INTERVIEW der woche

Optimal gesteuert und neu positioniert


Ein Systemanbieter positioniert sich nicht zuletzt durch die Marke. Diese wiederum ist an einen Namen geknüpft, den die Kunden kennen und, wenn die Produkte gut sind, auch schätzen. Einer dieser Namen ist für die Backbranche unstrittig Werner & Pfleiderer. Die ABZ sprach dazu und über Perspektiven des Marktes mit Jürgen Horstmann, dem Inhaber der WP-bakery group.

ABZ: Auffällig ist der neue Marktauftritt ihres Unternehmens unter dem Label WP bakery-group. Was hat Sie bewogen von der Bezeichnung Horstmann Group abzurücken?

Jürgen Horstmann: WP ist nicht nur national sondern vor allem auch international deutlich bekannter als der Name Horstmann, deshalb haben wir uns entschlossen, alles unter der Bezeichnung WP in den Markt hineinzubringen. WP bildet vor allen Unternehmen der Gruppe die Markenklammer.

ABZ: Ihre Kundschaft ist sehr unterschiedlich, sie reicht vom kleinen Handwerksbäcker bis zum Industriekunden und das Ganze dann auch noch national und international. Kann man da eigentlich noch ein strukturiertes Angebot für jede Betriebsgröße haben?

Jürgen Horstmann: Man muss. Meist sieht die Entwicklung doch so aus, dass eine Lösung für die Industrie entwickelt wird, dann auf das Niveau von handwerklichen Großbetrieben heruntergebrochen wird und letztendlich auch in der Entwicklung einer Lösung für den Kleinbetrieb mündet. Unser Angebot muss also immer auf diesen drei Säulen stehen und wir hoffen, das auch so kommunizieren zu können. Wenn man Lösungen umgekehrt, also zuerst für den Kleinbetrieb entwickeln würde, dann wären diese Lösungen aufgrund der hohen Entwicklungskosten fast nie bezahlbar. Wir wollen aber ganz bewusst Lösungen für jede Betriebsgröße im Programm haben, schließlich sind die Technologien mit denen der Bäcker arbeitet ähnlich, egal ob in der Industrie oder im Handwerk. Beispielsweise sind Steuerungen und deren Vorteile für eine gleichmäßig, schonende Verarbeitung oder ein einwandfreies Backergebnis heute für jede Betriebsgröße und Anwendung nuztbar. Somit kommt auch der Kleinbetrieb in die Lage, diese Vorteile für sich nutzen zu können. Eine Benachteiligung der Kleinbetriebe ist aus technischer Sicht nicht vorhanden, die Chancengleichheit ist unabhängig von der Betriebsgröße gegeben.

ABZ: Nicht wenige rufen aber nach weniger Technik, weniger Programmen, einfachem Handling, gerade bei Maschinen und Anlagen für das Handwerk!

Jürgen Horstmann: Diese Überlegung halte ich für falsch, obwohl wir natürlich auch Anlagen mit abgespeckten Steuerungen anbieten könnten. Nur nehme ich mir als Betrieb dann die Möglichkeiten, die mir die Technik hier bietet. Es geht doch heute darum, dass wir nicht nur steuern, sondern auch dokumentieren wollen und müssen. Wir brauchen doch Daten, allein schon um bei der Fehlersuche, die Ursachen schneller und sicherer ermitteln zu können. Nicht nur als Anlagenbauer, um technische Störung zu finden, nein, gerade auch als Bäcker, um das Ursache Wirkungsprinzip besser zu verstehen und einfacher regulierend in Prozesse eingreifen zu können. Ein einfacher Schalter mit Ein und Aus stellt zwar die Funktionalität sicher, lässt aber ein großes Rationalisierungspotenzial und ein großes Qualitätspotenzial unausgeschöpft. Sie brauchen doch heute ein Datengerüst aus Aufarbeitungsparametern und Backkurven und das liefern nun einmal Steuerungen. Sie könnten das auch mit dem Bleistift aufschreiben, aber das macht keiner!

ABZ: Was ist eigentlich die Brotbibliothek?

Jürgen Horstmann: Wir sind von unserem Selbstverständnis her heute nicht mehr nur ein Maschinenbauer, wir müssen,um erfolgreich zu sein, Lösungen anbieten. Das kann man unseren Kunden aber nur schwer über technische Anlagen vermitteln. Deshalb haben wir den umgekehrten Weg gewählt. Jetzt machen wir es so, dass der Kunde aus einer Art Bibliothek, also einem großen Bilderbuch, auswählt, welche Produkte er produzieren möchte. Wir haben dahinter dann die entsprechende technische Lösung für jede Betriebsgröße gepackt. Die Brotbibliothek wird dabei mit jeder realisierten Lösung erweitert und aktualisiert. Sie dient quasi als grobes Raster. Das Feintuning ist nach wie vor durch den Bäcker oder auch unsere Fachleute möglich und nötig, um individuelle Produkte produzieren zu können.

