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Sparen allein ist kein Zukunftskonzept

Verbandstag BIV Hessen: Betriebsberater Keller analysierte Markttendenzen und definierte künftige Anforderungen


Espenau (dtp). „Das Jahr 2004 war durchwachsen,“ so das Fazit von Ralf-Jürgen Keller auf dem Verbandstag des BIV Hessen vor seiner Darstellung von Zahlen und Fakten aus der Betriebsberatung. Insgesamt habe der Umsatz unter dem des Vorjahres gelegen, dabei wäre dessen Verteilung sehr unterschiedlich gewesen.

Mit Zahlen vom Betriebsvergleich zeigte er auf, dass zum Beispiel der Rohstoffeinsatz mit 26 Prozent um sechs Prozent zu hoch gelegen habe. Energiekosten seien um bis zu 30 Prozent gestiegen, Zinsen dafür rückläufig und der Anteil an Aufwendungen für Reparaturen sei ebenfalls nach oben gegangen. Er vermutet hier, dass an Stelle von Investitionen häufiger die Instandsetzung bevorzugt worden sei.

Bei der Darstellung von Statistiken der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) wies er darauf hin, dass bei Brot und Brötchen ein Rückgang der Marktanteile zu sehen sei und das Bäckerhandwerk auf Werte bis zu 53 Prozent abgerutscht sei.

Im einzelnen seien bei Brötchen, Brezeln und Croissants Rückgänge von 4,3 Prozent im Vergleich zu 2003 zu erkennen, bei Plunder und süßem Kleingebäck 12,9 Prozent und bei Brot 2,3 Prozent für jeweils den gleichen Zeitraum. Der Umsatzverlust bei Brot zeige sich „schleichend“. Was wiederum sehr gefährlich sei, weil man es mit nur geringen Einzelwerten zu tun habe, die sich aber dann doch summierten.

Als Konsequenzen aus der Veränderung des Marktes sah Keller,

steigenden Kostendruck in den Betrieben durch Wegfall von deckungsbeitragsstarken Artikeln,

weiteren Sparzwang und Druck zur Spezialisierung,

Verschärfung des Wettbewerbs durch Markt-Verschiebungen seitens des LEH,

die Anzahl der handwerklichen Verkaufsstellen ohne „Zusatznutzen“ werde sich künftig reduzieren.

Zu erwarten sei eine Polarisierung und teilweise Spezialisierung.

Kurzfristig komme es nochmals zu einer leichten Abnahme von backenden Betrieben und handwerklichen Verkaufsstellen. Mittelgroße und große Betriebe müssten zum Überleben weiter wachsen und rationalisieren, um den Umsatzverlust und Kostendruck zu kompensieren.

Mittelfristig sei wieder eine Zunahme von stark spezialisierten backenden Betrieben zu erwarten. Allerdings überwiegend als Kleinbetriebe mit keiner oder höchstens bis zu drei Filialen.

Das klassische Liefergeschäft werde sich für handwerkliche Betriebe weiter reduzieren. Die Discounter haben einen Marktanteil von fünf bis sieben Prozent, der sich kaum noch weiter erhöhen werde.

Die künftigen Anforderungen an die Bäckerei als Fachgeschäft mit Spezialisierung stellte Keller so dar:

Angebot von betriebsspezifischen Produkten, Zusatzangebote,

hohe Fachkompetenz,

angepasste Öffnungszeiten,

aktive Werbung,

Frische als Tages-Bäckerei sowie

Herausstellung von „Mehrwert“ für

die Kunden.

Dieses mit dem Ziel, sich vom Standard, vom LEH und von den Discountern abzuheben. Damit einhergehen müsse eine Anpassung des Backwarensortiments mit einem straffen Grundsortiment in absoluter Frische und optimaler Qualität. Das müsse ergänzt werden durch ein betriebsspezifisches, wechselndes Randsortiment zur Profilierung. Weiter sollten Angebote und Aktionen durchgeführt werden, von Discountpreisen sei aber Abstand zu nehmen.

Für das Erste Quartal 2005 sah Keller in der Erfahrung aus Beratungen eine überwiegend positive Umsatzentwicklung zwischen einem und sechs Prozent auf bestehender Fläche gegenüber dem Vorjahresniveau. Preiskorrekturen zwischen drei und zehn Prozent meist im Neben- und Rand-Sortiment würden von den Kunden angenommen. Aktionen mit Angeboten und Ladenbacken führten überwiegend zu deutlichen Umsatzsteigerungen, hier seien im ersten Quartal 2005 speziell die Snack-, Gastro- und Café-Umsätze deutlich besser gewesen als im Vorjahr.

Fazit: Sparen allein sei kein Konzept für die Zukunft und führe nicht zum Erfolg. Durch verschiedene Maßnahmen mit Controlling und Kostenoptimierung wären bis zu 10 Prozent an Verbesserungen und durch richtiges Marketing drei bis fünf Prozent Zuwachs zu erreichen.


Artikel vom 16.06.2005
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