Trends & Märkte
Mehr Getreide zu Bioethanol verarbeitet
Der Bedarf der Destillerien an Weizen, Mais und Roggen wächst rasant

Über zwei Prozent der Getreideernte wird in den nächsten Jahren versprittet und landen so in Heiz- oder Kraftfahrzeugtanks. Foto: Volkswagen
Der Internationale Getreiderat (IGC) geht davon aus, dass sich die Nachfrage der europäischen Destillerien nach Weizen, Mais und Roggen in den nächsten zwei bis drei Jahren von derzeit 3,2 Mio. t auf dann 6,4 Mio. t verdoppeln könnte. Damit würden 2,3 Prozent einer durchschnittlichen Getreideernte versprittet.
Weltweit werden derzeit etwa 106,8 Mio t Getreide zu Bioethanol verarbeitet, davon allein 86,5 Mio. t Mais in den USA. Auf welchen Rohstoff die Destillerien in Zukunft zurückgreifen, dürfte entscheidend von der weiteren Preisentwicklung bei den einzelnen Getreidearten abhängen. An der Terminbörse von Chicago hat die Notierung für vorderen Mais seit Mitte April um 8 Prozent auf zuletzt 9,63 Euro/dt nachgegeben. Andererseits ist der Kurs für Futterweizen in der US-Handelsmetropole um ein Viertel auf 16,14 Euro/dt nach oben geschossen, was Weizen als Rohstoff aus Sicht der Destillerien weniger attraktiv erscheinen lässt. Unabhängig von der Rohstoffbasis hat der Kostendruck der Destillerien in den letzten Monaten spürbar zugenommen, da sich die Alkoholpreise im Rückwärtsgang befinden. Seit Mitte April hat sich eine Gallone Biosprit auf der Basis von Mais von 0,41 Euro/l auf 0,38 Euro/l verbilligt. Schon heute wird Bioalkohol in Europa zur Hälfte aus Zuckerrüben und Weinalkohol hergestellt, so dass die Destillerien durchaus Alternativen zur Verarbeitung von Getreide haben. Noch in den Kinderschuhen befindet sich die Zelluloseversprittung. Auch in der EU werden derzeit zwei Anlagen errichtet, die zellulosehaltige Abfälle in Bioethanol umwandeln können. Beim IGC geht man davon aus, dass sich die Herstellung von Bioethanol aus Stroh, Holzresten oder Landschaftspflegegut frühestens in fünf Jahren rechnet.
Auch andere Industriezweige haben sich in den letzten Jahren zu Großabnehmern von Getreide entwickelt. Nach Angaben des IGC sollen in der laufenden Vermarktungskampagne 229,0 Mio t Getreide im industriellen Maßstab zu Bioethanol, Stärke oder Malz verarbeitet werden, womit inzwischen fast 14 Prozent des weltweiten Getreideverbrauchs auf diese Verwertungsrichtung entfällt. Mit steigenden Rohölpreisen – das Barrel kostet aktuell knapp 54,93 Euro – setzen die Papier-, die Baustoff- und die Chemieindustrie verstärkt Grundstoffe auf Getreidebasis ein, um so teure fossile Rohstoffe einzusparen. Während die Nachfrage der Lebens- und Futtermittelwirtschaft nach Getreide seit Jahren kaum noch zunimmt, wächst die industrielle Verwertung mit zweistelligen Raten.
Im Zuge dieser Entwicklung dürfte 2007/08 erstmals mehr Getreide zu Bioethanol als zu Stärke verarbeitet werden. Während die Getreideverwertung zu Biosprit um die Hälfte auf 106,8 Mio. t zulegen soll, wird für Stärkeerzeugnisse auf Getreidebasis nur ein Plus von 6,0 Prozent auf 85,0 Mio. t ausgewiesen. Hinzu kommen 32,2 Mio. t Getreide, die weltweit zu Bier verarbeitet werden.
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