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Nach Gen-Reis: Angst vor Gen-Weizen

Freilandversuch mit Genweizen steht vor der Genehmigung / Risiken durch Antibiotika-Resistenz


Stuttgart/Gaterleben (kh). Die Verunreinigung von Reis und Reisprodukten mit gentechnisch verändertem Reis aus den USA hat nicht nur bei den Umweltschutzverbänden zu einem Aufschrei geführt. Auch Verbraucherschützer bemängelten vor allem den langen Zeitraum von der Entdeckung der Verunreinigung bis zur Meldung (siehe Seite 2).

Reis ist für die Bäcker zwar auch ein Rohstoff, aber einer mit nicht so hoher Bedeutung. Anders sieht das beim Weizen aus und auch hier geht die gentechnische Züchtung immer weiter.

Freilandversuch in 2006

Noch in diesem Jahr ist seit 2004 ein neuerlicher Freilandversuch mit Genweizen in Sachsen-Anhalt geplant. Auf dem rund ein Hektar großen Versuchsacker des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenanbau (IPK) bei Gatersleben, soll der Gen-Weizen ausgebracht werden. Der dort angebaute Weizen hat deutlich erhöhte Proteinwerte und eine Herbizidresistenz. Um das zu erreichen, wurden Gene der Ackerbohne und der Gerste in das Erbgut des Weizens eingebaut. Pikanter Nebeneffekt nach Aussagen des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) ist, dass diese Pflanze auch eine Resistenz gegen zwei in der Humanmedizin gebräuchliche Antibiotika besitzt. Nach Aussagen des BUND würde mit dem Anbau diese Antibiotika-Resistenz freigesetzt werden. Problematisch beim Weizen im Freilandversuch ist nach Meinung vieler Gentechnikkritiker, aber auch einiger unabhängiger Wissenschaftler, die Gefahr von Auskreuzungen mit anderen Pflanzen, insbesondere von in der Nähe angebauten Weizensorten. Eine Auskreuzung beim Weizen ist in der Wissenschaftsliteratur bis zu einer Entfernung von rund 1000 m dokumentiert. Pikanterweise liegen die Versuchsfelder des IPK nur 400 bis 500 m vom geplanten Gen-Weizen-Versuchsacker entfernt. Hauptaufgabe der IPK ist es, altes Saatgut von rund 150.000 Kulturpflanzen in einer Gendatenbank zu sichern. Die Datenbank an sich mit ihren luftdichten Behältnissen, in denen Saatgut aufbewahrt wird, ist vor einer Auskreuzung sicher. Da die Saatproben in regelmäßigen Abständen im Freiland kultiviert werden müssen, um die Keimfähigkeit zu erhalten, besteht nach Aussage des Umweltinstitutes München e.V. die Gefahr der Einkreuzung von genetischem Material aus dem Gen-Freilandversuch.

Einspruchsfrist abgelaufen

Der auch durch Steuergelder subventionierte Freilandversuch wurde ordnungsgemäß beantragt. Die dafür geltende Einspruchsfrist ist am 20. September abgelaufen. Das Umweltinstitut München hat dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am 18. September 27.000 Einsprüche mit dem Ziel der Verhinderung des Freilandversuches überreicht. Auch der BUND und der NABU (Naturschutzbund) sind nicht untätig. Sollte der Versuch genehmigt werden, planen die Umweltorganisationen eine Unterlassungsklage.


Artikel vom 21.09.2006
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