Snacks & Sitte

Kommentar



Glaubt man Marktforschern, können es sich Bäcker heute fast nicht mehr leisten, nicht ins Snack-Geschäft einzusteigen. Der Markt wächst, die Angebote werden immer vielfältiger, heißt es. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkenne, müsse bald ganz kleine Brötchen backen – oder seine Backstube dichtmachen.

Die Praxis lehrt: So mancher Unternehmer, der sich euphorisch ins Geschäft gestürzt hat, hat eine Bauchlandung hingelegt. Und so mancher ist danach nicht mehr hochgekommen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, genauso wie die Snackkonzepte und -rezepte, die als Wundermittel angepriesen werden.

Schaut man sich heute in Einkaufspassagen, Bahnhöfen oder anderen typischen Snack-Jagdrevieren um, vergeht einem leicht der Appetit. Erwachsene Menschen gerieren sich, als hätten sie nie eine Kinderstube erlebt. Ohne jede Hemmung wird geschlürft, gemampft, gebröselt, gekleckert. Was zu Hause undenkbar scheint, mutiert zum Gesetz der Straße.

Passt dies zum Bäckerhandwerk? Tradition, Qualität, Genuss in dreißig Sekunden verschlingen? Reste auf den Boden verstreuen? Keine Frage, jeder Kunde ist willkommen und jeder ist König. Und Verzehrgewohnheiten sind Privatsache. Keine Frage aber auch: Bäckerhandwerk ist Kultur. Backwaren verdienen ebenso wie die viel zitierte „haute cuisine“ Wertschätzung und Respekt.

Dies zu vermitteln, liegt als Grundgedanke für Handwerker nahe, die sich nachhaltig auf dem Markt positionieren wollen. Der Wettbewerb in der Industrie schläft nicht. Viele Großanbieter sind dabei, ihre Konzepte zu überarbeiten. Sie verwandeln das profane Snackgeschäft in Snackkultur. Bäcker sollten sich nicht die sprichwörtliche Butter vom Brot nehmen lassen – nicht in Sachen Kultur!


Artikel vom 29.09.2010
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