Meinung

Synergien nutzen durch kollegiale Zusammenarbeit

Eine Antwort auf die großen Mitbewerber könnten die richtige Partner sein


Wolfgang Hager ist mit seiner Bäckerei der Platzhirsch in St. Pölten. Der studierte Betriebswirt und Bäckermeister hat in den letzten Jahren den Betrieb kontinuierlich und konsequent aufgebaut. Heute betreibt er 12 Filialen und vier Verkaufsmobile, dabei sind Regionalität und ganzheitliche Führung wichtige Teile der Firmenphilosophie. In Vorträgen greift er gewisse Entwicklungen in der Bäckerbranche an und bezeichnet sie als „Todsünden“.

ABZ: Wie sehen Sie heute den Backwarenmarkt und welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Wolfgang Hager: Grundsätzlich stelle ich –auf den österreichischen Markt einschränkend – eine extreme Polarität bei den produzierenden Betrieben fest. Eine aktuelle Branchenstudie lässt erkennen, dass ein Großteil der Betriebe, insbesondere Mittelbetriebe (10 bis 50 Mitarbeiter) keine Gewinne erzielt. Der Lebensmitteleinzelhandel hat mit seinen Backstationen mehr als 50 Prozent Marktanteil und drängt diese Betriebe entweder in Lieferabhängigkeiten oder noch extremer, in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Nur eine entsprechende Positionierung am Markt, perfekte Produktqualität und moderne Unternehmensführung sichert diesen Betrieben eine entsprechend erfolgreiche Zukunft.

Sie sagen, dass vielen Betrieben die notwendige Qualifikation fehlt. Wie meinen Sie das?

Hager: Leider musste ich in den letzten Jahren oftmals erfahren, dass nicht nur im kaufmännischen Bereich, sondern gerade in bäckereitechnologischen Fragen keine adäquate Ausbildung vorhanden ist. Viele Bäcker haben es sich ganz einfach leicht gemacht – Convenienceprodukte prägen das Bild von Fachmessen. Haben die Bäcker das Backen verlernt? Die Antwort ist relativ einfach: weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden!

Sie haben in Vorträgen sieben „Todsünden“ der Bäckerei definiert. Was fällt Ihnen bei Trägheit und Gier ein?

Hager: Die Trägheit kann relativ einfach über eine Frage definiert werden: Schauen wir nicht alle manchmal ganz einfach weg? Sei es in Hygienefragen, bei der Verwendung von Convenience-Produkten oder auch im Umgang mit Mitarbeitern. Leider habe ich bei Beratungsbesuchen von nicht erfolgreichen Betrieben teilweise katastrophale hygienische Zustände erleben müssen. Aber ohne Hygiene keine Qualität – ohne Qualität keine Erträge und ohne Erträge keine Zukunft.

Die Gier ist die Angst vor Zusammenarbeit mit den richtigen Partnern. Nicht der Bäcker aus dem Nachbardorf ist unser Feind oder Konkurrent, ganz andere Marktmitspieler haben die österreichische Bäckerei links überholt. Sei es der Lebensmittelhandel, die Tankstellen, die Tk-Industrie – alle knappern am Bäckereimarkt, aber die Bäcker solidarisieren sich noch immer nicht!

Die Suche nach Synergien, nach Zusammenarbeit, nach Produktaustausch auf gewerblicher Ebene – das wäre die Antwort – denn Partner sind keine Feinde und das gilt auch umgekehrt.

Eine der „Todsünden“ heißt Zorn. Sie zeigen sich zornig beim Blick auf die Backmittelindustrie. Was ist der Grund?

Hager: In diesem Zusammenhang von Zorn zu sprechen, ist vielleicht ein wenig übertrieben. Die Backmittelindustrie hat in den Siebzigern und Achtzigern viel Unterstützung bei der Entwicklung der Bäckereien geleistet. Jeder Bäcker muss sich aber selbst die Frage stellen: Was zahlt ein neues Convenience-Produkt in meine eigene Marke ein? – wenn ein positiver Blickwinkel möglich ist, perfekt.

Dazu aber auch noch eine andere, grundsätzliche Frage: Was haben Seidensteppdecken und Damenunterwäsche mit einer Bäckerei zu tun?

Sie sind nicht nur Bäcker, sondern beraten auch andere Bäckereibetriebe. Was machen Sie hier konkret? Welche Fälle stehen zur Lösung an?

Hager: In den meisten Fällen ist der Aufbau eines aussagefähigen Controllingsystems, strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Optimierung der Ergebnisse die Grundlage der Erstberatung.

Leider habe ich erkannt, dass die Branche sehr beratungsresistent ist. Es kommen doch auch immer wieder Sanierungs fälle, die doch sehr oft –weil viel zu spät – nicht mehr gelöst werden können. (pf)


Artikel vom 10.12.2008
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