Aktuell
Preissteigerungen sind programmiert
Ernährungsindustrie über steigende Rohstoffkosten besorgt / Weltmarktpreise steigen
Berlin (age). Besorgt über den Anstieg der Rohstoffkosten hat sich die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) geäußert. Die Preise für viele Agrarrohstoffe seien in den letzten Jahren spürbar angezogen, teilte die BVE in der vergangenen Woche mit. Beispielsweise hätten die Getreidepreise in Deutschland Mitte November 2006 im Schnitt um mehr als 40 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Für Rapsöl seien die Preise um 20 Prozent über die ohnehin bereits hohe Vorjahresmarke gestiegen.
Anhaltende Preissteigerung
Rekordverdächtig hätten sich auch die Preise für Schlachtschweine entwickelt, die Ende August 2006 ihren Höchstpreis erreicht hätten. Die BVE geht davon aus, dass es sich hierbei nicht um kurzfristige, regionale Entwicklungen handelt, sondern um einen Trend, der seit Jahren zu beobachten sei.
Dies zeige auch die Entwicklung am Weltmarkt. Zwischen 2000 und 2006 seien zum Beispiel die Preise für Getreide und Fleisch um bis zu 40 Prozent gestiegen. Langfristig sei keine Trendumkehr zu erwarten. Vielmehr würden die Preise für Agrarrohstoffe weiter steigen. Am Getreidemarkt habe in sechs der letzten sieben Jahre die Nachfrage das Angebot übertroffen. Die heutigen Steigerungsraten der Erträge reichten kaum noch aus, um die wachsende Nachfrage auszugleichen.
Bisher habe die hohe Nachfrage durch weltweite Lagerbestände ausgeglichen werden können. In spätestens drei Jahren würden diese Bestände jedoch aufgebraucht sein, und Engpässe würden sich nicht mehr vermeiden lassen. Die Folge würden sprunghafte Preiserhöhungen sein. Für die Zukunft ist daher laut BVE keine Entspannung an den Agrarrohstoffmärkten in Sicht. Die Verbraucher würden sich auf notwendige Preissteigerungen einstellen müssen.
Biokraftstoffe als Preistreiber
Die Verfügbarkeit von Rohstoffen in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen sei von existentieller Bedeutung für die Ernährungsindustrie, die diese zu hochwertigen Lebensmitteln weiter verarbeite, betonte der Verband. Die Rohstoffkosten machten je nach Be- und Weiterbearbeitungsgrad einen erheblichen Anteil an den gesamten Produktionskosten aus, so dass sich Preissteigerungen unmittelbar auf die Unternehmensergebnisse auswirkten, wenn die Abgabepreise an den Handel nicht ausreichend erhöht werden könnten. Neben Ernteausfällen in Europa und in wichtigen Anbaugebieten für Getreide, beispielsweise in Australien und Argentinien, sei als ein wesentlicher Grund für die nachhaltige Verteuerung von Rohstoffen der wachsende Wohlstand in asiatischen Schwellenländern zu nennen.
Steigende Nachfrage in China
Die verbesserten Einkommensverhältnisse in bestimmten Gesellschaftsschichten in China und Indien beflügelten dort die Nachfrage nach Fleisch, Süßwaren und Getreide. Dies führe zu wachsenden Lebensmittelimporten in diese Länder. Auch die boomende Nachfrage nach Biokraftstoffen wirke partiell als Preistreiber. So habe die starke Verwendung von landwirtschaftlichen Rohstoffen, insbesondere Rapsöl, im Energiebereich zu massiven Preissteigerungen geführt. Die BVE unterstützt nach eigenen Angaben die Erschließung alternativer, preisgünstiger Energieträger.
Allerdings dürfe deren Ausbau nicht zu Lasten der Rohstoffversorgung der Ernährungsindustrie erfolgen.
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