ABZ: Noch einmal zurück zu den Produkten aus ihrem Hause. Ist es eine reine Marketingstrategie, dass sie ihren Ladenbackofen jetzt auch Matador nennen?

Jürgen Horstmann: Matador ist das Synonym für ein Qualitätsprodukt aus dem Hause WP, daher ist es doch nur folgerichtig, wenn man einen qualitativ hochwertigen Ladenbackofen mit diesem Namen auszeichnen kann. Beim Ladenbacken sind doch die Ansprüche der Kunden wie der Betriebe deutlich gestiegen. Früher haben wir die Produkte doch mehr oder weniger nur warmgemacht. Heute will man doch eine Qualität erreichen, die gleichwertig zu der ist, die man in der Backstube herstellt. Dazu gehört ein technisch anspruchsvoller Ladenbackofen, den wir unter der Bezeichnung Matador store im Programm haben.

ABZ: Bislang gab es innerhalb der Unternehmensgruppe WP noch Sortimentsüberschneidungen, beispielsweise zwischen Kemper und WP-Dinkelsbühl. Beide hatten beispielsweise Kneter und Brötchenanlagen im Programm. Bleibt das weiterhin so?

Jürgen Horstmann: Das wird auslaufen. WP-Kemper ist der Kneter- und Brötchenanlagenspezialist und WP-Dinkelsbühl der Spezialist für Backtechnik und Kälte. WP-Haton widmet sich der Brotaufarbeitung und so weiter. Wir bauen die Stärken jedes Unternehmens aus und schaffen so ein klares Profil. Unter dem Dach der WP-bakery group bündeln wir die Spezialisten und können so unseren Kunden eine optimale Lösung anbieten.

ABZ: Sie sind auch auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt aktiv. Wie groß ist dieser Markt?

Jürgen Horstmann: Der Markt ist begrenzt, aber wir halten es für wichtig, unsere Produkte selber aufzuarbeiten, zu überholen und mit Garantie in den Markt zurückzubringen. Wir machen das auch ganz bewusst so, dass wir gebrauchte Maschinen und Anlagen hier aus dem Markt herausnehmen und in Schwellenländern wieder in den Markt bringen, quasi auch als Einstieg für neue Kunden.

ABZ: Sie reden jetzt über Export und Import, wie ist da denn inzwischen die Verteilung?

Jürgen Horstmann: Zwei Drittel unseres Umsatzes erzielen wir im Ausland. Aber wir beobachten auch ein Anziehen der Inlandsnachfrage, gerade auch durch das Handwerk. Wir konnten auf der iba beobachten, dass eine Reihe von Handwerksbetrieben auch spontan gekauft hat, also ohne Vorbereitung. Das hat mich persönlich überrascht.

ABZ: Gelegentlich hört man von langen Lieferzeiten bei WP, was sind da die Ursachen?

Jürgen Horstmann: Die Ursachen liegen im Rohstoffbereich. Durch die anziehende Konjunktur im Maschinenbau haben wir bei der Rohstoffbeschaffung Probleme, beispielsweise mit Stahl. Hier spielt natürlich auch die Verknappung des Rohstoffs durch die große Nachfrage eine Rolle. Das schlägt sich auch auf die Preise nieder. Allein beim Edelstahl haben sich die Preise binnen 24 Monaten mehr als verdoppelt.

ABZ: Führt das auch zu Preiserhöhungen für die Bäcker?

Jürgen Horstmann: Die Preise für unsere Produkte werden meist individuell ausgehandelt. Eine Preiserhöhung in Prozentpunkten gibt es bei uns deshalb nicht, wohl aber über reduzierte Rabatte.

ABZ: Kosten, da ist man beim Thema Energiekosten. Gibt es da Ansätze, den Energieverbrauch zu senken?

Jürgen Horstmann: Sicher, wir arbeiten schon seit Jahren daran, den Energieverbrauch zu optimieren. Dazu ein Beispiel: Nehmen Sie unsere neueste Generation von Tunnelöfen, die verbrauchen gegenüber älteren Modellen und gleicher Backleistung nur noch die Hälfte an Energie. Auch für die Stikken- und Etagenöfen konnten wir ähnliche Ersparnisse beispielsweise durch die Veränderung der Brennerkonzeption erreichen. (kh)


Artikel vom 09.11.2006
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