Trends & Märkte
Messe hat Zielgruppe punktgenau erreicht
270 Aussteller freuen sich über rund 12.000 Fachbesucher / Bäcker kritisieren falsche Entscheidungen der Bundes- und Landespolitiker
Leipzig (ad). „Die Sachsenback ist ein Branchentreff, hier lebt die Bäckerfamilie“, brachte Michael Wippler, Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks, seine Eindrücke bei der Eröffnung der Fachmesse Sachsenback auf einen knappen Nenner. Zuvor hatte LOM Wippler den 270 Ausstellern für ihr Engagement gedankt. Dieses trage dazu bei, dass die zweitgrößte regionale Fachmesse des Bäcker- und Konditorenhandwerks auf der Erfolgsspur fährt, so Wippler.
Dem Lob für die bereits in 15. Auflage durchgeführte Veranstaltung schloss sich auch Peter Becker, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., in seiner Eröffnungsrede an. Er verwies auf die exzellenten Produkte der deutschen Bäcker, auf deren Kreativität sowie auf die rund 36.000 jungen Menschen, die im Bäckerhandwerk jährlich ausgebildet werden. „Wir haben allen Grund, Stolz auf unser Handwerk zu sein und Selbstbewusstsein an den Tag zu legen“, fasste Becker zusammen.
Kritische Worte richtete er an die Adresse der Bundesregierung. Längst überfällig, so Becker, sei die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zudem gehöre der Solidaritätszuschlag auf den Prüfstand. Außerdem müsse der Bund gegen die Preispolitik der Energieversorger vorgehen. „Die Binnenkonjunktur lebt davon, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben“, begründete er seine Forderung. Unverständnis äußerte Peter Becker für das Vorhaben, die von den Bäckereien verwendeten Verpackungsmittel über den Grünen Punkt zu lizensieren. „Wir Bäcker sind verträgliche Leute, aber wenn es um unsinnige Gesetze und Abzocke geht, sehen wir manchmal auch rot“, sagte er.
LOM Michael Wippler richtete seinen Zorn gegen das in diesem Jahr in Kraft getretene Ladenöffnungsgesetz des Freistaates Sachsen. Diese beschneide die Bäcker in ihren Möglichkeiten der Sonntagsöffnung und untersage ihnen Verkauf an Feiertagen gänzlich, während Tankstellen davon nicht betroffen seien. Wippler rief in diesem Zusammenhang zu zivilem Ungehorsam auf. „Wenn ein Gesetz so weit daneben geht, ist nicht derjenige der Schuldige, der es übertritt, sondern der, der es verabschiedet hat.“
Stärker auf Öko- und
Regioprodukte setzen
Als Vertreterin des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft machte Anita Domschke deutlich, dass die steigenden Preise für eine Vielzahl von Lebensmitteln ein sensibles Thema sind. Die derzeitigen Preise seien der weltweit gestiegenen Nachfrage u.a. nach Getreide geschuldet. „Aber auch bei einer allmählichen Regulierung werden sich die Verbraucher generell auf höhere Preise einstellen müssen“, schätzte Anita Domschke ein. „Unsere Lebensmittel haben wieder ihren Wert. Vor einigen Jahren wurde genau das angemahnt.“
Den sächsischen Bäckern empfahl sie, künftig verstärkt auf Öko-Produkte zu setzen. In dieser Beziehung würden zurzeit viele Chancen vergeben. „Überlassen Sie dieses attraktive Feld nicht den Discountern und Biosupermärkten.“ Zudem riet sie den Bäckern, die Möglichkeit zu nutzen, ausgewählte regionale Spezialitäten EU-weit schützen zu lassen, wie das bereits mit Dresdner Stollen, Meißner Fummeln und anderen Produkten geschehen sei. Peter Becker widersprach dieser Empfehlung mit dem Hinweis, dass der übertriebene Schutz regionaler Produkte „neue Grenzen“ aufreißen könne.
