Trends & Märkte

Mehr Frischeprodukte in Tankstellen-Shops

11. Handelsblatt-Jahrestagung „Handel und Wandel in Tankstellen“


Bonn/Düsseldorf (p). Der erfolgreiche Tankstellen-Shop: ein Ort zum Erholen und Entspannen, an dem Kunden nach dem Tanken in gemütlicher Atmosphäre verweilen. Dies ist die Vision der Tankstellen-Branche, um den zunehmenden Herausforderungen der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und der Konkurrenz anderer Shop-Formate zu begegnen. Denn es ist schwer vorstellbar, dass die großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) den Convenience-Markt allein den Tankstellen überlassen werden.

Die Referenten der 11. Handelsblatt-Jahrestagung „Handel und Wandel in Tankstellen“ in Bonn präsentierten den rund 200 Teilnehmern die neuesten Trends und Konzepte, mit denen Tankstellen-Shops Kunden zum Einkauf und zum Verweilen animieren. Hierfür ist es jedoch notwendig, das Angebot an Kaffeespezialitäten und Frische-Produkten zu erweitern und die Shop-Gestaltung an einen gemütlichen In-Store-Verzehr anzupassen, heißt es in einer Pressemeldung zur Jahrestagung.

Tankstellen zum Verweilen

„Convenience-Produkte, das ist es, was Kunden haben möchten und dies weltweit“, erklärte Henry Ogden Armour, Präsident der NACS – The National Association for Convenience and Petroleum Retailing. Während sich die Kundenwünsche international annähern, so bestehen rein konzeptionell erhebliche Unterschiede. In Europa seien Tankstellen immer noch allein auf das Tanken mit Einkaufsmöglichkeit ausgerichtet. In den USA dagegen haben Tankstellen eher den Charakter und Charme von Restaurants. Die Kunden fühlen sich in solch einem Ambiente weitaus wohler und verweilen entsprechend länger an der Tankstelle. „Hier besteht in Deutschland enormer Nachholbedarf und großes Entwicklungspotenzial“, erklärte Armour.

Erfolgreich auf Kaffee gesetzt

„Leider besteht immer noch die weit verbreitete Meinung, an Tankstellen bekomme man mittelmäßigen Kaffee“, erklärte Anja Schreck (Aral AG). Ein Vorurteil, mit dem sie jeden Tag kämpfen müsse. „Dabei haben wir in unseren ‚Petit Bistros’ unserer Tankstellen im letzten Jahr 22 Millionen Tassen unseres Kaffees verkauft, das sind insgesamt drei olympische Schwimmbecken.“ Dies stehe für die gute Qualität der Destination Coffeeland. „Ein Konzept, das aufgeht“, so Schreck. Der Marktführer der deutschen Mineralölindustrie hat derzeit einen Marktanteil von 30 Prozent im Convenience-Channel und konnte im vergangenen Jahr seinen Food-Service-Bereich mit der Marke ‚Petit Bistro’ deutlich ausbauen. „Das Bistro trug somit im Schnitt zu einer Umsatzsteigerung von vier Prozent an den Tankstellen-Shops bei“, erläuterte Schreck. Das ehrgeizige Ziel von Aral sei nun, im deutschen Fast Food-Markt von Platz vier auf den dritten Platz vorzurücken und die Kompetenz bei Kaffeespezialitäten konsequent auszubauen. Hierfür wird Aral bis zum Jahr 2010 rund 200 Millionen Euro investieren.

Mehr Frische-Produkte

Lebensmittel und Tankstellen müssen kein Widerspruch sein. Dies zeigten die Ergebnisse des Lebensmittelumsatzes in Tankstellen des vergangenen Jahres, erklärte Heinz von Kempen (Schwartauer Werke). „Die zunehmende Professionalisierung der Shops führte trotz verkleinerter Shopflächen zu einem Umsatzwachstum. Der Umsatz an Lebensmitteln in Tankstellen betrug im vergangenen Jahr 26,7 Prozent, bei einer gleichzeitigen Verkleinerung der Shopflächen um 11,9 Prozent. Diese Entwicklung werde weiter zunehmen, besonders „der Frische-Markt wird im Convenience-Channel überproportional wachsen“, meinte von Kempen. Dies sei der große Hoffnungsträger der Branche. Im europäischen Vergleich liege Deutschland derzeit noch immer hinter Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Spanien zurück und besonders der Frische-Markt sei noch wenig entwickelt. Doch diesen Rückstand werde Deutschland aufholen, da das Thema gesunde Ernährung an Bedeutung gewinne. „Die Convenience-Branche sollte dieses Potenzial zur Erschließung neuer Kundenstämme für sich nutzen“, so von Kempen.

Tante-Emma-Läden im Kommen

„Der Convenience-Markt wird auch künftig weiter wachsen“, erklärte auch Prof. Dr. Joachim Zentes anhand der Ergebnisse seiner Studie „HandelsMonitor 2006/2007“. Jedoch werden sich die Formate der Convenience-Shops ändern, so Zentes. Neben den dominierenden Tankstellen-Shops werden zunehmend Express-Formate und LEH-Klein-Formate an Bedeutung gewinnen: „Die LEH-Klein-Formate werden als eine Art Tante Emma Laden im Franchising-Format fungieren, bei der ein Verzehrbereich gleich mit eingeplant wird“, sagte Zentes. Der Instore-Verzehr werde auf fundamentale Weise den Markt neu bestimmen und den monopolitischen Restaurantbereich segmentieren, so Zentes. „Supermärkte und Warenhäuser werden künftig mehr als reine Warendegustationen anbieten und sich zu kleinen gourmetartigen Tempeln entwickeln“, prognostizierte Zentes.

Easy-Shopping sei ein weiterer Trend, der dem Kunden das Einkaufen erleichtern werde. Die derzeitige Fülle des Sortiments verwirre den Kunden. Zentes forderte daher, dass das Angebot durch eine reduzierte Sortimentstiefe vereinfacht werden soll. „Wir brauchen neben den Convenience-Produkten auch ‚Mental Convenience’, um das Einkaufen für die Kunden stressreduzierter zu gestalten.“


Artikel vom 19.04.2007
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