INTERVIEW der woche
Moderne Begriffe und Bildmotive gefragt
Martin Sommermann (45) ist Werbewart der Bäckerinnung Hof. Im letzten Jahr kam der Bäckermeister auf die Idee, eine eigene Werbekampagne zu initiieren. Er selbst entwickelte den Slogan und das Logo für „Bake Cake“. Mit einem geringen Budget hat die Bäckerinnung einen überaus großen Erfolg damit erzielt.
ABZ: Sie haben doch eigentlich genug Lehrlinge in Ihrer Region. Wozu dann Lehrlingswerbung?
Martin Sommermann: Leider sind wir gegenwärtig in einer Situation, in der wir mehr Bewerber haben, wie Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Unsere Region ist wirtschaftlich schwach und bietet wenig Ausbildungsplätze an.
In wenigen Jahren wird es durch den Geburtenknick aber immer weniger junge Menschen geben, die einen Ausbildungsplatz suchen. Unser Landesinnungsverband hat das frühzeitig erkannt und alle Innungen darauf hingewiesen. Vor diesem Hintergrund ist es also absolut richtig, dass der Landesinnungsverband frühzeitig damit begonnen hat, offensiv für unser Handwerk zu werben. Wir greifen das mit unserer Initiative auf, zudem ist die Lehrlingswerbung auch eine gute Imagewerbung.
ABZ: Sie sprechen den Landesinnungsverband Bayern an. Dieser hat 2005 die Werbekampagne „Au backe“ ins Leben gerufen. Warum beteiligen Sie sich nicht daran?
Martin Sommermann: Die Aktion des Landesinnungsverbandes verstehen wir als Angebot und nicht als Verpflichtung zum Mitmachen. Der Begriff „Au backe“ ist für mich negativ besetzt. Er kommt zudem auch etwas altbacken daher und ist sicherlich nicht ein Modewort der Jugend. Wir wollen aber die Jugend und ihre Eltern ansprechen. Diese Ansprache muss positiv sein. Diese Ansprache kann auch in einer Form sein, die man nicht typischerweise vom Bäckerhandwerk erwartet. Hier ist nicht das Wappen des Bäckerhandwerks gefragt, sondern hier sind moderne Begriffe und Bildmotive gefragt. Ist unser Handwerk bei aller Tradition denn nicht modern?
ABZ: Welche Resonanz bekamen Sie in der Innung auf diese Idee?
Martin Sommermann: Meine Idee habe ich im Innungsbeirat vorgestellt und bekam von diesem das einstimmige Votum, die Aktion umzusetzen. Auch haben wir den Kostenaspekt nicht aus den Augen gelassen. Für die Logoentwicklung sind keine Kosten angefallen, die Druckkosten belaufen sich nur auf Digitalfarbausdrucke und die anderen Werbemittel. Außerdem konnten wir die T-Shirts und Mützen recht preisgünstig herstellen lassen.
ABZ: Muss es jedoch eine englische Wortschöpfung sein, mit der das traditionelle Bäckerhandwerk in Hof wirbt?
Martin Sommermann: Nein, muss es nicht zwingend. Ich bin auch keiner, der den Einzug von vielerlei englischen Begriffen befürwortet. Doch kann man sich dem dann nicht verschließen, wenn man die Jugend ansprechen will. Sie hört Musik in englischer Sprache, sie hat Englisch in der Schule und letztlich klingt „Bake Cake“ auch besser als „Kuchen backen“. Wichtig ist, dass damit eine positive Botschaft vermittelt wird.
ABZ: Und kommt die positive Botschaft an? Welche Resonanz haben Sie bisher?
Martin Sommermann: Das erste Mal wurde die Aktion auf der Ausbildungsmesse in Hof vorgestellt. Bei einem Quiz um das Bäckerhandwerk gingen uns die 500 Teilnahmekarten aus. Das hatten wir nicht erwartet. Stündlich wurden T-Shirts und Mützen mit dem „Bake Cake“-Logo verlost.
Mit Hilfe von Postkarten boten wir den Teilnehmern an, sich um Praktikaplätze in den Innungsbäckereien zu bewerben. Während im vorhergehenden Jahr eine Postkarte zurück kam, kamen mit „Bake Cake“ allein auf der Ausbildungsmesse zehn Karten zurück. Die Aktion hat aber auch die Presse auf uns aufmerksam gemacht. So wurde in allen Zeitungen berichtet, selbst Interviews und Reportagen für die regionalen Rundfunksender wurden gemacht.
Die Medien fanden die Aktion so interessant, dass sie von sich aus auf uns zukamen.
ABZ: Wie wird die Aktion künftig fortgeführt?
Martin Sommermann: Natürlich werden wir die Aktion fortsetzen, der bisherige Erfolg ist für mich Verpflichtung. Jeweils zum Ausbildungsbeginn werden die neuen Mitarbeiter mit T-Shirt, Mütze und Tasche mit „Bake Cake“-Logo ausgestattet. Sie sollen Sympathieträger für unser Handwerk und die Ausbildung bei uns werden.
Neben der Präsenz auf der Ausbildungsmesse planen wir zudem auch auf anderen Veranstaltungen mit dieser Aktion für Aufmerksamkeit zu werben. (pf)
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