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Strukturelle Probleme

Französische Mühlenbetriebe stark unter Druck


Paris (age). In Frankreich kämpft die Mühlenwirtschaft mit strukturellen Problemen. Wie aus einer soeben veröffentlichten Bilanz des französischen Produktamtes für Getreide (ONIC) hervorgeht, hat der seit nunmehr zehn Jahren anhaltende Rückgang der Mehlexporte Überkapazitäten in der Vermahlung entstehen lassen. Diesen Effekt konnte auch ein erstes Umstrukturierungsprogramm aus dem Jahr 2000 nicht vollständig auffangen. Die Folge ist, dass die französischen Mühlenbetriebe nur zu rund drei Vierteln ausgelastet sind. Nach Auffassung des ONIC ist daher ein weiteres Strukturbereinigungsprogramm dringend notwendig. Sinnvoll sei aber nur ein Ansatz auf europäischer Ebene, denn ansonsten könnte die Sanierung dazu führen, dass – ebenfalls nicht ausgelastete – ausländische Mühlen ihren Marktanteil in Frankreich ausbauen. Entsprechende Überlegungen gibt es auch im Dachverband der französischen Mühlenindustrie (ANMF). Die Aussichten für ein europaweites Restrukturierungsprogramm werden von französischen Fachleuten allerdings als wenig realistisch eingestuft.

Nach Angaben des ONIC erzeugte die französische Mühlenwirtschaft im Jahr 2003 insgesamt 4,38 Mio. t Mehl, wovon 3,62 Mio. t im Inland abgesetzt und 760.000 t exportiert wurden. Der inländische Mehlverbrauch lag im Berichtsjahr stabil bei 3,77 Mio t. Ganz anders war die Situation im Export: Von 1996 bis 2003 schrumpften die Lieferungen der französischen Mühlenbetriebe ins Ausland um 54 Prozent. Traditionelle Abnehmer wie die Türkei, Ägypten oder Marokko bauten eigene Verarbeitungskapazitäten auf. Einige dieser Staaten, darunter die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate, wurden mittlerweile gar zu Konkurrenten für die französische Mühlenwirtschaft auf dem Weltmarkt.

Die Zahl der heimischen Mühlen, die im Jahr 1993 noch bei 828 gelegen hatte, ging bis zum Jahr 2003 auf 523 zurück. Dabei nahm die durchschnittliche Vermahlungskapazität pro Mühle um mehr als ein Viertel zu. Die 30 größten Betriebe hielten an der Getreidevermarktung 2003 einen Anteil von über 50 Prozent. Das ONIC sieht die Strukturen gleichwohl als unzureichend an.

Die zersplitterte Branche stehe einer immer stärker konzentrierten Brot- und Backwarenindustrie gegenüber, hebt das Produktamt in seiner Studie hervor. So waren industrielle und handwerkliche Backwarenhersteller mit 63  Prozent der gesamten Mehlproduktion die Hauptabnehmer der Mühlen. Es folgten die Ernährungsindustrie mit einem Anteil von 18  Prozent und private Haushalte mit 6 Prozent. Das wirkt sich auf die Verhandlungsposition der Mühlen nachteilig aus. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit. Die Folge ist ein kontinuierlicher Druck auf den Mehlpreis.


Artikel vom 06.07.2005
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