Markt & Meinung

Made in Germany


Was haben der Meisterbrief, die Ausbilder-Eignungsprüfung und eine globalisierte Weltwirtschaft mit unseren Frühstücksbrötchen zu tun? Um das zu begreifen, muss man die Geschicke der Welt mit den Augen eines Politikers lenken: Mal stellt man den Meisterbrief in Frage, mal wird die Ausbilder-Eignungsprüfung abgeschafft, und weil man sich nicht so sicher war, erstmal zeitlich befristet. Das war 2003. Jeder soll eine Bäckerei aufmachen können, jeder soll ausbilden können, von wegen freier Märkte, Globalisierung und so. So ein bisschen nach Gutdünken – je nach Anlass und Publikum. Bloß nicht nach durchdachter Sachkenntnis – stets nur die Wiederwahl im Blick. Jetzt fordern die Handwerkskammern die gute alte Ausbilder-Eignungsprüfung wieder zurück (siehe Bericht S. 9): Von wegen der Qualität der Ausbildung, die überraschenderweise gelitten hat; und von wegen der notwendigen Facharbeiter in Deutschland – an denen es bekanntlich mangelt.

Unterdessen rackerte man sich im Berufbildungsausschuss des Bäckerhandwerks ab, die Ausbildung noch zu verbessern; die Ausbildung der Ausbilder ist stets Baustein der Meisterprüfung geblieben.

Zwischenzeitlich ist die Globalisierung auch in unseren Handwerksbackstuben angekommen: Nicht nur Handys kann man jenseits deutscher Grenzen billiger produzieren, auch Brötchenteiglinge. Und auch dafür ließen sich sicherlich EU-Subventionen kassieren, von wegen strukturschwacher Regionen und der lieben Arbeitsplätze wegen. Das tut weh. Der Unsinn, der an Rahmenbedingungen ausgeheckt wird, spottet jeder Beschreibung. Und gerade deshalb sollten wir das kostbarste Gut im globalisierten Wettbewerb nicht verspielen: Humankapital nennt man das neudeutsch und bedeutet: Fachkönnen ist gefragt. Das gilt es zu fördern und dazu gehört das Können der Ausbilder.

Und: Jeder dritte der Betriebe, den die Niedriglöhne gen Ost oder Fernost lockten, ist wieder nach Deutschland zurückgekommen – wegen der Qualifikation der Mitarbeiter. Made in Germany als globales Qualitätssiegel – auch für Brötchen. Werner Kräling


Artikel vom 24.01.2008
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