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Nahrungsmittel haben Vorrang vor Bio-Treibstoffen

EU: Subventionierung der Biomasseproduktion zur Spritherstellung wäre nicht mehr gerechtfertigt


Brüssel (age). Vor dem Hintergrund der weltweiten Nahrungskrise hat das Europäische Parlament in der vergangenen Woche gefordert, Nahrungsmitteln Priorität vor Kraftstoffen einzuräumen. Die weltweite Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln müsse Vorrang vor allen anderen Zielen haben, heißt es in einer Entschließung des Hohen Hauses zum Anstieg der Lebensmittelpreise. Die Subventionierung der Biomasseproduktion für die Herstellung von Biosprit sei nicht mehr gerechtfertigt. Die Parlamentarier räumen aber ein, dass Medienberichte, wonach die Biokraftstoffe für die Nahrungskrise verantwortlich seien, übertrieben seien. Wenn biogene Treibstoffe hergestellt würden, müsse deren Produktion strengen Nachhaltigkeitskriterien unterworfen werden. Bevorzugt sollte jedoch Biogas aus land- und forstwirtschaftlichen Rückständen und Haushaltsabfällen erzeugt werden.

Das Parlament ruft die Kommission ferner dazu auf, zur Vermeidung künftiger Krisen Lebensmittelvorräte anzulegen. Die gegenwärtigen EU-Getreidevorräte reichten gerade mal für 30 Tage. Die Weltmarktpreise für Weizen seien in den 36 Monaten vor dem Februar 2008 um 181 Prozent gestiegen, die Preise für Reis seit Januar 2008 um 141 Prozent und die Lebensmittelpreise weltweit insgesamt um 83 Prozent, heißt es in dem Papier weiter. Dieser Preisanstieg habe die internationalen Ziele zur Armutsbekämpfung um sieben Jahre zurückgeworfen. Der Welternährungsgipfel hatte sich im Jahr 1996 das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 die Zahl der hungernden Menschen zu halbieren. Während in den Entwicklungsländern nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 60 bis 80 Prozent der Verbraucherausgaben auf Lebensmittel entfielen, seien es in Industrieländern nur 10 bis 20 Prozent.

Nach Meinung des Parlaments ist die derzeitige Nahrungsmittelkrise unter anderem die Folge zunehmender Spekulation mit landwirtschaftlichen Rohstoffen. Sie sei außerdem eng mit der Finanzkrise verbunden; die Liquiditätsspritzen, mit denen die Zentralbanken Konkurse hätten abwenden wollen, hätten möglicherweise spekulativen Investitionen in Rohstoffe Vorschub geleistet.


Artikel vom 30.05.2008
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