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Mit Blick auf Markttrends und Wirtschaft

Mitgliederversammlung des Landesinnungsverbands Thüringen: 2009 kein neuer Tarifabschluss zu erwarten


Neuhaus am Rennweg (ps). Mit mehrfachem Beifall und Dank wurde die diesjährige Mitgliederversammlung des Landesinnungsverbandes des Thüringer Bäckerhandwerks im Hotel „Schieferhof“ in Neuhaus am Rennweg eröffnet: Landesinnungsmeister Wolfgang Laudenbach bedankte sich bei der gastgebenden Innung Sonneberg/Neuhaus sowie bei Obermeister Hans-Jürgen Malter und seinen Mitstreitern für ein überaus gemütliches und stimmungsvolles Wochenende im Rahmen der Mitgliederversammlung. Diesen guten Gesamteindruck setzten die Mitarbeiter Ireks aus Kulmbach am Beratungstag fort: Sie präsentierten nicht nur ein gutes Kuchenbuffet und herrliche Schaubrote, die den Meistern sicherlich so manche Anregung für die eigene Backstube gegeben haben, sondern boten sogar frisches Backwerk zum Frühstück an. „In welchem Hotel gibt es heute noch fast warme Bäckerbrötchen zum Tagesauftakt?“, freute sich nicht nur Wolfgang Laudenbach über diese Idee.

Verstärkter Wettbewerb

In seinem Geschäftsbericht ging LIM Laudenbach auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ein und sagte voraus, dass sich der Wettbewerb in der Backwarenbranche auch aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise weiter verstärken wird. Neben Backwaren-Discountern und der Backwarenindustrie werde vor allem der Lebensmittelhandel durch das Betreiben von eigenen Backstationen und -shops in den Vorkassenzonen verstärkt auf den Markt drängen. Erkennbar sei zudem, dass Systemgastronomiebetriebe mit neuen Frühstücksangeboten, kleinen Gerichten und Bio-Produkten weiter wachsen wollen. Auch die Hersteller von Tiefkühl-Backwaren, TK-Snacks und TK-Pizzas hätten im Vorjahr deutliche Wachstumsraten erzielt.

„Gegen diese neuen Wettbewerbsformen kann sich die ursprüngliche Handwerksbäckerei mit ausschließlich konventionellem Verkauf und unverändertem Standardsortiment nur schwer behaupten“, schlussfolgerte Wolfgang Laudenbach. „Wer es verpasst, nicht oder nicht rechtzeitig auf die ständigen Veränderungen zu reagieren, wird sich – gleich, ob Klein- oder Großbetrieb – über kurz oder lang vom Markt verabschieden müssen. Deshalb muss sich jeder Betriebsinhaber stets über das Verbraucherverhalten und die Markttrends informieren und aus diesen Erkenntnissen solche Strategien entwickeln, die zu ihm, zu seinem Betrieb, zu seinen Kunden und zu seiner Region passen und darüber hinaus die hohe Qualität, die Einmaligkeit und die kontinuierliche Innovation der handwerklich hergestellten Backwaren vermitteln.“

Zudem müsse ein erfolgreiches Handwerksunternehmen auch seine betriebswirtschaftlichen Zahlen noch genauer kennen, um rechtzeitig auf Entwicklungen reagieren zu können. Der Landesinnungsverband des Thüringer Bäckerhandwerks habe zwar kein Patentrezept zur Bewältigung dieser nicht leichten Aufgaben und Herausforderungen. „Jedoch kann er den Bäckermeistern Hilfestellung geben und in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen, um so die Rahmenbedingungen für die Mitgliedsbetriebe positiv zu gestalten“, betonte Laudenbach.

Schließlich berichtete Obermeister Wolfgang Süpke (Bäckerinnung Sömmerda) über die Werbeaktivitäten des Zentralverbandes mit einem Kino-Trailer sowie Werbeflyern rund um das Bäckerhandwerk für die Gestaltung von Berufsbildungsbörsen oder „Tage der offenen Backstube“.

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Jürgen Markert informierte darüber, dass die Gewerkschaft den Lohn- und Gehaltstarifvertrag zum Jahresende 2008 gekündigt und Forderungen nach einer sechsprozentigen Steigerung gestellt hatte. „Diese Rechnung wurde jedoch vor der momentanen Wirtschaftskrise aufgemacht, in der es das vordringlichste Ziel auch der Gewerkschaft vor allem sein sollte, die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten“, unterstrich Markert. „Die Rezession hat uns inzwischen eine ganz andere Ausgangslage als zum Zeitpunkt der Kündigung beschert, sodass wir als Verhandlungspartner von einer Nullrunde ausgehen und den nächsten Verhandlungstermin erst im Herbst haben werden, weshalb es 2009 wohl kaum zu einem neuen Abschluss kommen wird.“

Kritik an der ÜLU

Schließlich diskutierten die Bäckermeister einmal mehr über die schlechte Vorbereitung und Durchführung der ÜLU-Ausbildung und Beaufsichtigung der Lehrlinge im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer zu Erfurt sowie über die unzureichende Unterstützung bei den anstehenden Wettbewerben des Berufsnachwuchses.

Die Berufsbildungskommission will jetzt diesen Kritiken erneut nachgehen.


Artikel vom 06.05.2009
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