Meinung
Mit „Mehl im Blut“ nach Deutschland gezogen
Ein weiter Weg zum Welterfolg des Kornspitz: Backaldrin startete bescheiden
Auf der iba 2009 sorgte das Bibelbrot von Backaldrin für Furore und war am größten Messestand der Weltleitmesse in aller Munde. Ein neuer Markenartikel aus Österreich mit dem Potenzial des schon legendären Kornspitz? Die junge Firmengeschichte Backaldrins liest sich wie eine einzige Erfolgsstory – doch wie hebt man so ein heute weltweit aufgestelltes Unternehmen aus der Taufe? Peter Augendopler erinnert sich im Gespräch mit Werner Kräling an bescheidene Anfänge Mitte der 60er Jahre.
ABZ: Wie sind Sie zur Backbranche gekommen?
Peter Augendopler: Ich stamme aus einer Bäckerfamilie und habe das Handwerk von der Pike auf gelernt. Mit mir wird bei den Augendoplers in der dritten Generation gebacken und mein Sohn wird nach seinem Studium jetzt ebenfalls Bäckermeister. Unsere Tochter ist bereits seit einigen Jahren im Unternehmen. Was mich besonders freut: Ich musste sie nicht dazu überreden. Unsere positive Einstellung gegenüber dem Beruf und zum Unternehmen, leben wir auch zu Hause, da ist der Funke übergesprungen.
Und wie wird aus einer österreichischen Bäckerei eines der größten Unternehmen der Backbranche Deutschlands, ja Europas?
Augendopler: Bis 1952 führten wir ganz normal die Bäckerei, waren besonders bekannt für unsere guten Lebkuchen. Als mein Vater schwer erkrankte und die anstrengende Ofenarbeit nicht mehr leisten konnte, hat er sich bereits mit der Herstellung von Backmitteln beschäftigt, ein zweites Standbein aufgebaut.
Mitte der 60er Jahre erkrankte mein Vater erneut und wir, fassten den Entschluss „etwas anderes zu machen“. Wir hatten allerdings keine Ahnung was und wie, aber wir machten uns keine Sorgen. Das Problem war nur, wir hatten kein Geld, aber ein Häuschen in Wien, auf das wir eine Hypothek aufnahmen. Wir hatten keinen Produktionsraum, keine Maschinen, nichts. Innerhalb von drei Monaten - von der Idee bis zur ersten Charge - haben wir die Firma an den Start gebracht: Am 24. 12. 1964 um 23.00 Uhr mischten wir die erste Charge von 150 kg.
Wissen Sie noch, welches Produkt das war?
Augendopler: Ja, das war Letose und das Backmittel gibt es heute noch. Nebenbei habe ich dann Bäcker gelernt, also nachts gebacken und tagsüber Backmittel entwickelt und produziert. Wenn man jung ist, geht alles. So haben wir begonnen, mit fünf Mitarbeitern im Außendienst und brauchten dann drei, vier Jahre, bis wir in Österreich etabliert waren.
Und der Schritt nach Deutschland?
Augendopler: Es gab ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder scheitern wir, dann lernen wir aber außerordentlich viel für den österreichischen Markt, oder es klappt. Durch eine Verkettung „unglücklicher“ Umstände musste ich dann den ersten Schritt machen, hab mich am 3. 2. 1969 in den Zug gesetzt und bin nach München gefahren – und bin 12 Jahre geblieben. Ich war damals 23 Jahre alt, sah aber aus wie 16. Die Bäcker haben mich entgeistert angestarrt – „Was will der Bub von uns?“. Und ich sollte ihnen nun erklären, wie das Backen geht. Die Bäcker hatten mehr Mitleid als Vertrauen zu mir. Zum Glück bin ich in einer Bäckerei aufgewachsen und verstand für mein Alter eine ganze Menge vom Backen. Ich war aber kein Verkäufertyp und es war sehr schwer, etwas zu verkaufen.
Bei der stetigen Suche nach Mitarbeitern hatte ich dann einfach Glück, wie so oft im Leben – dazu bekenne ich mich. Ein Bäcker empfahl mir einen, wie er meinte „der besten Leute, die es in Deutschland gibt“. Mit dem habe ich dann geredet und der war wirklich so verrückt, zu uns zu kommen. Wir hatten ja nichts zu bieten, keine tolle Produktion und keinen vernünftigen Standort in Deutschland – nur ein 50 Quadratmeter großes Lager und ein kleines Büro in München.
Das war Walter Ring, das Urgestein unserer Firma und der erfolgreichste Backaldrin-Verkäufer aller Zeiten.
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Er hatte die Kontakte, die Bäcker öffneten uns die Türen, wir kamen in die Branche – Schritt für Schritt, ganz langsam.
Für uns war es damals eine ganz unglaublich kühne Vorstellung, ein verwegenes Ziel, dass wir uns wohl mal in Bayern etablieren könnten – halbwegs so wie in Österreich. Mehr konnten wir uns in unserem Leben nicht vorstellen.
Dabei ist es dann aber nicht geblieben ...
Augendopler: Nun gut, wir haben dann auf Fachmessen ausgestellt und festgestellt, Deutschland ist größer als Bayern und die Menschen sind überall nett und offen.
Wie haben Sie den Vertrieb in Deutschland gestartet?
Augendopler: Mit einem VW-Bulli hab ich in München begonnen, hab die Ware selbst ausgeliefert. Dieses Direktvertriebssystem hatten wir schon in Österreich, als Partner des Handels waren wir zu Beginn halt uninteressant. Wir waren ja niemand und brauchte niemand. Was ich auch verstehen konnte. Ich war dann auch zu stolz und musste zusehen, dass ich so preiswert wie möglich die Waren zu den Kunden bekomme. Aber wo ist das Problem, dass der Vertreter die Ware gleich mit dabei hat? So haben wir mit einem 6Opel Caravan, da passten rund 400 bis 500kg rein, begonnen.
Das System hat sich sehr bewährt - bis heute. Sie müssen bedenken, dass der Handel eine Spanne braucht, die wir aber in der Kalkulation nicht übrig hatten. Wenn ich in den deutschen Markt will, muss ich preisgünstig sein. Das stand fest. Dieses Vertriebssystem ist ein Vorteil – auch heute noch – mittlerweile in fast allen europäischen Ländern. Viele können sich das nicht vorstellen, aber es ist so.
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