots auf eigener Fläche: „Insgesamt haben wir uns bis im späten Herbst rund 120 Standorte zum Ziel gesetzt.“

Derweil verläuft die Expansion der eigenen Tchibo-Standorte deutlich langsamer. 80 Schweizer Läden setzte man sich beim Markteintritt 2002 zum Ziel, derzeit sind es 50.

„Am Ziel von 80 halten wir fest“, sagt Mayer, „aber inklusive Tessin und Romandie.“ Weil Tchibo bisher nicht im französischen und italienischen Sprachraum aktiv ist, könnte sich das hinziehen.

Was dem Handelsriesen Zeit gibt, weiter an der Kaffeeakzeptanz in der Schweiz zu arbeiten: „Im übrigen Europa“, sagt Mayer,“schafft der Kaffee in unseren Läden 60 Prozent Umsatz, in der Schweiz sind es weniger als 40 Prozent.“ Offenbar trifft der Trank des Großrösters, der einst als Kaffee-Versandhändler begann und 1955 seine erste Filiale in Hamburg eröffnete, in der Schweiz noch nicht die Geschmacksnerven.


Artikel vom 01.09.2006
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