offener Brief an die Verbraucherminister Seehofer und Schnappauf
Lebensmittel wachsen nicht im Regal
Sehr geehrte Minister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz,
mit großer Sorge beobachte ich die Entwicklung im überlebenswichtigen Lebensmittelbereich und die Untätigkeit seitens der Politik. Obwohl dringender Handlungsbedarf besteht.
Denn die Macht der Agrarkonzerne wächst. Während Kleinbauern Rechte und Selbstbestimmung verlieren, nimmt die Macht der Agrarkonzerne immer weiter zu. Wenige internationale Konzerne bestimmen den Markt im Hinblick auf den Saatgutsektor
sowie in den Bereichen Dünge-
und Pflanzenschutzmittel und landwirtschaftliche Betriebsmittel. Ihre Stellung wird gefestigt durch die
Möglichkeit, geistige Eigentumsrechte an Produktionsverfahren und Züchtungen zu erwerben und einzufordern.
Viele Lebensmittelkonzerne haben eine beherrschende Stellung im Bereich der Weiterverarbeitung und Vermarktung von Nahrungsmitteln. Supermarktketten kontrollieren in zunehmender Weise nicht nur den Einzelhandel, sondern haben weltweit auch großen Einfluss auf die Produzentenpreise. Bei den Vertriebsstrategien dieser Konzerne spielen Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Verteilungsgerechtigkeit in der Regel eine untergeordnete Rolle.
Obwohl der Bedarf an Agrarprodukten als Tierfutter und für die Lebensmittelproduktion steigt, sollen die knappen Anbauflächen nun auch noch Energierohstoffe liefern. Sprit statt Brot und Fleisch? Eine absurde Vorstellung!
Wie Sie wissen, war die Weltgetreideernte in den letzten sieben Jahren nur einmal höher als die Nachfrage. Die Lagerbestände haben sich daher halbiert und reichen nur noch für wenige Monate – ein über Jahrzehnte unbekannt niedriges Niveau. Nach den vorliegenden Prognosen wird sich diese Entwicklung noch verstärken. Andererseits verlieren immer mehr Menschen durch die industrielle Produktion in allen Stationen der Wertschöpfungskette ihr Auskommen. Wie passt das zusammen?
Ich fordere Sie als vom Volk gewählte Vertreter auf, als Anwälte der Verbraucherinnen und Verbraucher zu handeln und Ihre Ministerien entsprechend zu instruieren. Vermitteln Sie, dass Lebensmittel nicht im Regal wachsen, sondern Werte sind, die von Menschen erarbeitet werden und deren Qualität langfristig nur durch nachhaltige Bewirtschaftung gesichert werden kann. Und dass Qualität ihren Preis hat – einen gerechten Preis für die, die die Produkte erwirtschaften, und für die, die sie erwerben. Nur so kann der bewusste und intelligente Umgang mit Ressourcen nachhaltig gefördert werden.
Wir leben in einer globalen Gesellschaft, in der die Bereitstellung von (gesunder) Nahrung sichergestellt werden muss. Das erfordert nicht nur ein hypothetisches Umdenken, sondern eine echte Konsumwende. Jeder kann zu diesem Wandel beitragen. Auch ein Verbraucherminister.
Fangen wir doch gemeinsam an!
Mit freundlichen Grüßen aus Nürnberg
Dieter Drexler, Bäckermeister
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