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Sonnleitners Brotpreis-PR kritisiert

LIV Bayern protestiert mit Brief ans Landwirtschaftsministerium gegen „Preispolitik“


München (p). Jahr für Jahr wird im Hochsommer das gleiche Stück gegeben: Bauernpräsident Gerd Sonnleitner weiß bereits vor Abschluss der Getreideernte, welchen Anteil die Rohstoffkosten für Mehl am Brotpreis haben und er fordert lautstark, dass sich dieser Preis nicht ändern darf. In diesem Jahr hat Sonnleitner auch noch den Bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller für diese höchst fragwürdige Form der Öffentlichkeitsarbeit instrumentalisiert, wie der Landesinnungsverband in einer Pressmeldung betont.

Das bayerische Bäckerhandwerk hat deshalb eine Veröffentlichung im Münchner Merkur zum Anlass genommen, um das Bayerischen Landwirtschaftsministerium auf die unredliche Brotpreis-PR des Bauernverbandes hinzuweisen und gegen Sonnleitners Verhalten energisch zu protestieren. Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger, MdL findet in seinem Schreiben deutlich Worte: „Wir wollen nicht die Anstrengungen und Probleme unserer Bauern verkennen – aber wir können es nicht hinnehmen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, als verdienten sich die Bäcker auf Kosten der Bauern eine goldene Nase“.

Der Landesinnungsverband des bayerischen Bäckerhandwerks vertritt generell die Position, dass in einer Marktwirtschaft die Preisfindung ein Tatbestand ist, der – wie der Name schon sagt – vom Markt geregelt wird. Der anbietende Bäcker soll für seine Produkte den Preis verlangen, der notwendig ist, um seinen Betrieb gewinnbringend zu führen. Der Verbraucher ist bereit, diesen Preis zu zahlen, wenn er von der Qualität der Backwaren überzeugt wird.

Protestbrief an den

Landwirtschaftsminister

Nachfolgend der Wortlaut des Schreibens an den Bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller, MdL:

„Sehr geehrter Herr Staatsminister Miller,

der Münchner Merkur berichtet in seiner Ausgabe vom 07. Juli auf Seite 11 unter der Überschrift „Mai-Regen vertrieb den Dürre-Schock“ über die Erntebilanz der bayerischen Bauern. Dazu wurde im Großformat ein Foto abgedruckt, auf dem Sie und Herr Präsident Sonnleitner einen großen Brotlaib in Händen halten, aus dem ein kleines Stück (nämlich laut Herrn Präsident Sonnleitner der kleine Teil, der den Bauern vom Brotpreis bleibt) herausgeschnitten wurde. Diese Darstellung erzürnt uns sehr.

Es stößt mittlerweile bei uns und unseren Betrieben auf völliges Unverständnis, dass Herr Sonnleitner Jahr für Jahr bereits vor der Ernte weiß und lauthals verkündet, dass sich die Brotpreise nicht ändern werden. Es ist eine unsägliche Geschichte, dass der Vorsitzende eines bedeutenden Verbandes die Kostenstrukturen nicht zur Kenntnis nehmen will, sondern ihm offensichtlich keine Verunglimpfung zu schade ist, um auf die Marktprobleme seiner Mitglieder – die nicht wir Bäcker zu vertreten haben – aufmerksam zu machen. Bedauerlich ist, dass er dabei nicht davor zurückschreckt, auch die Politik für diese unredliche Art der Öffentlichkeitsarbeit einzuspannen.

Wir wollen nicht die Anstrengungen und Probleme unserer Bauern verkennen – aber wir können es nicht hinnehmen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, als verdienten sich die Bäcker auf Kosten der Bauern eine „Goldene Nase“. Derartige Suggestionen, die wir bereits seit Jahren in den unterschiedlichsten Ausprägungen erleben müssen, sind für unsere Betriebe unzumutbar.

Das Bäckerhandwerk ist in der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Ladentisch das wohl kosten- und investitionsintensivste und mit Sicherheit das personalintensivste Gewerk. Aufgrund der gegebenen, dem Leser einer Tageszeitung nicht vermittelbaren komplexen Kostenstrukturen verbietet sich eine plakativ gestaltete öffentliche Auseinandersetzung darüber.

Vor dem geschilderten Hintergrund finden wir es mehr als unglücklich, dass Sie in der oben erwähnten Darstellung der Preisthematik vor den Karren des Bauernpräsidenten gespannt wurden. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie künftig einem solchen Ansinnen eine eindeutige Absage erteilen würden.“


Artikel vom 19.07.2007
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