Branche_Politik
Nachhaltig und „glokal“ agieren
Verbandstag des Rheinischen Bäckerhandwerks: Globale Marketingstrategien mit lokalen Produkten umsetzen / Bernd Siebers im Amt bestätigt

MdL Nicole Morsblech (v.l.), GF Walter Dohr (Verband Rheinisches Bäckerhandwerk), Landrat Franz-Josef Diel, LIM Bernd Siebers, stellv. OM Heinrich-Jürgen Dhein, E-LIM Hans Bolten, Brotkönigin Robina Weiser-Linnartz, Haupt-GF Amin Werner (Zentralverba
Auch die Einladung von Gastrednerin Julia Klöckner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, stand ganz im Zeichen des Verbandsmottos: „Wir gestalten die Zukunft.“ Schließlich kann auch die Anwesenheit dieser ausgesprochenen Fürsprecherin des Bäckerhandwerks als erfolgreiche Lobbyarbeit gewertet werden.
„Nur gemeinsam können wir erreichen, dass erfolgreiche Lobbyarbeit gemacht wird“, bekräftigte Jürgen Gunster, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück, der es als wichtige Aufgabe sieht, die Innung als Keimzelle der Handwerksorganisation zu stärken. Vor dem Hintergrund sei auch die Fusion zur Bäckerinnung Rhein-Nahe-Hunsrück zu sehen, die als Gastgeber des Verbandstags aktuell ihre Leistungsfähigkeit und ihr überregional bekanntes Engagement einmal mehr unter Beweis gestellt hat. Zu nennen sei hier vor allem der traditionelle Brotpfenniglauf, mit dem das Vorstandsteam um Obermeister Alfred Wenz und seinen Stellvertretern Ralf Andrae und Heinrich Jürgen Dhein für effektive Imagearbeit im Sinne des Bäckerhandwerks sorgen.
Gerade die globale Wirtschaftskrise habe wieder gezeigt, wie wichtig es sei, das Handwerk als stabilisierenden Faktor der lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe zu stärken und in Szene zu setzen, betonte Landesinnungsmeister Bernd Siebert auf der Delegiertentagung. Entscheidend für den Erfolg sei die Nachhaltigkeit, nicht das kurzsichtige und kurzfristige Profitdenken. Gerade das Bäckerhandwerk mache vor, wie es funktioniert. „Wir arbeiten nachhaltig“, so Siebers. Dazu gehöre auch, dass die Branche Ausbildungsplätze vor Ort biete und man nicht mit Spekulation, sondern mit Qualitätsproduktion sein Geld mache.
„Nachhaltigkeit, die unsere Gesellschaft braucht, ist auch, wenn man seit fast 6000 Jahren dasselbe Produkt in immer noch besserer Qualität backt, nämlich unser täglich Brot“, brachte Siebers das Thema auf den Punkt. Um das auch künftig bieten zu können, sollten aber die Belange des Handwerks und des Mittelstands bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden. Vor allem gehe es darum, dem drohenden Fachkräftemangel rechtzeitig zu begegnen. Aber auch das Marketing bietet noch Potenzial, die Zukunft erfolgreich zu gestalten.
„Glokal“ agieren
Er riet den Kollegen, „glokal“ zu agieren, das heißt, mit individuellen, lokalspezifischen Produkten globale Marketingstrategien umzusetzen. „Wir müssen das Brot zur Marke machen und unser Kunden zu Fans!“, appellierte der Landesinnungsmeister an seine Kollegen, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Denn Einkaufen beim Bäcker biete Lebensqualität, auf die der Verbraucher verstärkt achte. In diesem Sinne präsentierte sich auch Gastrednerin Julia Klöckner (MdB) mit „sinnlichem Vergnügen“ an frischen Backwaren.
Für sie sei es wichtig, auf politischer Ebene mehr Praxis in die Theorie zu bekommen. Dazu gehöre auch, nicht Verbraucherschutz, sondern Verbraucherpolitik zu betreiben. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Verbraucher vor den Anbietern geschützt werden müssen. Aber Transparenz sei ein berechtigtes Interesse der Verbraucher. Dabei sei zu beachten, was umsetzbar ist. Glöckler: „Bei loser Ware brauchen wir keine weitere Kennzeichnung, bei Allergenen schon.“
Als praktische Lösung schlug sie die Kladdenlösung und/oder die professionelle Auskunft des Verkaufspersonals vor. „Ich bin sicher, dass Sie mit Informationen einen Wettbewerbsvorteil haben“, so Klöckner.
Bezüglich der Nährwertkennzeichnung versichert sie, dass lose Ware nicht betroffen sein soll. Und die Ampellösung lehne sie ohnehin ab, weil sie keine echte Lösung und keine wirkliche Verbraucheraufklärung biete. Es gebe genug Belege dafür, dass hier häufig für Verbraucherverwirrung gesorgt werde. Cola Light hätte zum Beispiel keinen roten Punkt, ein gutes Olivenöl hingegen schon.
Wichtiger sei im Zusammenhang mit der Verbraucheraufklärung, die Verbraucher für den Wert der Lebensmittel zu sensibilisieren und die Wertschätzung von Lebensmitteln wieder zu erhöhen. „Seien Sie stolz auf Ihr Handwerk. Uns haben Sie an Ihrer Seite“, so die Verbraucherpolitikerin abschließend.
Eine Möglichkeit, die Wertschätzung für das Lebensmittel Brot zu erhöhen, hat Amin Werner, der neue Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV), bei seinem Antrittsbesuch im Rheinland aufgezeigt: Der ZV will die Brotvielfalt in Deutschland als Weltkulturerbe schützen lassen. Die Chancen stünden gut, dies bis zur nächsten iba 2012 realisieren zu können. Ansonsten sei das Lebensmittelrecht einer der wichtigen Aufgabengebiete des Zentralverbands, um eine wettbewerbsverzerrende Rechtssetzung zu Gunsten der Industrie zu verhindern.
Walter Dohr, Geschäftsführer des Verbands des Rheinischen Bäckerhandwerks ermunterte die Kollegen gegen Ende der Tagung, das vielfältige Service- und Beratungsangebot des Verbands zu nutzen – schließlich sollte auch für die Mitgliedsbetriebe das Verbandsmotto gelten: „Wir gestalten die Zukunft.“
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