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Krise lässt nur leise grüßen

Weihnachtsgeschäft befriedigend gelaufen / Gedämpfte Umsatzerwartungen


Stuttgart (wo). Die konjunkturelle Lage des Bäckerhandwerks kann nach wie vor als recht stabil bezeichnet werden. Im Jahresdurchschnitt wurde sogar ein leichtes Umsatzplus erzielt. Da passt zum Bild, dass auch das Weihnachtsgeschäft zum Abschluss des Jahres 2009 für die meisten Bäcker befriedigend bis gut gelaufen ist. Fast 50 Prozent der Unternehmen konnten zu Weihnachten den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern, 35,5 Prozent meldeten gleichbleibenden und rund 15,9 Prozent gesunkenen Umsatz. So eines der Ergebnisse unseres aktuellen ABZ-Monitors, einer vom Marktforschungsinstitut CHD-Expert deutschlandweit durchgeführten Online-Umfrage bei Betrieben aller Größenklassen. Bedenkt man, dass das Saisongeschäft in der Branche zunehmend abflacht, gibt das durchaus Anlass zu verhaltenem Optimismus. Genauso wie die Tatsache, dass immerhin 56, 8 Prozent der Unternehmer für das 4. Quartal 2009 im Vorjahresvergleich von gestiegenen Umsätze redeten.

Leicht rückläufige Tendenz

Wobei die Zahlen im Vergleich mit unserer Umfrage im 3. Quartal 2009 leicht rückläufige Tendenz vermuten lassen. So ergab unser Oktober-Monitor (ebenfalls Vorjahresvergleich), dass 61,1 Prozent der Unternehmen Umsatzplus hatten. Sowohl die Werte beim Umsatzminus und als auch bei der Umsatzstagnation haben sich folglich etwas erhöht. Bezüglich des Umsatzplus erreichen Unternehmen mit 7 bis 15 Geschäften die höchste Quote: 68,8 Prozente der Betriebe haben zugelegt. Gefolgt von den Unternehmen mit über 25 Geschäften (60 Prozent ) und Unternehmen mit 2 bis 6 Geschäften (57,4 Prozent).

Am schlechtesten schneiden dabei die sogenannten Einzelbetriebe ab (43%) – naturgemäß möchte man sagen. Denn deren Entwicklungspotenzial, ist im Vergleich mit größeren Betrieben etwas eingeschränkt. Dafür können sie beim Umsatzminus mit dem niedrigsten Wert aufwarten (14 Prozent). Bei den Unternehmen mit 7 bis 25 Geschäften sind das immerhin 25 Prozent, die im Vorjahresvergleich umsatzmäßig Rückschritte gemacht haben. Da wird vielleicht vermehrt zugunsten des Ertrags auf Umsatz verzichtet: Standortaufgabe, Rückzug aus der Vorkasse oder Verzicht auf unwirtschaftliches Liefergeschäft.

Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass in Sachen Expansion wieder wirtschaftliche Vernunft bemüht wird, denn immer öfter wird auf Umsatzsteigerung auf bestehender Fläche oder am bestehenden Standort gesetzt. Das Zauberwort heißt in dem Zusammenhang Ertragsoptimierung.

Gedämpfte Umsatzerwartung

Folglich ist es auch nicht als dramatisch einzustufen, dass die Umsatzerwartungen für das laufende Jahr nicht gerade euphorisch sind. Denn nur 35 Prozent rechnen mit einer Umsatzsteigerung und 54 Prozent der Unternehmen mit einer Umsatzstagnation. Positiv ausgedrückt: Nur 10 Prozent der befragten Betriebe gehen dieses Jahr davon aus, weniger Umsatz zu machen. Am optimistischen sind die Unternehmen mit 7 bis 15 Geschäften. Hier planen 56,3 Prozent eine Umsatzsteigerung ein. Gefolgt von den Betrieben mit über 25 Filialen, die zu 50 Prozent mit Umsatzplus und zu 50 Prozent mit Umsatzstagnation rechnen.

