Meinung

Rasante Entwicklung am Markt rechtfertigt 2-Jahresrhytmus

Auf der Europain werden vom 29. März bis 2. April rund 80.000 Besucher erwartet


Vom 29. März bis 2. April 2008 findet in Paris die Europain statt – in diesem Jahr Europas größte Messe für das Bäcker- und Konditorenhandwerk. Wir sprachen mit Messechef Jean-Paul Broutin über die Messe und den französischen Backwarenmarkt.

ABZ: Wie ist die Stimmung in der französischen Backwarenbranche und die Resonanz auf die kommende Europain ?

Jean-Paul Broutin: Sehr positiv. Es werden in 2008 rund 80.000 Besucher erwartet. Während der fünf Messetage knüpfen Besucher und Aussteller ein gigantisches Kontaktnetz, entdecken neue Produkte und Materialien der Fachindustrien, profitieren von den 1001 Weiterbildungsveranstaltungen, die überall auf der Messe angeboten werden, treffen Lieferanten und Partner, informieren sich über die neuesten Trends und nehmen an vielen spannenden Veranstaltungen teil…

Bisher gab es alle drei Jahre eine Europain. Aus welchem Grund findet die Messe künftig alle zwei Jahre statt?

Broutin: Nach dem Ergebnis einer Befragung von über 100 Ausstellern haben wir uns entschieden, zu einem 2-Jahres Rhythmus zurückzukehren, wie es bereits bis einschließlich 1996 der Fall gewesen ist. Von der großen Mehrheit der französischen Aussteller wurde um diese Änderung gebeten, um ein gleichzeitiges Abhalten der Europain und einer anderen französischen Messe (in den ungeraden Jahren) im selben Jahr zu vermeiden. Zudem stehen wir im regelmäßigen Kontakt zum Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, um auch die Termine der Europain und der iba weitestgehend miteinander abzustimmen.

Außerdem gab es in den letzten Jahren so rasante Entwicklungen auf diesem Markt, dass wir glauben, mit dem 2-Jahres Rhythmus eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Gibt es da keine Interessenskollision mit der iba?

Broutin: Eigentlich nicht, da sich beide Messen sehr gut ergänzen. Wir glauben, dass weder Aussteller, noch Besucher beider Messen eine Veranstaltung versäumen werden. Viele Großunternehmen werden auf der iba oder der Europain die Organisation ihres Messeauftritts aus Budgetgründen anders durchführen. Die Vorzüge der Europain sind offensichtlich. Unser Rahmenprogramm ist einzigartig und zieht Besucher aus der ganzen Welt an.

Wie ist die Resonanz auf die Bäckerei-Weltmeisterschaft und warum ist Deutschland, der „Weltmeister im Brotbacken“, nicht mit einem Team präsent?

Broutin: Dieses Ereignis wird unvergesslich für alle Beteiligten. Die Vereinigten Staaten, Frankreich und Japan nehmen die Herausforderung an. Es werden sich 3 Tage lang 12 dreiköpfige Mannschaften aus 12 verschiedenen Ländern gegenüberstehen. Die 3 Spitzenteams der Weltmeisterschaften von 2005 nehmen automatisch teil. Hinzu kommen die 9 Mannschaften, die sich im Rahmen des internationalen Coupe Louis Lesaffre qualifizieren konnten. Es haben auch einige deutsche Mannschaften teilgenommen, eine deutsche Mannschaft hat es sogar ins Halbfinale geschafft. Leider musste diese wegen Krankheit kurzfristig ausscheiden. Dies bedauern wir und hoffen auf eine erneute Teilnahme von deutschen Mannschaften bei der nächsten Europain in 2 Jahren.

Wie ist überhaupt das Besucherinteresse aus Deutschland?

Broutin: Bei der letzten Ausgabe der Europain konnten wir über 700 deutsche Fachbesucher auf der Europain willkommen heißen. Die zahlreichen Voranmeldungen zeigen uns schon heute, dass wir diese Anzahl an deutschen Fachbesuchern von 2003 bestimmt übertreffen werden.

Man hat den Eindruck, Frankreichs Bäcker haben in ihrer Gesellschaft ein etwas besseres „Standing“ als die Kollegen in Deutschland. An was könnte das liegen?

Broutin: In beiden Ländern gibt es sowohl die traditionellen Bäckereien, als auch große Bäckereiketten. In Frankreich hat die traditionelle Backwarenherstellung allerdings nicht so sehr an Bedeutung verloren wie es in anderen Ländern der Fall ist. Da sich die industrielle Backwarenherstellung aus technischen Gründen nur sehr schwer auf die Veränderungen der Kundenwünsche einstellen kann, bewahren die Handwerksbäckereien immer noch ein gewisses Marktpotenzial. In Frankreich existieren noch 33.000 Handwerksbetriebe. Der französische Markt bleibt somit in diesem Bereich weiterhin sehr dynamisch. Auf der Europain stellen Handwerksbetriebe ihre Konzepte vor, die für deutsche Besucher sicherlich sehr interessant sind, um der sinkenden Nachfrage nach handwerklich hergestellten Backwaren entgegenzusteuern. Das internationale Interesse an dem, was man, in Anlehnung an die Kunst, die „Ecole Française“ nennen könnte, ist somit aktueller denn je. Diese Anerkennung ist für solche Künstler sehr bedeutend, für große Bäckereiketten hingegen weniger.


Artikel vom 18.03.2008
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