Branche_Politik

Mit Blick auf Markt und Perspektiven

Mitgliederversammlung des LIV Württemberg im Rahmen der Jahrestagung des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks


Stuttgart (wo). Die Lage im Bäckerhandwerk ist relativ entspannt. Zwar habe man im Jahr 2009 keine großen Umsatzsprünge zu verzeichnen, aber die Entlastung bei den Rohstoffpreisen sei deutlich zu spüren, so Landesinnungsmeister Johannes Schultheiß auf der Mitgliederversammlung des LIV Württemberg im Rahmen der Jahrestagung des Zentralverbands für das Deutsche Bäckerhandwerk in Stuttgart (siehe Seite 1 und 3).

Wobei sich der Württembergische Verband nicht nur als serviceorientierter Dienstleister für das Bäckerhandwerk, sondern auch als guter Gastgeber der rund 150 Delegierten und Besucher präsentierte. Der Begrüßungsabend im Restaurant des neuen Stuttgarter Kunsthauses war jedenfalls kulinarisch und mit Gesangs- und Theatereinlagen auch kulturell auf hohem Niveau.

Auf der Mitgliederversammlung selbst waren dann nüchterne Bestandsaufnahme und Analyse der wirtschaftlichen Perspektiven des Bäckerhandwerks angesagt. So gebe es wegen der Discounter eine nach wie vor intensiv geführte Preisdiskussion, wie LIM Schultheiß betonte.

Für Marktakzeptanz sorgen

Hier sei es leider nicht jedem Betrieb gelungen, die richtigen Argumente für höhere Verkaufspreise im Fachgeschäft zu finden. Und da davon auszugehen sei, dass die Discounter am Markt weiterhin sehr aktiv sein werden, gehe es verstärkt um die Akzeptanz bei den Kunden und darum, wie man sich am Markt zum Beispiel mit Qualität und Service effektiv profilieren könne. „Jeder Betrieb muss hier individuelle Lösungen finden“, so Schultheiß auch mit Blick auf die Zeit nach den Wahlen. Denn es sei zu erwarten, dass dann die Krise im verbrauchernahen Einzelhandel und somit auch im Bäckerhandwerk verstärkt zu Buche schlägt. Schon jetzt sei eine Verunsicherung der Verbraucher spürbar. Vor allem in den Städten mit Firmen, die jetzt schon von der Krise betroffen sind.

Die deutliche Entspannung auf dem Rohstoffmarkt, hier vor allem bei den Getreidepreisen, komme den Betrieben sehr entgegen. Doch könne auch bezüglich der Kosten keine Entwarnung gegeben werden. Die EU sorge zum Beispiel mit der Lebensmittelkennzeichungs-Verordnung oder der EU-Trinkwasser-Verordnung für Mehrbelastungen. „Es kann nicht sein, dass wir die Erfüllungsgehilfen der EU-Bürokraten sind“, kritisierte LIM Schultheiß diese unverhältnismäßigen und mittelstandsfeindlichen Regelungen. Auch der neue Gefahrtarif der BGN von einheitlich 5,2 Prozent für Produktion und Verkauf sorge für eine deutliche Zusatzbelastung. Für manche Betriebe erhöhe sich so der Beitrag um bis zu 25 Prozent. Der momentan laufende Musterprozess könne sich noch drei bis fünf Jahre ziehen – mit unsicherem Ausgang. Bis dahin gelten auf jeden Fall die 5,2 Prozent.

Höhere Ausbildungsvergütung

Sinnvoll sei hingegen die beschlossene, moderate Erhöhung der Ausbildungsvergütung, weil es nicht imagefördernd ist, am absolut unteren Ende der Vergütungstabelle zu stehen (1. Lehrjahr: 385 auf 400 Euro, 2. Lehrjahr: 470 auf 500 Euro, 3. Lehrjahr: 580 auf 600 Euro). Diese Regelungen gelten vorerst nur für den Westen Deutschlands.

Etwas unbefriedigend sei die Situation in Sachen Lohn- und Gehaltstarif. Man sei seitens des Baden-Württembergischen Bäckerhandwerks mit ausgewogenen und fairen Vorstellungen auf die NGG zugegangen, wie Schultheiß betont. Die Gewerkschaft habe aber die maximale Belastungsgrenze als Einstiegsgröße angesehen. So seien die Gespräche auf nächstes Frühjahr vertagt worden. Mit Blick auf einen drohenden Mindestlohn dürfe man die Thematik aber nicht aus dem Auge verlieren.

Verbandsservice nutzen

Bei der Vorlage des Geschäftsberichts konnte Verbandsgeschäftsführer Andreas Kofler eine entspannte Finanzsituation und solide Jahresrechnung präsentieren. Er nutzte dabei die Gelegenheit, auch auf „Brot zum Teilen“ hinzuweisen (siehe Bericht auf Seite 13), eine Aktion, mit der sich das Bäckerhandwerk gemeinsam profilieren kann. Ebenso wie mit der Aktion „Richtig Frühstücken – kinderleicht“, die momentan als Projekt in Bayern läuft und auf ganz Deutschland ausgeweitet werden soll. Abschließend appellierte Kofler an die Kollegen, den Verbandsservice rund um die Themen technische Betriebsberatung, Qualitätsmanagement, Betriebswirtschaft und die juristische Beratung rechtzeitig in Anspruch zu nehmen.


Artikel vom 16.09.2009
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