Kolumne

Real existierende Hygiene in Backstuben


In vielen Beiträgen von Fachzeitschriften gibt es Reportagen aus backenden Betrieben. Dann sind auch meistens Fotos zu sehen, die die Produktionsräume und auch die dort arbeitenden Menschen zeigen. Bei manchen Berichten fragt man sich, ob der Fotograf und auch der Redakteur einen ausreichenden fachlichen Hintergrund haben, denn die Aufnahmen zeigen immer wieder wenig Sensibilität für einfachste Hygienemaßnahmen. Zumindest wenn eine Kamera in der Produktion auftaucht, sollte man vor und hinter dem Objektiv ernsthaft interessiert sein, dem Betrachter des Bildes einen um Sauberkeit bemühten Betrieb zeigen, als Vorbild sozusagen.

Doch oft genug sehe ich Personen, die keine Kopfbedeckung tragen (ist vielleicht nicht überall vorgeschrieben, doch dazu später), die befleckte T-Shirts anhaben und die Schürzen sind so verschmiert, dass man sie sicher nach der Arbeit „abstellen“ kann, denn die Verschmutzungen werden den Stoff schon stabilisieren bis der Fleckenpanzer, in der kommenden Nacht wieder umgeschlungen wird.

Auch die Räume und Gerätschaften lassen in diesen Betrieben mangelndes Hygienebewusstsein deutlich werden. Teigreste an den Maschinen, auf den Abziehern, unsaubere Schüsseln und ziemliche Unordnung im Hintergrund. Zu oft sieht man auch Beschäftigte, die während der Arbeit nicht auf ihren Ohrschmuck oder ihre Ketten verzichten, warum auch immer.

Es kommt nicht darauf an, „Potemkinsche Dörfer“, also vorgetäuschte Sauberkeit zu zeigen, sondern es sollten die Reportagen nur aus solchen Betrieben ins Blatt aufgenommen werden, die sich ihrer Hygieneverantwortung bewusst sind.

Für die Branche muss die Redaktion eine Verantwortung übernehmen, denn sie kann es nicht Volontären überlassen, das Bild der Bäckereien durch ungeeignete Hersteller zu beschädigen.

Wissen Sie eigentlich, wie man den Chef vieler handwerklicher Betriebe auf den Fotos erkennt? Ganz leicht, an der fehlenden Kopfbedeckung (wenn denn die arbeitenden Bäcker eine tragen), oder aber die Vorgesetzten befinden sich in der Produktion in Straßenkleidung. Auch hier ist das Vorbild gefragt, denn „die Treppe wird von oben gefegt“, also der Chef muss die Richtung vorgeben.

In den vielen Industriebetrieben, die ich bisher von innen sah, könnten solche Bilder nicht entstehen, denn niemand darf ohne saubere Arbeitskleidung und Kopfbedeckung in die Produktion. Der Schmuck bleibt entweder zu Hause oder im Spind. Diese Dinge werden bei der Einstellung des neuen Mitarbeiters schon im Arbeitsvertrag geregelt.

Übrigens: Auch wenn die Kopfbedeckung vielleicht örtlich nicht vorgeschrieben ist, zeigt sie deutlich sichtbar, dass dieser Betrieb die anerkannten Hygienevorschriften ernst nimmt. Der Bäckermeister Hinkel aus Düsseldorf trägt seine Bäckermütze nicht nur stolz in seinem Laden, sondern auch immer, wenn er einen Vortrag hält!


Artikel vom 11.05.2006
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