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Langeooger Bäcker wirbt für Integration
Adriano Nhantumbo ist jetzt ein plakatives Aushängeschild der Bundesregierung

Bäckergeselle Adriano Nhantumbo ist einer von drei Protagonisten einer bundesweiten Kampagne, die für interkulturelle Vielfalt in Unternehmen werben soll. Foto: Serviceplan
Den Startschuss zur Aktion gab Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer zusammen mit Staatssekretär Heinrich Tiemann aus dem Ministerium für Arbeit und Soziales. Gleichzeitig luden beide zum ersten Wettbewerb der Kampagne ein, der kulturelle Vielfalt in der Ausbildung thematisiert.
Die Bundesregierung will mit der Kampagne für das ökonomische und gesellschaftliche Potenzial von Menschen mit Zuwanderungshintergrund in Deutschland werben. Bislang werde das ökonomische Potenzial von Menschen mit Zuwanderungshintergrund in Deutschland zu wenig genutzt. Die OECD-Studie „Jobs for Immigrants – Labour Market Integration in Australia, Denmark, Germany and Sweden“ hat kürzlich nachgewiesen, dass Akademiker mit Zuwanderungshintergrund in Deutschland schwerer einen Arbeitsplatz finden als deutschstämmige Akademiker.
Gerade mit Blick auf die fortschreitende Globalisierung und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel ist die deutsche Wirtschaft auf die Ressourcen angewiesen, die in Zuwanderern stecken. „Menschen mit Zuwanderungshintergrund sprechen meist mehrere Sprachen und kennen sich in unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten aus. Sie bringen eine Reihe von Fähigkeiten mit, die im Zuge der Globalisierung immer wichtiger werden und von denen die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft nur profitieren kann“, erklärt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.
Der lange Weg zur Integration
Die Bundesregierung hat Adriano Nhantumbo jetzt als Beispiel gelungener Integration ausgewählt. Eine Werbeagentur auf Langeoog machte dazu auch bei seinem Arbeitgeber, der Inselbäckerei Aufnahmen für die Kampagne.
Dass ausgerechnet Adriano jetzt einer der herausragenden Protagonisten der Regierungskampagne unter dem Motto „Vielfalt als Chance“ ausgewählt wurde, entbehrt der Auricher Handwerksammer zufolge freilich nicht einer gewissen Ironie. Die Tatsache belege aber zugleich, dass deutsche Behörden lernfähig sind. Der in Mosambik geborene Bäckergeselle war 1989 aus dem „sozialistischen Bruderland“ in die damalige DDR gekommen, um dort eine Maurerlehre zu beginnen. Dann kam die Wende, der Betrieb ging Konkurs. Adriano stand auf der Straße. Schließlich verschlug es ihn auf die ostfriesische Insel wo er sich zunächst mit Aushilfsjobs über Wasser hielt.
Bäckermeister Hans-Helmut Wilken bot Adriano dann einen Lehrvertrag an. Doch nach der Gesellenprüfung wollte die Ausländerbehörde ihn im Sommer 2001 in seine afrikanische Heimat abschieben – so war die Rechtslage. Erst als Wilken die Angelegenheit publik machte und es bundesweit öffentlich Proteste hagelte, erhielt Nhantumbo auf Weisung des damaligen Regierungspräsidenten Bernd Theilen eine Aufenthaltserlaubnis, die inzwischen unbefristet gilt.
Adriano Nhantumbo ist einer von drei Fürsprechern, die für die Kampagne in den Medien werben werden. Außer ihm wurden noch Dr. Halima Alayian, eine aus Palästina stammende Orthopädin, die im Saarland lebt und die türkischstämmige Kommissarin Dilek Bölükgiray aus Berlin-Wedding ausgewählt. „Adriano Nhantumbo gehört zu Langeoog wie der Wasserturm“, schreibt die Inselzeitung.
In der Tat hat sich der Bäckergeselle nicht zuletzt durch sein gesellschaftliches Engagement in die Inselgemeinschaft eingebracht. Er spielt Fußball in der I. Herrenmannschaft des TSV Langeoog und trainiert den Kickernachwuchs auf der Insel.
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