Fokus

Stimmung erstaunlich gut

72 Prozent der Betriebe melden Umsatzplus / 84 Prozent mit Investitionsplanung


Stuttgart (wo). Das Bäckerhandwerk in Deutschland hat im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr 3,7 Prozent mehr Umsatz gemacht (insgesamt 12, 34 Milliarden Euro). Ein Wert, der mit den Ergebnissen des ABZ Monitors korreliert, einer repräsentativen Onlineumfrage, die im Vierteljahresrhythmus vom Marktforschungsinstitut Markplatz Hotel durchgeführt wird. Die positive Entwicklung scheint sich auch im Jahr 2008 moderat fortzusetzen. Nach einem leichten Dämpfer Anfang des Jahres meldeten jetzt immerhin wieder 72,2 Prozent der befragten Unternehmen (Juni 63,2 Prozent) ein Umsatzplus (siehe Grafik). Positiv ist dabei vor allem zu werten, dass die Umsatzzuwächse im Jahr 2008 nicht mehr auf das Konto von Preiserhöhungen gehen. Sie bestätigen allenfalls, dass die Preiserhöhungen durchgesetzt werden konnten.

Gute Investitionsbereitschaft

Positiv ist außerdem die anhaltende Investitionsbereitschaft: 84 Prozent der Unternehmen wollen in absehbarer Zeit investieren und praktisch alle befragten Betriebe waren auf einer oder gehen noch auf eine relevante Messe für das Bäckerhandwerk – allen voran die südback (siehe Infografik auf Seite 1). Vor allem die hohen bzw. steigenden Werte bei den Investitionen in den Kernbereichen der Bäckerei, Ladeneinrichtung und Backöfen, sind in dem Zusammenhang zu sehen. Erfreulich, dass bei der aktuellen Umfrage nur noch 9,7 Prozent der Unternehmen einen Umsatzrückgang melden musste. Bei der Juniumfrage waren das noch über 21 Prozent – möglicherweise auch saisonal bedingt. Bei der Veränderung des Gesamtumsatzes im Vergleich zum Vorjahr gaben fast 30 Prozent der Unternehmen an, mindestens 1 bis 5 Prozent zugelegt zu haben.

Bei fast 24 Prozent ist der Umsatz zwischen 6 und 10 Prozent gestiegen und fast 7 Prozent meldeten ein Umsatzplus von über 15 Prozent – wohlgemerkt im Vergleich zu den Werten im Jahr 2007. Bei nur 8 Prozent der Betrieben ist der Umsatz zwischen 1 bis 5 Prozent gesunken. 1, 4 Prozent beklagten zwischen 11 und 15 Prozent weniger Umsatz. Das heißt, unterm Strich liegen wir wieder deutlich im Umsatzplus. Die absoluten Gewinner sind dabei die Betriebe mit 16 bis 25 Geschäften. Hier konnten alle Befragten steigende Umsätze realisieren. Auch die Unternehmen mit 7 bis 12 Geschäften haben mit 85,7 Prozent einen guten Wert zu bieten. Bei Einzelunternehmen und bei Betrieben mit 2 bis 6 Geschäften geben „nur“ 60 Prozent der Inhaber an, dass der Umsatz gestiegen sei.

Höhere Umsatzerwartungen

Dieser Wert gilt auch für die Umsatzerwartungen der kleineren Unternehmen. Er liegt aber deutlich höher als bei unserer letzten Umfrage im Juni 2008 (36,4 %). Bei den Betrieben ab 7 Geschäften gehen zwar um die 70 Prozent der Unternehmer von steigenden Umsätzen aus (siehe Grafik), aber der Wert hat sich seit dem letzten Mal etwas verringert (80 %). Man könnte von einer kleinen Ernüchterung reden. Bei den Unternehmen mit 16 bis 25 Geschäften rechnen 100 Prozent mit höheren Umsätzen. An der Stelle wird deutlich, dass im Durchschnitt die Perspektiven der kleinen Unternehmen nicht ganz so rosig sind. Das kommt auch bei der Umsatz- und Betriebsstatistik des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) zum Ausdruck.

Der Jahresumsatz aller Handwerksbäcker ist im Jahr 2007 auf 12,34 Milliarden Euro gestiegen, aber die Zahl der Unternehmen ist im Vergleich zum Jahr 2006 um 3,1 Prozent von 16.280 auf 15.781 gesunken. Das heißt weniger Betriebe erwirtschaften mehr Umsatz. Man kann davon ausgehen, dass vor allem kleine Betriebe auf der Strecke geblieben sind.

