Wirtschafts- & Firmeninfos

Per Fingerabdruck zahlen

Edeka testet ab kommenden Sommer „Finger-Cash“


Rülzheim (rgb). Nach einem ersten erfolgreichen Test will Edeka in einem großflächigen Versuch seine Kunden per Fingerabdruck bezahlen lassen. Im Frühjahr dieses Jahres liefen erfolgreich im Erlebnismarkt in Rülzheim bei Karlsruhe Versuche mit Einkäufen per Fingerabdruck. Der Kunde legt nur den Finger auf ein silbernes Plättchen in einer grünen Plastikschale, nach zwei Sekunden nickt ein Pinguin auf dem Display, und der Kunde kann samt Ware gehen.

Am nächsten Tag ist das Konto mit dem Einkaufsbetrag belastet, ohne Unterschrift, ohne PIN, ohne Karte. Die Manager von Edeka sehen im System „Finger-Cash“ das Bezahlsystem der Zukunft und wollen es ab Sommer 2005 im ganzen Südwesten Deutschlands testen.

Der Lahrer Ingenieur Ulrich Kipper hat das System „Digi-Proof“ oder „I-Card“ entwickelt, wie es auch unter Fachleuten genannt wird. Die Daten der Kundin seien auf einem Rechner vor Ort gespeichert, zu dem niemand von Edeka Zugang habe. Da nur Teile des Fingerabdrucks hinterlegt seien, nicht der gesamte Fingerabdruck, nutzten diese Informationen der Polizei zu erkennungsdienstlichen Zwecken nichts, werden Befürchtungen beschwichtigt. Trotzdem reichten diese Informationen aus, um Fälschungen unmöglich zu machen. Das System habe in den drei Monaten Testphase fehlerfrei gearbeitet. Ähnliche Systeme werden derzeit bereits in den USA getestet. Die Supermarktkette Kroger und auch Visa und Mastercard planen einen Einsatz der Fingererkennung. Die Kosten für das System werden pro Kasse mit 1.200 Euro angegeben, die durch eine geringere Bargeldversicherung und dem Wegfall von Rücklastschriften finanziert werden sollen. Die Fälle, dass Kunden mit gesperrten EC-Karten bezahlen wollen, haben sich in den letzten Jahren gehäuft.

Der Handel bleibt auf den Kosten für die Rücklastschriften sitzen. Datenschützer halten den derzeitigen Einsatz des Systems noch für harmlos, sehen jedoch Gefahren, wenn weitere Komponenten eingebaut werden. Der Weg zum „Gläsernen Verbraucher“ ist eingeschlagen worden. Der Bezahlfinger ist im Grunde genommen nur eine Weiterentwicklung der Kundenkarte, aus der bereits alle Einkäufe ermittelt werden können und ein sehr genaues Kundenprofil erstellt werden kann. Sollten eines Tages die Krankenversicherungen Zuschläge für Raucher, Süßwarengenießer oder gar Alkoholiker erheben, wäre es ihnen ein Leichtes, diese Personen aus diesen gesammelten Daten herauszufiltern.


Artikel vom 16.06.2005
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