INTERVIEW der woche

Starker Zuwachs bei Produktionstechnik


Die iba steht kurz bevor. Die ABZ sprach mit dem Cheforganisator der iba, Franz Reisbeck, über neue Trends, die Erwartungen der Messegesellschaft GHM (Gesellschaft für Handwerksmessen München) und auch darüber, was neu und was anders ist auf der iba 2006 in München.

ABZ: Können Sie jetzt schon sagen, was sich gegenüber der letzten iba in München vor 6 Jahren verändert hat?

Franz Reisbeck: Messen sind seit jeher Branchen- und Konjunkturbarometer. Sie verschaffen Fachbesuchern und Entscheidungsträgern einen lückenlosen Überblick über das, was an Trends rund um den Globus läuft. In europäischen Backstuben werden heute Spezialitäten aus Übersee, wie etwa Donats, Bagels oder Fladenbrote hergestellt. Umgekehrt wächst aber auch außerhalb Europas die Zahl der Menschen, die Geschmack an europäischen Teigwaren finden. Ein weiterer Trend ist auch, dass Convenience-Produkte zunehmend an Bedeutung gewinnen: z. B. hat Gebäck als „Ready-to-eat“-Produkt einen hohen Stellenwert.

Trotz aller erfreulichen Konsum-Entwicklungen verzeichnet das backende Gewerbe einen anhaltenden Konzentrationsprozess, der sich auch bei den Messebeteiligungen widerspiegelt. Seit den fünfziger Jahren ist die Zahl der Betriebe von 55.000 allein in Westdeutschland auf derzeit rund 17.500 in Gesamtdeutschland zurückgegangen. Wie ein Betrieb in dieser Situation wettbewerbsfest wird, zeigt die iba 2006 in München. Die Schlüsselstrategien heißen: Produktvielfalt, Qualität, Frische und verbrauchernahe Serviceleistungen.

Aber auch in der iba selbst tut sich konzeptionell viel: So sind jetzt alle backenden Gewerbe eingebunden, nachdem erstmals auch der Deutsche Konditorenbund und der Verband der Großbäckereien Flagge zeigen. Neu sind zudem die internationalen Wettbewerbe. Sie passen zu der fortschreitenden Globalisierung, die auch vor Traditionsgewerben nicht Halt machen – und die sich ebenso in den 48 Staaten ausdrückt, welche das Komplettangebot der iba 2006 bestücken. Noch keine iba je zuvor war international so anregungsreich.

ABZ: Gibt es Indikatoren dafür, dass die Investitionsbereitschaft der Branche zugenommen hat? Wenn ja, in welchen Bereichen?

Franz Reisbeck: Da Messen Märkte widerspiegeln, wissen Messeveranstalter, insbesondere bei internationalen Veranstaltungen wie er iba, ganz genau, was in den Märkten läuft. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 954 Aussteller aus 48 Ländern, die eine Nettofläche von über 71.000 m² belegen, repräsentieren den dynamischen Weltmarkt des Backens.

Beim letzten Mal vor drei Jahren waren es 895 Aussteller aus 35 Ländern, mit einer Nettobelegungsfläche von 66.969 m². Wie jeder ABZ-Leser unschwer erkennen kann, machen wir damit auf der iba 2006 in München einen deutlichen Sprung nach vorne. Er signalisiert auch und vor allem, dass das backende Gewerbe konjunkturell wieder Morgenluft wittert. Was die Branchenanteile angeht, die auf der iba 2006 vertreten sind, muss man etwas differenzieren: Während die Zahl der Aussteller und belegten Quadratmeter in den Bereichen Verkauf/Ladeneinrichtungen und im Bereich Dienstleistungen geringfügig niedriger ausfällt, gab es in anderen Bereichen deutliche Zuwächse: So wird sich der Anteil der Produktionstechnik auf der bevorstehenden iba 2006 von 55 % auf 62 % des gesamten Ausstellungsangebotes erhöhen. Auch der Anteil der Rohstoff-Anbieter stieg von 20 % (im Bezugsjahr 2000) auf 23 %. Für uns als Messeveranstalter sind dies eindeutige Indizien für eine zunehmende Investitionsbereitschaft der Bäcker und Konditoren.

ABZ: Sind jetzt schon gewisse Trends abzusehen?

Franz Reisbeck: Die Vielfalt der beteiligten Firmen aus dem In- und Ausland und die vielschichtige Produktpalette machen es schwer, von verallgemeinerbaren Trends zu sprechen. Dennoch zeichnen sich im Vorfeld der iba 2006 offensichtlich folgende Entwicklungen ab: Bei der industriellen Backtechnik signalisieren uns die Aussteller, dass aus Kostengründen die Automatisierung weiter anhält.

Die Preisgestaltung von Supermarktketten als Abnehmer ist dabei ein ganz wesentliches Motiv. Zur weiteren Automatisierung gehört der Trend zur kontinuierlichen Teigherstellung und zu computergesteuerten Lager- und Versandsystemen.