Insgesamt macht sich eine skeptische Haltung bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, der Kaufkraft der Kunden und der Auswirkungen von Backstationen bei Aldi und Co. bemerkbar. Denn die von der Krise bedrohten und betroffenen Verbraucher werden zunehmend preissensibel am Markt agieren. Wie sich das auch im Backwarengeschäft auswirkt, wird sich zeigen.

Gerangel ums Kerngeschäft

Klar ist, dass der Lebensmittelhandel mit Dumpingpreisen versuchen wird im Kerngeschäft weiter Marktanteile zu gewinnen. Der Umsatzanteil von Brot und Brötchen hat in den Bäckereien schon in der Vergangenheit leicht aber stetig abgenommen. Bei unseren Umfragen ergeben sich Werte unter 30 Prozent, außer in den Betrieben mit über 2 Mio. Euro Jahresumsatz. Hier erreichen die Brötchen einen Umsatzanteil von immerhin noch 32,4 Prozent (siehe Grafik). Viele Betriebe schaffen es auch, gerade das Kerngeschäft zumindest so zu stärken, dass der Umsatz konstant gehalten oder leicht gesteigert werden kann. Marketingaktionen, Spezialangebote, das Kultivieren von Premiumprodukten, das sind absolut sinnvolle Investitionen, wenn es darum geht, buchstäblich unvergleichliche Produkte anzubieten – auch finanziell. Denn gerade im Kernsortiment sind die Margen hoch und vor allem hochwertige Produkte aus dem Kernsortiment eignen sich als Attraktionen, als Marken der Bäckerei.

Snack und Kaffee mit Potenzial

Möglichkeiten, den Umsatz am Standort und auf bestehender Fläche zu forcieren, bieten nach wie vor das Snack- und das Kaffeegeschäft. Nicht umsonst nimmt gerade in diesen Bereichen der Umsatzanteil in den Bäckereien konstant zu. Vor allem größere Unternehmen nutzen das Geschäftspotenzial dieser Segmente und erwarten auch noch deutliche Steigerungsmöglichkeiten.

Nicht umsonst fangen jetzt auch die Backwarendiscounter an, ihre Filialen als Coffee-Shops mit Snackangebot auszustatten. Schon weil sie sich dagegen wappnen wollen, dass auch Lebensmitteldiscounter verstärkt mit frisch geföhnten Backwaren am Markt aktiv sind. Das aber heißt, dass auch das Snack- und Kaffeegeschäft künftig nicht einfacher wird. Entscheidend wird sein, dass man es besser macht als die geschäftstüchtigen Marktbegleiter – adäquat dem Kerngeschäft, wo Qualität und Service die Schlüssel zum Erfolg sind.

Voraussetzung dafür ist aber, dass auch sinnvoll investiert wird. Und auch diesbezüglich ist das Bäckerhandwerk weiter am Ball. Immerhin 77,8 Prozent der befragten Unternehmer planen Investitionen. Die Ladeneinrichtung ist dabei weiter an erster Stelle, wenn auch der Wert auf 51,2 Prozent gesunken ist. Steigende Tendenz weisen die Bereiche Kaffeekonzept und Ladenbacköfen aus. Das zeigt, dass das Bäckerhandwerk aktiv Wege sucht, seine eigenen Konjunktur zu machen.

Mehr Mehrwert bieten

Auch das Weihnachtsgeschäft mag dafür ein Indiz sein. Denn häufig sind es gerade die gezielten Offensiven in Sachen Stollen und Co., die das Geschäft zum Jahresende beleben. Im Standardbereich ist eine eher stagnierende Entwicklung festzustellen.

Insgesamt gilt es, sich dieses Jahr auf eine verschärfte Konkurrenzsituation und preissensiblere Kunden einzustellen. Das heißt aber, wer Mehrwert bietet, hat die Möglichkeit, seine Firmenkonjunktur positiv zu beeinflussen – leidlich unabhängig vom Konsumklima. Schließlich gibt es zahlreiche Verbraucher, bei denen es immer heißt: Die Krise lässt nur leise grüßen.


Artikel vom 27.01.2010
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