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Leergefegte Getreidelager

Mühlenverband rechnet mit weiteren Preiserhöhungen


Bonn (p). Die Preise für Brotgetreide sind in den letzten Monaten dramatisch gestiegen. Wie dazu der Verband Deutscher Mühlen (VDM) gegenüber der Presse erklärte, haben sich die Einkaufspreise für die Mühlen seit Sommer 2006 mehr als verdoppelt: Weizen wurde um durchschnittlich 125 Prozent, Roggen um 117 Prozent teurer. Eine derartige Getreidepreiserhöhung sei im EU-Binnenmarkt in den letzten 40 Jahren einmalig.

Diese Preissteigerungen hätten vielfältige Ursachen. Die steigende Nachfrage durch die jährlich um 80 Millionen wachsende Weltbevölkerung, veränderte Ernährungsgewohnheiten und zunehmender Fleischverzehr in Ländern mit steigendem Wohlstand (z. B. Russland, China, Indien) und der damit verbundene erhöhte Getreidebedarf für Futtermittel sind einige der Punkte. Auch die zusätzliche Nachfrage nach Getreide als Rohstoff für die Erzeugung von Bioenergie, die Verringerung der Getreideackerflächen durch das Umschwenken der Landwirtschaft auf Raps, ein gesunkenes Angebot am Weltmarkt durch schlechte Ernten in wichtigen Anbauregionen (wie z. B. Australien und Kanada) und nicht zuletzt durch die Spekulation der Anbieter auf noch höhere Preise treiben die Preise in die Höhe.

Als Folge sind die Getreidevorräte weltweit auf dem seit langem niedrigsten Niveau und die Interventionsläger in der EU leer. Die Welthandelspreise für Getreide sind daraufhin auf ungekannte, neue Rekordhöhen gestiegen, so z. B. die Notierungen an der wichtigsten Weizenbörse in Chicago.

Leider blieb auch die diesjährige Weizenernte in Deutschland mit 21 Mio. Tonnen um 6,4 Prozent unter der Menge des Vorjahres. Es war laut VDM das schlechteste Ernteergebnis seit dem „Dürrejahr 2003“. Bei Roggen lag die Ernte zwar leicht über der Vorjahresmenge, aber trotz stark ausgeweiteter Anbauflächen immer noch um 19,1 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt.

Für Deutschland stellt der Verband Deutscher Mühlen (VDM) eine geringe Abgabebereitschaft der Landwirtschaft und des Getreidehandels fest, so dass die Versorgung für spätere Termine nicht gesichert sei. Die Mühlen könnten derzeit die von ihren Kunden vielfach geforderten, länger laufenden Mehlkontrakte somit kaum mit entsprechenden Getreidelieferkontrakten absichern.

Die mehr als verdoppelten Rohstoffkosten schlagen sich in der Kalkulation der Getreidemühlen vehement nieder, bestimmen sie doch zu zirka 75 Prozent den Mehlpreis. Nach einer Umfrage des Mühlenverbandes VDM mussten die meisten Mühlen daher in den letzten Wochen ihre Mehlpreise bereits um 140 bis 160 Euro/t erhöhen. Die seit Anfang September weiter gestiegenen Getreidepreise und die Unsicherheit über die Preisentwicklung in den kommenden Monaten bis zur neuen Ernte wurden dabei noch nicht berücksichtigt.

„Unsere Mitgliedsbetriebe können angesichts der gegenwärtigen Situation an den Getreidemärkten keine langfristig stabilen Mehlpreise garantieren“ sagte VDM-Hauptgeschäftsführer Manfred Weizbauer in Bonn. „Weitere Preiserhöhungen für Müllereierzeugnisse können deshalb in Anbetracht der aktuellen Steigerungsraten bei den Rohstoffkosten für Brotgetreide nicht ausgeschlossen werden.“


Artikel vom 27.09.2007
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