Sachsenback bleibt Treffpunkt der Branche
Waren die Erwartungen im Vorfeld der diesjährigen Sachsenback mit verhaltenem Optimismus besetzt – angesichts der Energiepreiserhöhungen oder immens gestiegenen Rohstoffkosten und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Backbranche -, verdeutlichte ihr Verlauf, dass Aussteller und Fachbesucher die Messe als wichtige Veranstaltung für die Zukunft werten. Für die 270 ausstellenden Firmen aus sechs Ländern zeichnet sich ein positives Nachmessegeschäft ab, wie erste Umfrageergebnisse unter den Besuchern belegen. Die Bereitschaft, in die Betriebe zu investieren, ist dabei deutlich zum Ausdruck gekommen. Auch die ausgezeichnete Qualität der Fachbesucher (98 Prozent der Befragten) hat sich erneut bestätigt. So ist die Anzahl der selbstständigen Unternehmer ebenso auf hohem Niveau geblieben wie die Anzahl der Besucher, die in der Geschäftsleitung tätig sind. Unter dem Strich entscheiden rund 30 Prozent der befragten Fachbesucher ausschlaggebend über Investitionen und Anschaffungen im Unternehmen. Mehr als 80 Prozent der Besucher sind an Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen beteiligt, und davon wollen 77 Prozent in naher Zukunft in ihre Betriebe investieren.
Neben der hohen Qualität der Besucher hat sich das Einzugsgebiet der Sachsenback im Vergleich zu 2005 erweitert. Fast die Hälfte stammt aus einem Umkreis von 100 bis 300 Kilometer, 8 Prozent (2005: 7 Prozent) der Besucher nahmen sogar einen Anreiseweg von mehr als 300 Kilometer auf sich. Insgesamt stammen rund 80 Prozent der befragten Besucher aus dem traditionellen Bäckerhandwerk, 33 Prozent aus Konditoreien und 15 Prozent aus der Brot- und Backwarenindustrie (Mehrfachnennungen möglich). Somit hat die Sachsenback genau ihre Zielgruppe erreicht. Mehr als die Hälfte der Befragten beschränkt sich übrigens auf den Besuch der Fachmesse in Leipzig. Insgesamt wurden rund 12.000 Besucher an den drei Messetagen registriert.
Positive Stimmung und
Investitionsbereitschaft
Ulrich Kromer, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, freute sich über viele Gäste aus Polen, an den Ständen wurden aber auch Besucher aus Tschechien und Russland begrüßt. Bei den deutschen Besuchern kamen 50 Prozent aus Sachsen, 13 Prozent aus Sachsen-Anhalt, 11 Prozent aus Thüringen, 9 Prozent aus Brandenburg, 5 Prozent aus Niedersachsen und 4 Prozent aus Bayern. Ulrich Kromer: „Wir haben eine Fachmesse veranstaltet, die Hoffnung für die Zukunft gibt. Wir haben eine positive Stimmung und Investitionsbereitschaft verspürt.“
Vorführungen im Backforum
gut angekommen
Ähnlich sah es Jean-Pierre Nachtsheim, Abteilungsleiter Einkauf bei der Bäko-Zentrale Nord eG, der auf dem dicht belagerten Stand der Bäko einschließlich ihrer rund 15 Genossenschaften „hervorragende Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten“ beobachten konnte. Auch die Vorführungen der vier deutschen Bäckerfachschulen aus Dresden-Helmsdorf, Berlin, Olpe und Weinheim (Sitz der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk) mit Spezialitäten aus deutschen Regionen im stets vollbesetzten Bäko-Backforum „sind vom Publikum hervorragend angenommen worden“. Dasselbe galt für den Konditoren-Ideenmarkt sowie den Hochzeitstorten-Wettbewerb, die auf großes Interesse gestoßen sind.
Für Wolfgang Hesse, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands Saxonia, war die Sachsenback eine rundum gelungene Fachveranstaltung, die von 90 Prozent der Besucher mit den Noten gut bis sehr gut benotet wurde.
Mit dem Gemeinschaftsstand von sechs Bäckerinnungsverbänden aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin-Brandenburg, Niedersachsen/Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sowie der Präsentation der drei Berufsschulen aus Dresden, Annaberg-Buchholz und Wilkau-Haßlau habe die Sachsenback eine wichtige Informationsplattform für Mitglieder und interessierte Gäste geboten.
Ähnlich angetan waren die Fachbesucher, von denen sich rund die Hälfte für Rohstoffe und Halbfabrikate sowie 43 Prozent für Maschinen der Arbeits- und Betriebstechnik interessierten. 95 Prozent der befragten Gäste wollen die Sachsenback ihren Kollegen weiterempfehlen, für mehr als 90 Prozent hatte sich der Besuch voll bzw. teilweise gelohnt. Ebenfalls mehr als 90 Prozent wollen die nächste Sachsenback voraussichtlich wieder besuchen.
Nächste Sachsenback 2008
zusammen mit der FleiFa
Die nächste Sachsenback findet vom 20. bis 22. September 2008 zusammen mit der FleiFa, Fachmesse für das Fleischerhandwerk, in Leipzig statt.
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