INTERVIEW
Nur eine Fusion bringt die Innung voran
ABZ: Was gab den Anlass für den neuerlichen Anlauf, eine Innungsfusion anzustreben?
Manfred Schmidt:
Der Vorstand des Landesinnungsverbandes beobachtet die Entwicklungen in den derzeit 16 Mitgliedsinnungen sehr genau. Die Bäckerinnung Weimarer Land mit Sitz in Apolda mit derzeit nur noch vier Mitgliedsbetrieben ist inzwischen nicht mehr lebensfähig und wollte sich deshalb auflösen.
Doch in der momentanen wirtschaftlichen Situation des Bäckerhandwerks können und wollen wir es uns nicht leisten, auch nur einen Mitgliedsbetrieb zu verlieren – denn nur gemeinsam und mit der Kraft aller Handwerksbetriebe können wir die vor uns stehenden Herausforderungen meistern. Deshalb haben wir die mehr als zehn Jahre alte Idee wieder aufgegriffen, die in Mittelthüringen vorhandenen Innungen Apolda, Weimar und Sömmerda zusammenzuschließen. Mit der Fusion zu klein gewordener Innungen haben die Kollegen unter anderem im Ilmkreis, in Meiningen/Schmalkalden sowie in Saalfeld/Rudolstadt/Pößneck bereits recht gute Erfahrungen gesammelt. Ähnliche Bestrebungen wünschten wir uns beispielsweise auch im Raum Lobenstein/Zeulenroda.
ABZ: Doch Mitte der 90er-Jahre stieß dieses Vorhaben in Mittelthüringen noch auf Ablehnung...
Manfred Schmidt: ...weil sich damals viele ältere Handwerksmeister vor allem aus dem Raum Sömmerda gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen hatten und lieber an den alten, bereits seit Jahrzehnten vorhandenen Organisationsstrukturen festhalten wollten. Doch inzwischen haben sich die Voraussetzungen grundlegend geändert: Viele ältere Kollegen haben ihre Familienunternehmen mittlerweile an ihre Kinder oder an jüngere Meister übergeben, die neuen Ideen aufgeschlossener gegenüberstehen. So ist es folgerichtig, dass die Sömmerdaer Innungsmitglieder auf ihrer Mitgliederversammlung Ende März 2005 dem Zusammenschluss einstimmig zugestimmt haben.
Zudem sind inzwischen auch die Nachbarinnungen auf solche Mitgliederzahlen zusammengeschrumpft, die perspektivisch betrachtet ein aktives Innungsleben kaum noch ermöglichen können. Die Mitgliedsbeiträge sind für jede einzelne Innung sprichwörtlich zum Sterben zu groß und zum Leben zu klein – abgesehen davon, dass für die Mitgliedsbetriebe auf dieser Grundlage keine vernünftige Informationspolitik und Lobbyarbeit geleistet werden kann. Auch deshalb sind wir bestrebt, das vorhandene spärliche Vermögen der drei Innungen in den „gemeinsamen Topf“ hinüberzuretten. Hinzu kommt, dass sich in diesen Wochen auch die bisherigen Kreishandwerkerschaften von Apolda, Sömmerda und Weimar zusammenschließen und damit eine gute strukturelle Basis für unsere gemeinsame Bäckerinnung in Mittelthüringen bilden.
ABZ: Welche Vorteile erhoffen Sie sich von der größeren Bäckerinnung Mittelthüringen?
Manfred Schmidt: Der Name der künftigen Innung steht derweil noch nicht fest und wird von den Teilnehmern der Fusionsversammlung bestimmt. Für die Bäckermeister in der Region Mittelthüringen hoffen wir auf eine bessere Effektivität, die wir uns beispielsweise bei den Seminaren zur Weiterbildung der Meister und ihrer Mitarbeiter erhoffen. Sicherlich wird es leichter fallen, die Ehrenämter und die Ausschüsse der Innung mit geeigneten Kollegen zu besetzen, denn in Apolda konnte diese Pflicht schon lange nicht mehr erfüllt werden: So mussten die Gesellenprüfungen schon seit geraumer Zeit durch den Prüfungsausschuss der Innung Erfurt abgesichert werden. Meine „Amtsbrüder“ Veit Uhlmann aus Apolda und Wolfgang Süpke aus Sömmerda sind bereit, auch im neuen Innungsvorstand aktiv mitzuwirken. Und natürlich bekommt so auch der Erfahrungsaustausch der Kollegen eine breitere Basis, die sich für die betriebliche Praxis jedes einzelnen Bäckermeisters nur positiv auswirken kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Innungsmitglieder ihre regionale Identität und ihre spezifischen Besonderheiten aufgeben sollen: Bei den Stammtischen und regelmäßigen Sprechstunden vor Ort sind ihre Meinungen und Probleme wie bisher gefragt. Und nicht zuletzt werden die Erfahrungen und Erkenntnisse jedes einzelnen Meisters künftig das Leben der gesamten mittelthüringischen Bäckerfamilie bereichern. (ps)
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