Bei der mittleren Backindustrie hält allem Anschein nach die Entwicklung flexibler Anlagensysteme zur Herstellung von Qualitätsprodukten an. Dazu gehören der Einsatz teigschonender Aufbereitungssysteme mit Laminiertechnik ebenso wie mehretagige Durchlauf-Backöfen, die Parallelproduktionen ermöglichen.

Und bei handwerklich ausgerichteten Bäckereibetrieben sind als Trend halbautomatische Aufbereitungs- und Gärsysteme zur Einmann-Bedienung gleichermaßen zu nennen wie auch die Tatsache, dass wohl zunehmend Tiefkühlware zugekauft wird, um die Sortenvielfalt zu erhalten.

Bedeutsam für kleine und mittlere Betriebe sind aber auch neue Marketingkonzepte, die auf der iba 2006 diskutiert werden. Sie füllen Marktnischen – etwa in Ladenbau und rund um die Kaffeespezialitäten, die noch nie so breit und ausführlich auf einer iba präsentiert wurden.

ABZ: Gibt es besondere thematische Schwerpunkte auf der Messe?

Franz Reisbeck: Lassen Sie mich das gro skizzieren, was uns die Aussteller in knapper Form vor Veranstaltungsbeginn mitteilen: Die Innovationen reichen von der Weiterentwicklung des Holzbackofens, der Vereinfachung des Ladenbackens, Heizen mit Thermoöl, höhere Energieeffizienz bei den bisherigen Backsystemen über neue Wärmeübertragungstechniken bei Etagenöfen und dem Einsatz von „Bäckerkälte“ bei Gärprozessen bis zu Weiterentwicklungen bei der Laminiertechnik.

Wenn unsere Messemarktforscher zu unserer Freude regelmäßig mitteilen, dass der iba-Besucher diese Veranstaltung im Schnitt 2,2 Tage besucht, dann ist das ein deutlicher Beweis für den Informationsgehalt dieser Messe. Hiervon sollten alle Fachleute des backenden Gewerbes reichlich Gebrauch machen. Wer noch nicht weiß, wie er am günstigsten nach München zur iba kommt, sollte sich unter unserer Besucher-Hotline +49 (089) 949 55 338 erkundigen.

ABZ: Welche Themen werden im Rahmenprogramm aufgegriffen?

Franz Reisbeck: Unter dem Namen iba Cup gibt es diesmal in de Halle B3 einen neuen Backwettbewerb. Hier treten internationale Bäcker- und Konditorenteams gegeneinander an. Die Teams kommen nicht nur aus europäischen Ländern wie Frankreich, Polen oder Dänemark, sondern auch aus Asien und Südamerika. Dieser Wettbewerb findet vom 3. bis 9. Oktober 2006 in vier Kategorien statt; sie nennen siech ‚Europa-Cup‘, ‚Cup der Konditoren’, ‚World-Cup‘ und ‚Cup der Bäckerjugend‘. Eine Fachjury wird die hergestellten Backwaren nach Optik und Geschmack bewerten, die Siegerehrung erfolgt am jeweiligen Folgetag. Beim Cup der Bäckerjugend, der am letzten Messetag durchgeführt wird, findet die Siegerehrung noch am gleichen Tag statt. Weiter im Rahmenprogramm steht das traditionelle Konzert der Bäckersänger am ersten Messetag mit rund 1000 Bäckersängern.

Welchen Stellenwert diese Messe hat, unterstreicht auch die Tatsache, dass sie der Bundeswirtschaftsminister persönlich eröffnen wird: Schließlich weiß sich Michael Glos als Müllermeister der Branche besonders verpflichtet. Was sich sonst noch alles im Rahmenprogramm der iba 2006 in München tut, können ABZ-Leser leicht im Internet nachlesen unter www.iba.de.

ABZ: Welche Tipps haben Sie? Wie können die Besucher bei dem vielfältigen und heterogenen Angebot der Messe den Überblick bewahren?

Franz Reisbeck: Ein Stichwort habe ich schon gegeben: Einfach mal ins Internet schauen unter www.iba.de.

Wer aber vor Messebeginn keine Zeit dafür hat, braucht sich nicht zu sorgen: An den Eingängen West und Ost unseres Münchner Messegeländes sind unsere Info-Stände bestens für Besucherfragen gerüstet.

Zudem gibt es Monitore, die auf Berührung mit dem Zeigefinger hin Antworten auf eingegebene Fragen geben. Zusätzlich gibt es an den Hauptverbindungswegen der Messehallen noch mal Info-Points, wo charmante Messehostessen Antworten geben.

Auch die ABZ-Leser können sich davon überzeugen: Service wird auf der iba von 3. bis 9. Oktober großgeschrieben. Und bitte nicht vergessen, wie vor kurzem Bernd Kütscher, der Direktor der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim geschrieben hat: „München ist immer eine Reise Wert. Schön, wenn man die schöne Stadt mit einem Besuch der iba verbinden und sämtliche Kosten der Reise von der Steuerlast absetzen kann.“ (wo)


Artikel vom 21.09.2006
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