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Meisterbrief? Fehlanzeige!

Parteiprogramme gehen am Handwerk vorbei


Kassel (rgb). Im „Deutschlandprogramm 2005“ der FDP sucht man ihn vergebens, im „Eines für alle“ betitelten „Wahlprogramm“ von Bündnis 90/Die Grünen findet man ihn zweimal, im „Regierungsprogramm“ von CDU und CSU dreimal und im „Wahlmanifest“ der SPD sechsmal. Gemeint ist der Begriff „Handwerk“, der im Bewusstsein der Bewerber für höchste Regierungsämter offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie Gerhard Repp, Präsident der Handwerkskammer Kassel (HWK), beklagt. „Keine der im Bundestag vertretenen Parteien bekennt sich zum Meisterbrief, obwohl es gerade mit seiner Hilfe gelingt, junge Menschen von der Straße zu holen.“

Das Handwerk braucht nach dem 18.September 2005 wieder verlässliche Grundlagen, um seine Qualifizierungs- und Beschäftigungspotenziale erschließen zu können, verlangt der Handwerkspräsident. Dazu gehört die Meisterqualifikation als Garant für einen hoch qualifizierten Unternehmer, der in der Lage ist, sein Wissen und Können auch weiterzugeben. „Die Dequalifizierungsspirale, die 2004 mit der Reform der Handwerksordnung und der Einführung zulassungsfreier Handwerke eingeleitet wurde, muss umgedreht werden in eine Qualifizierungsspirale.“ Ungelernte, die die Gründungsstatistiken des Handwerks dominierten, taugten weder als Unternehmer noch als Ausbilder, kritisiert Repp. „Betriebsstabilität und Verbraucherschutz, vor allem aber die Ausbildungsleistung sprechen für die Stärkung des Meisterbriefs.“

Das Handwerk ist mit rund 10 Prozent Ausbildungsquote nach wie vor größter regionaler Ausbilder. „Unsere Betriebe sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst und werden alles unternehmen, jedem ausbildungsfähigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen.“ Nur das Handwerk bewältigt die Eingliederung von Schulabgängern mit geringer Qualifikation, erklärt Repp. Sechs von zehn Berufsanfängern beginnen ihre Lehre mit dem Hauptschulabschluss. „Die Gesellschaft profitiert von der Handwerksordnung und der Meistervoraussetzung in den verbliebenen 41 Handwerksberufen, weil es mit ihrer Hilfe gelingt, benachteiligte junge Menschen von der Straße zu holen, ins Erwerbsleben zu führen und vor der schiefen Bahn zu bewahren. Es wäre zu begrüßen, wenn die Politik dies in ihren Programmen honorieren würde.“


Artikel vom 11.08.2005
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