ABZ-Monitor

Leichter Aufwärtstrend hält weiter an

ABZ-Monitor: Steigende Umsätze, gute Investitionsbereitschaft, steigende Kosten


Stuttgart (wo). Nach Jahren der Umsatzrückgänge und der Stagnation geht es mit dem Bäckerhandwerk wieder aufwärts. Schon im Jahr 2005 hat sich ein leichter Aufwärtstrend angedeutet, der im vergangenen Jahr praktisch bestätigt wurde. Das zeigen auch die Ergebnisse unseres ABZ-Monitors, einer Online-Umfrage bei Betrieben aller Betriebsgrößenklassen aus allen Regionen Deutschlands.

Sowohl der Umsatz, als auch die Umsatzerwartungen sind im Vergleich mit den Vorjahreswerten gestiegen und die Investitionsplanungen für die kommende Jahreshälfte sind hoffnungsvoll. Wobei die Werte gegenüber unserer letzten Umfrage vor einem halben Jahr durchschnittlich etwas gesunken sind. Das heißt, der Umsatzanstieg ist etwas gedämpft und die beabsichtigten Investitionen sind wohl teilweise im Zusammenhang mit der iba im München schon getätigt worden.

Umsatz meist gestiegen

Bei immerhin 57,4 Prozent der Betriebe ist der Umsatz im Januar 2007 im Vergleich mit dem Vorjahresmonat gestiegen. Bei der Veränderung des Gesamtumsatzes zum Vorjahr ergaben sich folgende Ergebnisse: Bei 17,7 Prozent der Unternehmen ist der Umsatz gleich geblieben und 24,9 Prozent der Betriebe mussten sinkende Umsätze vermelden. Wobei 22 Prozent der Unternehmen von einem Umsatzwachstum von 6 bis 10 Prozent ausgehen und 24,9 Prozent ein Umsatzwachstum von 1 bis 5 Prozent hatten.

Rund 10 Prozent der Betriebe machten deutlich mehr als 10 Prozent Umsatzplus. Bei 16 Prozent der befragten Betrieben sank der Umsatz zwischen 1 und 5 Prozent. Das sieht eigentlich recht hoffnungsvoll aus.

Wobei sich mit Blick auf die Betriebsgrößen ein differenziertes Bild ergibt. Hier sind die Unternehmen mit mehr als 2 Mio. Euro Jahresumsatz und mehr als 25 Ladengeschäften die wahren Gewinner. 85 Prozent dieser Firmen konnten den Umsatz steigern. Rund 60 Prozent der Betriebe der Größenklasse von 500.000 bis 2 Mio. Euro Jahresumsatz meldeten ein Plus und nur 42 Prozent der Betriebe mit einem Jahresumsatz bis 500.000 Euro legten zu.

Hier liegt der Schluss nahe, dass die Perspektiven für diese Einzelgeschäfte nicht so gut sind. Diese Interpretation kann aber relativiert werden. Denn man sollte noch unterscheiden zwischen Umsatzzuwachs auf bestehender Fläche und Umsatzzuwachs via Expansion.

Und es liegt eben in der Natur der Sache, dass kleine Betriebe nicht so stark expandieren wie große. Im Umkehrschluss ist zu vermuten, dass ein Gutteil des Zusatzumsatzes bei den größeren Betrieben aus der Expansion resultieren. Und die ist ja bekanntlich nicht in jedem Fall garantiert zukunftssichernd. Etwas überraschend ist hier, dass die sogenannte „Mittelklasse“ etwas schlechter abschneidet, als die größeren Unternehmen.

Heißt es also künftig: Je größer, desto besser? Das lässt sich so nicht beweisen. Jede Betriebsgröße hat ihre Daseinsberechtigung und Überlebenschance.

Die Einflussfaktoren für die optimale Betriebsgröße sind mannigfaltig: Standort, Konzept, Unternehmerpersönlichkeit, Eigenkapitalsituation und aktuelle Verbrauchertrends, um nur die wichtigsten zu nennen. Außerdem ist zu bedenken, dass der Umsatz nicht gleich Gewinn ist. Noch entscheidet der Ertrag über die Existenz eines Unternehmens.

Erwarteter Umsatzzuwachs

Auch vor diesem Hintergrund ist es als durchaus positiv zu bewerten, dass die Umsatzerwartungen der befragten Unternehmen unterm Strich zuversichtlich sind. 45 Prozent rechnen mit Umsatzsteigerung, 45,9 Prozent mit Umsatzstagnation und nur 9,1 Prozent mit einem Umsatzminus.

Hier fallen vor allem die Betriebe mit 16 bis 25 Geschäften auf, von denen satte 92,3 Prozent mit einem Umsatzplus rechnen.

Aber auch die Unternehmen mit mehr als 25 Geschäften setzen auf Zuwachs. 66,7 Prozent rechnen mit steigendem Umsatz. Man sieht, ab einer bestimmten Größe ist man zum Wachstum verpflichtet.