Das mag an dem bekannten Problem liegen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Es hängt sicher aber auch mit den weiter steigenden Energie- und Rohstoffkosten zusammen. Denn, auch wenn sich die Lage am Getreidemarkt etwas entspannt hat, im Verhältnis schlagen gerade diese beiden Posten bei kleinen Unternehmen stärker zu Buche. Und da hier weiter mit steigenden Preisen zu rechnen ist, werden die Zukunftsaussichten der sogenannten Kleinen etwas schlechter eingeschätzt. Hinzu kommt, dass die Personalkosten weiter steigen. Und fällt die Selbstausbeutung der Unternehmer flach, ist auch der Kostenanteil höher als bei rationalisierten Großunternehmen. So gesehen könnte der in unserer Grafik ausgewiesene Wert für Personalkosten bei Betrieben mit einem Jahresumsatz von unter 500.000 Euro, der geringer ist als bei den größeren Betrieben, als Indiz für die Selbstausbeutung gelesen werden.

Investitionsthema Qualifikation

Doch von der Spekulation zurück zu erfreulichen Fakten: Es wird nach wie vor investiert und zwar in allen Betriebsgrößenklassen. Dabei kommt zum Ausdruck, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Ohne Qualifikation keine Qualität: 70 Prozent der befragten Inhaber geben an, in die Mitarbeiterschulung investieren zu wollen. Immer noch 56 Prozent wollen in die Ladeneinrichtung investieren. Ein Wert, der seit etwa zwei Jahren anhaltend hoch ist.

Interessant ist eine deutliche Steigerung bei der Investitionsplanung bei Backöfen. Waren es im Juni noch 19,4 Prozent der Betriebe, die in neue Backofentechnik investieren wollten, so sind es jetzt 26,3 Prozent. Mag sein, dass die nahende südback inspirierend wirkt. Sicher haben aber viele Bäcker auch erkannt, dass sie nur eine Chance am Markt haben, wenn sie mit energieeffizienteren Öfen für gleichbleibend hohe Qualitätsproduktion sorgen können.

Ein weiteres wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Energieeffizienz und der Qualitätsproduktion ist die Kältetechnik. Ein Drittel der befragten Unternehmen befasst sich intensiv mit dieser wichtigen Stellschraube zur Rationalisierung der Arbeitsabläufe und hat Investitionen in dem Bereich ins Auge gefasst.

25 Prozent der Betriebe wollen in ein schon vorhandenes oder in ein neues Kaffeekonzept investieren. Anbetrachts des Potenzials, das sich hier weiterhin bietet, scheint noch vornehme Zurückhaltung zu herrschen – oder die Betriebe sind schon optimal aufgestellt. Es lohnt sich jedenfalls, zu überlegen, ob man das Kaffeegeschäft die anderen machen lässt. Zumal die Investitionen überschaubar, die Margen gut und die Synergieeffekte vor allem mit dem Kuchen, Feinbackwaren und Snacksortiment offensichtlich sind.

Informiert investieren

Wer investieren will, tut gut daran, sich umfassend zu informieren. Ein Messebesuch kann da nicht schaden. Insgesamt 84 Prozent der befragten Unternehmer planen Investitionen. Fast alle waren schon oder gehen noch auf eine Fachmesse, wie eingangs berichtet. Wobei 56, 5 Prozent laut unserer Umfrage auf der südback auf die Pirsch gehen (siehe Grafik Seite 1). Gefolgt von der Internorga (33,9 %) und der Sachsenback (32,3 %). Aber auch die Biofach wird noch relativ stark genutzt (12,9 %).

Die südback 2008 werden wieder über 50 Prozent aller befragten Kollegen besuchen. Ein sehr hoher Wert, wenn man bedenkt, dass in der Umfrage alle Regionen Deutschlands repräsentativ erfasst sind. Der hohe Stellenwert und die hohe Wertschätzung der südback drückt sich auch darin aus, dass immerhin 88,6 Prozent der Besucher der südback 2007 auch dieses Jahr wieder antreten wollen.

Fazit: Die Stimmung ist im Bäckerhandwerk erstaunlich gut – trotz steigender Kosten und eingetrübter Konjunkturaussichten. Und obwohl der Spielraum nach oben recht gering ist, geben 60 Prozent der Befragten an, weitere Preisanpassungen zu vorzunehmen (siehe Grafik). Bleibt zu hoffen, dass die Bankenkrise und die steigenden Kosten der Privathaushalte den Verbrauchern nicht zu sehr aufs Gemüt schlagen.


Artikel vom 30.09.2008
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