Branche_Politik

Schlechte Politik erfordert starke Verbandsarbeit

Mitgliederversammlung des Zentralverbandes in Dresden: Präsident Becker übt scharfe Kritik an Politik der großen Koalition


Dresden (wkr). Scharf ins Gericht ging Präsident Peter Becker auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes mit der Politik der Bundesregierung. „Die große Koalition wirkt in ihren Entscheidungen wie gelähmt und wer Lösungen vordringlicher Probleme erwartet hat, sieht sich bitter enttäuscht“, so Becker. Halbherzige Ansätze würden dem dringenden Reformbedarf nicht gerecht und zahlreiche Irrwege, wie die Verlängerung des Arbeitslosengeldes oder Einführung von Mindestlöhnen, bringen die Politik vom richtigen Weg der Agenda 2010 ab. „In einer solchen Situation kommt der Verbandsarbeit eine besondere Bedeutung zu, nämlich den Anliegen der Handwerksunternehmen Gehör zu verschaffen, betonte Becker. Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhardt Groebel unterstrich Beckers Ansicht: „Wir müssen den zwar vergleichsweise guten Organisationsgrad von circa 70 Prozent nicht nur halten, sondern deutlich steigern – Ziel müssen die 100 Prozent sein“, forderte Groebel.

Unter den vordringlichen Problemen für das Bäckerhandwerk sprach Becker an erster Stelle die Neuordnung der Gefahrentarife der BGN an und zeigte sich fest entschlossen, bis zur dritten Instanz die bereits angestrebten Musterprozesse zu führen, um die Gleichschaltung des Tarifs für Verkauf und Produktion zu verhindern. Langer Atem sei gefragt, da sich das Prozedere über fünf Jahre hin ziehen kann. Auch in Sachen Verpackungsverordnung sei noch nicht das letzte Wort gesprochen: Mit Schützenhilfe aus München von LIM Traublinger wird mit einem neuen Rechtsgutachten die Sonderstellung von Serviceverpackungen im Bäckerhandwerk herausgestellt. In Dresden wurde die Mitgliederversammlung abermals durch ein informatives Rahmenprogramm flankiert. Höhepunkt war die Vorstellung der Bäcker-Nationalmannschaft, die mit Team-Chef Michael Wippler und ihrem Coach Bernd Kütscher, Direktor ADB, zukünftig das Image und Ansehen des Bäckerhandwerks steigern soll (siehe ABZ Nr. 24). Auch die weiteren Programmpunkte stellten Leistungsfähigkeit und Image des Bäckerhandwerks in den Fokus:

bro:Tplus: User-Freundlichkeit

Frank Rennebarth präsentierte ein jüngst entwickeltes, computergestütztes Verbraucherinformationssystem: Bestehend aus einem Windows-PC und einem Bildschirm als Touch-Screen konzipiert, können sich Kunden des Bäckerfachgeschäftes dank einfacher Menüführung selbst über Inhaltsstoffe (z. B. Allergene) und Nährwerte einer Backware informieren. Voraussetzung für den Einsatz des Infoterminals ist die bereits eingeführte Branchensoftware bro:Tplus, die inzwischen auch mit einer Schnittstelle zur Rezeptursteuerungs-Software ThorBackPlus ausgestattet ist. Auf eine Schwierigkeit bei bro:Tplus machte Heinz Hofmann, Obermeister München, aufmerksam: „Die Einstiegshürde für das Einpflegen der Daten liegt ungemein hoch“, gab der OM zu bedenken und viele Bäcker scheiterten daran. In der Diskussion legte Rennebarth dar, dass ein Seminarbesuch, sprich eine Schulung eigentlich unabdingbar sei und auch eine weitere Betreuung vor Ort – je nach Kenntnissen des Bäckers – in der Regel ebenfalls ratsam ist. In der Diskussion wurde zudem deutlich, dass zusammengesetzte Zutaten, beispielsweise Backvormischungen, Schwierigkeiten bei der vollständigen Erfassung der Inhaltsstoffe machen. Hier könnte aber eine Zusammenarbeit mit den Bäkos allerdings Abhilfe schaffen. Mit einem Paketpreis von 2600 Euro inklusive Hardware kann der Zentralverband den Kundenterminal deutlich unter üblichen Marktpreisen anbieten, so Rennebarth.

Bleibt zu hoffen, dass viele Betriebe in das System investieren und dann auch das Schulungsangebot nutzen, um dem ambitionierten Anliegen des ZV, mit dem Terminal gesetzliche Etikettierungsvorschriften überflüssig zu machen, in der Praxis auch gerecht zu werden.

Überregional Image aufbauen

Ambitionierte Ziele hat sich auch die Werbegemeinschaft des Bäckerhandwerks für 2009 gesetzt, vornehmlich um dem drohenden Lehrlingsmangel zu begegnen. Hier liegt eines der Kardinalprobleme für das Handwerk, denn anspruchsvolles Verkaufen und Backen in einer Filiale lässt sich nicht per Knopfdruck wie bei den jüngst eingerichteten Backautomaten von Aldi organisieren. Diana Kohzer vom ZV erläuterte die umfangreiche Nachwuchsoffensive, die mit Infobroschüren, Radiowerbung und Anzeigenkampagnen die Zielgruppe altersgerecht ansprechen wird. Viel Arbeit wartet auf die Werbegemeinschaft, die über das Verschicken von Infobroschüren hinaus auch vor Ort in den Schulen bzw. auf Berufsbildungsmessen für eine Ausbildung im Bäckerhandwerk die Werbetrommel rühren will. „Die Schulabgänger gilt es da abzuholen, wo sie sind“, erläuterte Kohzer und meinte damit nicht nur das wortwörtliche Engagement vor Ort, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung der Berufsinfos an den Vorstellungen der Kids.


Artikel vom 29.09.2008
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