Investitionsbereitschaft

So ist auch zu erklären, dass gerade die „Großen“ im Bereich Ladeneinrichtungen und in Ladenbacköfen investieren. Man kann sagen, die meisten sind da am Drücker. Wobei das auch für die kleinen Betriebe die Topthemen sind. Da hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass im Laden der Umsatz gemacht wird.

Aber auch der Fuhrpark, die Teigherstellung/Teigaufarbeitung und die Logistik sind offenbar dankbare Investitionsthemen. Rund 20 Prozent der Unternehmen wollen hier in den nächsten sechs Monaten investieren. Vor allem die Kältetechnik gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Hier wollen immerhin 26 Prozent der Unternehmen Geld in die Hand nehmen.

Das hat sich schon auf der iba 2006 angedeutet. Das wird sich auf der Internorga in Hamburg und auf der südback in Stuttgart bestätigen. Die einschlägige Investitionsgüterindustrie ist hier jedenfalls bestens mit neuen Systemen und Konzepten gerüstet. Wichtige Themenkomplexe dabei: Produktivität und Energieeffizienz.

Steigender Energiekostenanteil

Wobei wir bei den leidigen Kosten wären. Hier ergab sich laut unserer Befragung ein durchschnittlicher Personalkostenanteil von 35,9 Prozent und ein durchschnittlicher Energiekostenanteil von 14 Prozent. Gerade die Energiekosten nehmen immer mehr Raum ein. Sie haben sich innerhalb von einem Jahr um rund 10 Prozent erhöht. Tendenz: Weiter steigend, wie fast 100 Prozent der befragten Betriebe vorhersagen. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang: Je größer das Unternehmen, desto relativ unwichtiger die Energie- und Materialkosten. Das wiederum kann als Wettbewerbsvorteil für die größeren Betriebe ausgelegt werden. Beim Personalkostenanteil gibt es keine Schwankungen im Vergleich der drei Betriebsgrößenklassen. Aber egal, wie hoch die jeweiligen Kostenanteile sind, die Kosten werden steigen.

Auch beim Personal. Denn der prognostizierte Schüler- und Lehrlingsmangel (siehe auch ABZ 7, Seite 1) wird für mehr Wettbewerb um gute Fachkräfte sorgen. Außerdem ist in der Konkurrenz mit den vielen Seiteneinsteigern künftig gutes Fachpersonal mehr denn je gefragt. Und wie wir alle wissen, lassen sich kompetente Leute nicht mit Hungerlöhnen abspeisen. Will heißen, es wird immer schwieriger, die Kosten zu halten oder gar zu drücken. So gesehen müssten sicher die Preise etwas stärker ins Visier genommen werden. Und da gilt dann eindeutig: Nur wenn die Qualität von der Produktion bis zum Verkauf inklusive Beratung und Service durchgängig stimmt, lassen sich auch anständig kalkulierte Preise durchsetzen. Egal, welches Qualitätsniveau geboten wird: Die Ware muss Preis-Wert sein.

Das Leistungsangebot

Da praktisch alle Bäckereien Brot, Brötchen und Feinbackwaren anbieten, stehen sie quasi unter ständiger Beobachtung der preissensiblen Kunden, die den direkten Vergleich mit den „Marktbegleitern“ ziehen können. Will man in diesem Leistungswettbewerb bestehen, muss eben unvergleichlich gute oder unverwechselbare Produkte bieten. Oder aber man veredelt die Ware. Der zunehmende Snackanteil im Leistungsangebot der Bäckereien zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Zumal damit auch der ungebrochene Verbrauchertrend zu schnellen Happen zwischendurch bedient wird. Große Betriebe machen locker 10 Prozent Umsatz mit den Snacks (stark standortabhängig). Aber auch kleine Bäckereien mit einem Jahresumsatz von unter 500.000 Euro machen durchschnittlich 7 Prozent ihres Umsatzes im Snackbereich. Nicht immer erfolgreich, wie angemerkt werden muss, weil zu wenig standardisiert und zu großzügig kalkuliert wird. Im Gegensatz zu den Handelswaren bieten Snacks aber laut unserer Befragung Perspektiven. In über 60 Prozent der Fälle geht man von einem wachsenden Anteil aus.

Bedeutung von „Bio“

Auch das Thema „Bio“ bietet Perspektiven. Schließlich erleben wir momentan einen richtigen Bio-Boom. Aber nur für 50 Prozent der befragten Unternehmen ist Bio überhaupt ein Thema. Bei 17,7 Prozent der Bäckereien bietet „Bio“ ein gutes Ertragspotenzial und für 35,9 Prozent dient es ausschließlich als Ergänzungssortiment. Da liegt noch viel Potenzial brach.


Artikel vom 22.02.2007
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