Markt & Meinung
Mit Bio kompetent Flagge zeigen

Erst war es nix, dann war es schick, jetzt macht es fit. Die Rede ist vom Verbrauchertrend Bio, einem Begriff mit Signalwirkung. Und natürlich gibt es mehr oder weniger klare Vorgaben bezüglich Herkunft und Herstellung von Bio-Produkten. Das ist auch gut so. Schließlich suchen die Verbraucher im Zeitalter von Geschmacksverstärkern, künstlichen Aromen und „naturidentischen“ Lebensmitteln aus dem Reagenzglas nach Sicherheit, Transparenz und ursprünglichem Geschmack. Man kann sagen, der industrielle Einheitsbrei aus dem Labor nährt die bisher stille Sehnsucht nach Natürlichkeit und Lebensmitteln mit Charakter. Auch diverse Lebensmittelskandale haben dafür gesorgt, dass Bio quasi hoffähig geworden ist. Vor allem der Fleischerchor kann ein Lied davon singen: Lange schallt´ es aus dem Wald: Nur Bio stellt den Wahnsinn kalt. Als BSE so recht in aller Munde war, gab es einen ziemlichen Auftrieb in den Bio-Fleischereien. Es ist eigentlich paradox. Aber der Rinderwahnsinn hat viele Verbraucher vorübergehend zur Vernunft gebracht. Nach einigen Rückfällen haben die Verbraucher jetzt doch noch das Ernährungsbewusstsein für sich entdeckt. Zum Wohle derer, die schon früh auf Bio-Produktion gesetzt haben. Die wurden lange genug als ideologisch verwirrte Idealisten abgetan – nach dem Motto: Bio ist, wenn man denkt, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Die Zeiten sind zum Glück vorbei. Ökologie und Ökonomie sind keine Gegensätze mehr. Schon spricht man von einem regelrechten Bio-Boom. Denn auch die Ernährungsindustrie hat das Thema für sich entdeckt. Mit weitreichenden Folgen. Es soll in einigen Bereichen schon zu Rohstoffengpässen gekommen sein, weil die Landwirtschaft zu spät auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist. Da ist man in Österreich und in der Schweiz schon deutlich weiter. Aber was nicht ist, kann noch werden. Und für das Bäckerhandwerk ist Bio nach wie vor eine Chance, Flagge zu zeigen und sich mit Überzeugungskraft und Fachkompetenz zu profilieren (siehe Interview auf dieser Seite und Berichte auf Seite 6 und ab Seite 9). Reinald Wolf
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