INTERVIEW der Woche

Nische Bio wird konstant weiterwachsen


Peter Augendopler ist Eigentümer von Backaldrin im österreichischen Asten. Das Unternehmen ist weltweit bekannt als Erfinder des Kornspitz. Das erfolgreichste Markengebäck Europas wird in 60 Ländern der Erde gebacken. Jährlich zweistellige Wachstumsraten und eine große Innovationskraft zeichnen das Unternehmen aus. Zwei von vielen Gründen, um mit Peter Augendopler über die Backbranche zu sprechen.

ABZ: Wie sehen Sie den Backwarenmarkt? Gibt es Unterschiede zwischen Österreich, Deutschland und anderen Ländern?

Peter Augendopler: Grundsätzlich sind alle Märkte verschieden, aber im Verhältnis zu anderen Märkten ist der Bäckermarkt in Deutschland und Österreich ähnlich. In den meisten anderen Ländern zum Beispiel gibt es keine Fachausbildung für Bäcker wie bei uns. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die gesamte Bäckereikultur.

Im Blick auf den deutschen und österreichischen Markt kann gesagt werden, dass es nie einen einheitlichen Trend gibt. Der Markt ist vielgestaltig, es gibt immer mehrere Trends gleichzeitig. So sind mediterrane Weißbrote im Trend, gleichzeitig ist aber der Trend zu „Körnergebäcken“ ungebrochen. In Zukunft werden auch Gebäcke mit gesundheitlichem Zusatznutzen weiter an Bedeutung gewinnen. Man wird sich künftig die Milliardenkosten des Gesundheitssystems, die durch Fehlernährung entstehen, nicht mehr leisten können und hier liegen wir mit Brot- und Backwaren genau richtig.

ABZ: Ein neuer Trend ist Bio. In Österreich nicht wirklich was Neues, aber wie können deutsche Bäcker davon profitieren?

Peter Augendopler: In Österreich ist Bio seit vielen Jahren ein Thema. Hier hat es wirkliche Pioniere gegeben und der Lebensmitteleinzelhandel hat sich diesen Trend zu Nutze gemacht. Dass Bio hier so gut ankommt, liegt sicher an den kleineren Strukturen und der Nähe zur Natur. Es ist in Österreich gesellschaftlicher Konsens, sorgfältig mit der Natur umzugehen. Zwei Beispiele: jeder österreichische See hat Trinkwasserqualität und das Wasser in Wien kommt aus dem Hochgebirge.

Die Bio-Welle hat Deutschland jetzt voll erfasst, nicht zuletzt deswegen, weil der deutsche Lebensmitteleinzelhandel darauf aufmerksam geworden ist. Bio ist eine Nische, die aber konstant weiterwachsen wird.

Die Bäcker müssen überlegen, ob sie Bio-Backwaren in ihr Sortiment aufnehmen. Wichtig sind hierbei Standort und Kundenstruktur. Urbane Gebiete mit einer jungen Bevölkerung eignen sich dafür ganz besonders.

ABZ: Die deutschen Verbraucher leben mit der „Geiz ist geil“-Mentalität. Gerade Lebensmittel können nicht billig genug sein. Wie kann der Bäcker darauf antworten?

Peter Augendopler: Dieser Werbeslogan hat wenig mit deutscher Mentalität zu tun. Deutschland ist die am höchsten entwickelte Volkswirtschaft Europas. Die Verbraucher sind über Preise, Qualität und Verfügbarkeit genau informiert.

Für den Anbieter heißt dies, dass der Preis dem Kundennutzen entsprechen muss. Hohe Qualität – hoher Nutzen, niedrige Qualität – niedriger Nutzen. Wenn die Qualität stimmt, ist der Kunde auch bereit, dafür Geld auszugeben – besonders in Deutschland.

ABZ: Sie haben vor 15 Jahren mit dem Kornspitz in den Backwarenmarkt etwas in Bewegung gebracht. Der empfohlene Verkaufspreis war doppelt so hoch, wie der für eine Brötchen. Was kann man daraus ableiten?

Peter Augendopler: Der Kornspitz hat der Bäckerwelt seinerzeit völlig neue Preisdimensionen eröffnet. Auf diese Feststellung lege ich allergrößten Wert. Der Kornspitz war das erste Kleingebäck, das die 50 Pfennig-Marke durchbrochen hat. Eine Brezel kostete damals ca. 25 Pfennig! Der Preis von 50 Pfennig seinerzeit (1985) war nie ein Thema. Der Kornspitz war (und ist) einzigartig, was Form, Inhalt, Geschmack und Frischhaltung betrifft und rechtfertigt einen entsprechenden Preis. Deshalb meine Bitte an alle Hersteller, mit größter Sorgfalt ans Werk zu gehen. Denn wo in der Bäckerei gibt es ein Produkt mit einem ähnlichen Deckungsbeitrag.

Wie Konsumenten funktionieren, wenn ihnen etwas schmeckt, zeigt sich zum Beispiel in Russland. Wieso sind Millionen Konsumenten, die über kein hohes Einkommen verfügen, bereit für einen Kornspitz mehr zu bezahlen als für ein Kilo Brot (das sehr billig ist)?

ABZ: Innovationen – ein gutes Stichwort. Was kann die Backbranche von Backaldrin erwarten?

Peter Augendopler: Wir werden, wie in der Vergangenheit, die Innovatoren der Branche sein – und nicht die Nachahmer. Vor 20 Jahren der Kornspitz, vor 15 Jahren die ersten Dinkelgebäcke und -brote, vor 10 Jahren die ersten funktionellen Gebäcke auf Basis von prebiotischen Ballaststoffen, Amaranth und Quinoa und viele andere Innovationen. Heute ist es PurPur-Brot, das unsere erfolgreichste Brotsorte werden wird. Und für die weitere Zukunft haben wir viele neue und gute Ideen. Zwei Dinge sind für einen Erfolg Bedingung: die Story, die dahinter steckt, muss wahr sein und es muss schmecken – so einfach ist es.


Artikel vom 26.07.2007
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Fokus vom 26.07.2007:

Der Entwicklung anpassen
Bürger zahlen die Zeche
Bürokratischer Grundansatz
Ausgewogenen Wettbewerb forcieren
Essen genießen – in Deutschland
Mehr Getreide zu Bioethanol verarbeitet
„Regional = 1. Wahl“
Tiefstand im Biolandbau
Bio-Qualität gefragt
Wachsen im Zwei-Wochen-Takt

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Fokus


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Dinkel-Hirse-Brot
Rezept der Woche Ballaststoffreiches Brot mit langer Frischhaltung mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!