Fokus

Mit exzellentem Verkauf Paroli bieten

Mitgliederversammlung des BIV Südwest: Jeder Betrieb muss sich den veränderten Verzehrsgewohnheiten stellen, um zu überleben


Bad Dürkheim (dk). Mit einem „Weitermachen wie bisher“ werden die Betriebe die derzeitige wirtschaftliche Lage nicht überleben, so die Botschaft von Landesinnungsmeister Willi Renner (LIM) an die Delegierten auf der Mitgliederversammlung des Bäckerinnungs-Verbands Südwest (BIV) in Bad Dürkheim. „Ob Groß- oder Kleinbetrieb – jeder Betriebsinhaber muss sich dem Markt mit seinen sich ändernden Verzehrsgewohnheiten stellen, sonst wird er sich verabschieden müssen“, mahnte der LIM eindringlich. Der Verband habe für die Bewältigung der schweren Herausforderungen kein Patentrezept, biete aber Hilfestellung auf jeder Ebene. Eine davon ist der neue Betriebsberater Stefan Nickum, der sich und sein Aufgabengebiet den Delegierten vorstellte.

Zur Mitgliederversammlung, die im Kurhaus-Hotel in Bad Dürkheim stattfand, waren zehn Delegierte der drei Großinnungen angereist. Einige nützten schon am Vorabend die Gelegenheit zum Besuch des Bäckerballs der Innung Bad Dürkheim-Grünstadt, der im gleichen Hotel veranstaltet wurde.

Bisher relative Gelassenheit

Die wirtschaftliche Situation des Bäckerhandwerks werde sich weiter verschärfen, befürchtet LIM Renner in seinem Bericht. Zum einen werde der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verstärkt die Vorkassenzonen mit eigenen Bäckereiläden besetzen, andererseits werden in den Märkten selbst die Bake-off-Stationen weiter ausgebaut werden. Überraschenderweise ließen sich die Bürger im Moment nicht wesentlich durch die wirtschaftliche Lage beeindrucken, bedingt auch durch das Sinken der Kraftstoffpreise und der bis jetzt niedrigen Inflationsrate. So sei das Weihnachtsgeschäft 2008 das beste seit langem gewesen, wie auch das vergangene Jahr insgesamt gut abgeschnitten habe.

Das sei allerdings kein Ruhekissen, da durch die veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher die Systemgastronomie kräftig investiere. So wollen die großen Ketten wie Burger King und Mc Donald's mit neuen Frühstücksangeboten, kleinen Gerichten und Bio-Produkten weiter wachsen. Mc Donald's plane in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von fünf Prozent, erwirtschaftet zum Teil über neue Filialen und den Ausbau des Mc Café-Geschäftes. Letztere sorgten vor- und nachmittags für mehr Umsatz und führten auch ältere Menschen in die Mc Donald's-Filialen.

Auf Wettbewerb reagieren

Auf diese Veränderungen gilt es wirksam zu reagieren, mahnte LIM Willi Renner, denn die ursprüngliche handwerkliche Bäckerei mit ausschließlich konventionellem Verkauf und unverändertem Standardsortiment werde sich gegen die neuen Wettbewerbsformen nur schwer behaupten können. Hier zog der LIM Parallelen zum früher weit verbreiteten Restaurant-Betreiber „Wienerwald“, der es verpasst hatte, sich an die Wünsche und den Geschmack der Gäste anzupassen, und das, obwohl Geflügel in der Gunst der Kunden auf den vordersten Plätzen liegt.

Für diese Herausforderungen gebe es kein Patentrezept, so Renner, aber der Verband könne eine weit gehende Hilfestellung bieten. Für die Unterstützung im betriebswirtschaftlichen Bereich wurde auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung mit dem BIV Baden der Betriebsberater Stefan Nickum eingestellt und stehe außerordentlich kostengünstig für eine Beratung zur Verfügung.

Wie sich die Rahmenbedingungen für Bäcker weiter ändern werden, zeigte Dipl. Betriebswirt Stefan Nickum in seinem Statement auf. Viele Betriebe seien heute schon zu groß und könnten in dieser Größe nicht überleben. Der Grund dafür ist auch das zurückgehende Vorkassengeschäft, das die Marktbetreiber verstärkt selbst in die Hand nehmen. Auch die Discounter Aldi und Lidl werden weiter in den Frischebereich mit Brot und Backwaren vorstoßen. „Die Brotbackautomaten werden kommen, es verzögert sich nur im Moment noch etwas“, warnte der Berater. Dagegenhalten könne der Bäcker mit einem exzellenten Verkauf – und hier liege auch der größte Nachholbedarf, wie Geschäftsführer Helmut Münch in seinem Bericht bestätigte. So haben Betriebe, die Mitarbeiter zum Verkaufsseminar geschickt haben, deutliche Umsatzzuwächse bekommen.

Das bisher von vielen Betrieben praktizierte Wachsen durch immer stärkere Filialisierung ist die teuerste Steigerung des Umsatzes, so Nickum. Besser ist, auf bestehender Fläche mehr zu erwirtschaften, aber dazu muss das Gesamtbild des Betriebes passen. Nicht das Neueste zu haben ist wichtig, sondern die Ausgeglichenheit des Gesamtbildes: „Überlegen Sie, wie Sie sich nach außen präsentieren wollen.“

Werbung zahlt sich aus

Eine effektive Öffentlichkeitsarbeit werde immer wichtiger, betonte auch der Öffentlichkeitsbeauftragte des Verbandes, Claus Becker. Seitdem er die Pressearbeit der Innung verstärkt habe, erfahre er zunehmend die positive Resonanz der Kunden. Vor allem bei der Werbung um Azubis zahle sich das aus. Unterstützung bieten hier auch die Nachwuchswerbemaßnahmen des Zentralverbandes, die bei den Jugendlichen sehr gut ankommen. Für Ausbildungsmessen und ähnliches habe der BIV nun einen Messestand angeschafft, der für die Nachwuchswerbung bei der Geschäftsstelle in Kaiserlautern abgeholt werden kann.

Vor allem bei der Ausbildung sind große Anstrengungen notwendig, mahnte Landeslehrlingswart Helmut Seither gegenüber den Delegierten: „Wir müssen noch stärker als bisher attraktive Ausbildungsplätze anbieten, denn die Nachfrage nach Plätzen wird sich drastisch verringern und es wird noch schwieriger werden, gute Lehrlinge zu bekommen – sonst landen bei uns wirklich nur die Übriggebliebenen – der letzte Rest.“


Artikel vom 25.03.2009
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