Aktuell

Struktur der Privatausgaben verschoben

Ausgabenanteile für Wohnen und Gesundheit gestiegen / Einzelhandel leidet doppelt


Berlin (age). Der Einzelhandel in Deutschland hat nicht nur unter der allgemeinen Konsumschwäche zu leiden, sondern auch unter einer Verschiebung der Ausgabenstruktur der privaten Haushalte. Darauf hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) vergangene Woche mit Bezug auf eine aktuelle Studie hingewiesen. Danach geben die Deutschen heute deutlich weniger für klassische Einzelhandelsgüter wie Nahrung, Bekleidung und Elektrogeräte aus und stattdessen mehr für Miete, Gesundheit und Urlaub als Anfang der neunziger Jahre. Nur noch jeder dritte Euro, den die privaten Haushalte für den Konsum ausgeben, wandert in die Kassen des Einzelhandels. Dessen Anteil an den gesamten privaten Konsumausgaben verringerte sich seit 1991 von 36,7Prozent auf 31,5 Prozent im vergangenen Jahr. Dagegen erhöhte sich der Anteil der Ausgaben für das Wohnen– Miete, Wasser, Strom und Wärme – am Konsumbudget von durchschnittlich 19,2Prozent im Jahr 1991 auf zuletzt 23,9Prozent. In den neunziger Jahren waren dafür in erster Linie die Mietsteigerungen verantwortlich; aktuell schlagen höhere Ausgaben für Energie zu Buche. Im Bereich der Ausgaben für Gesundheit zeigen laut BVR die Reform der Krankenversicherung und hier speziell die immer höher ausfallenden Zuzahlungen ihre Wirkung.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken erwartet, dass sich die Verschiebungen zu Lasten des Einzelhandels fortsetzen werden. Auch in Zukunft würden einige Bereiche, beispielsweise die Gesundheit, einen immer höheren Anteil an den gesamten Konsumausgaben erfordern, so der BVR. Gleichzeitig würden andere Bereiche wie Urlaub oder Telekommunikation bei den Verbrauchern an Attraktivität gewinnen. Eine Verbesserung der Situation des Einzelhandels kann nach Ansicht des Bundesverbandes nur über ein Wachstum des privaten Konsums erfolgen.

Die Erklärung der Konsumschwäche aus einem „Angstsparen“ heraus sei nicht haltbar. Die Sparquote sei aktuell weder im historischen noch im internationalen Vergleich besonders hoch. Für die schwache Entwicklung des privaten Konsums sei der geringe Zuwachs des verfügbaren Einkommens verantwortlich. Ein nachhaltiger Anstieg der Einkommen sei nur erreichbar, wenn die Arbeitsmarktprobleme in Deutschland gelöst würden.


Artikel vom 25.08.2005
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