Branche_Politik
Kleine Unternehmen sind systemrelevant
Verbandstag Westfalen-Lippe verabschiedet Resolution zum Ladenöffnungsgesetz / 100 Prozent HACCP in Handwerksbetrieben nicht sinnvoll

Tatkräftiger Vorstand für Westfalens Bäcker: Friedrich-Wilhelm Blömker (Steinfurt), Theo Westarp (Warendorf), Günter Becker (Unna), Geschäftsführer Dr. Friedrich Wirsam, Ferdinand Zimner (Herford), LIM Heribert Kamm (Hagen), Klaus Feldhaus (Höxter-Wa
LIM Kamm konnte auf der Mitgliederversammlung in Hamm 41 Delegierte aus 22 der insgesamt 25 Innungen des Verbandes begrüßen, die er mit dem „Ernst der Lage“ konfrontierte, aber ebenso realistischen Optimismus mit auf den Weg in die Innungen geben konnte. In der angespannten Wettbewerbssituation am Backwarenmarkt gilt es den Markt genau zu beobachten, etwa dass Backwarendiscounter heute nicht mehr nur in Hochfrequenzlagen Standorte eröffnen, sondern in Ihrer Expansion bis in die Randlagen vordringen. Das Handwerk muss sein Potenzial dagegensetzen. Beispielsweise mit der Marke Westfalen Bäcker, die neben dem Westfalen-Stollen nur mit Zutaten aus der Region, in Kürze noch mit einem Westfalen-Brot im Marktauftritt Verstärkung erhält, um bei den Kunden nachhaltig bekannt zu werden. Der Aufbau einer Marke gestaltet sich allerdings nicht einfach und nur wenn genug Betriebe mitmachen, kann das Konzept am Markt erfolgreich bestehen, gab Dr. Wirsam den Delegierten zu bedenken. Wie sich die Vorzüge, Traditionen und Leistungen des Bäckerhandwerks beim Endverbraucher lebendig in Szene setzen lassen, demonstrierte die gastgebende Innung, bei einem Besuch der Delegierten ihrer Ausstellung in einem Hammer Einkaufszentrum.
Handwerk hautnah
Was die kleine Innung Hamm um Obermeister Meinolf Erdmann auf die Beine stellte, ist aller Ehren wert: Mit einer beeindruckenden Vielzahl an Exponaten wurde die technische Entwicklung in den Handwerksbackstuben nachgestellt, am Infostand den innehaltenden Passanten kompetente Beratung geboten und mit Events, etwa der Gestaltung und Prämierung eines Partykorbs, live für die notwendige Action gesorgt. So schaffte es die Innung gleichzeitig auch, das Bäckerhandwerk mit seinen Berufen des Bäckers und der Verkäuferin attraktiv in Szene zu setzen.
In seiner Leistungsdokumentation konnte GF Dr. Friedrich Wirsam der Geschäftsstelle gleich mit einer Vielzahl erfreulicher Bilanzen aufwarten, etwa der zahlreichen Beratungsleistungen, die Matthias Bantel und Werner Reins in 2008 absolvierten. Die Zusammenarbeit zwischen Bochum und Olpe trägt zunehmend Früchte, das „westfälische Kompetenzzentrum“ für Bäcker bietet ein beeindruckendes Seminarprogramm, das das Team gemeinsam und mit externen Spezialisten anbietet. Die Erste Bäckerfachschule macht in ihrem Selbstverständnis als dienstleistungsorientiertes Unternehmen ihrem Namen alle Ehre: Als Erste nehmen die Olper das spannende Segment „Kaffee“ in ihrem Seminarprogramm auf und das nicht aus der hohlen Hand, sondern vorbereitet von einer in Auftrag gegebenen Studie, die den Kaffeemarkt bis zu den Vorlieben der Verbraucher beleuchtet: beste Voraussetzungen, um mit der „Bäcker-Barista-Schulung“ ein fundiertes Programm auf die Beine zu stellen.
80 Prozent aller Gesetze, die wie das HACCP-Konzept auch das Bäckerhandwerk betreffen, kommen aus Brüssel und Dr. Peter Liese, CDU-Europaparlamentarier, machte in seinem Vortrag deutlich, dass eine intensive Zusammenarbeit von Verband und Parlamentariern effizient und zielführend sein kann. Liese kennt das Bäckerhandwerk von Hause aus und setzt sich erfolgreich für die Belange des Handwerks ein: Die 1:1 Umsetzung des HACCP-Konzeptes mit seinen Auflagen zur umfangreichen Dokumentation in Handwerksbäckereien ist mittlerweile vom Tisch, allerdings wird sie von einigen Überwachungsbehörden noch gefordert, wie Dr. Sabine Görgen in ihrem Vortrag deutlich machte. Sie vertritt Bäckereien wenn nötig auch vor Gericht, wenn es sich um Probleme bezüglich des Lebensmittelrechts handelt. Der Verband bietet eine Lebensmittel-Rechtsschutzversicherung an, der die Betriebe für 30,00 Euro im Jahr beitreten können.
Gerechte Öffnungszeiten
„Pfingsten zu - dank CDU“, lautet ein provokanter Slogan, der unmissverständlich klar macht, dass Westfalens Bäcker mit ihrer Landesregierung hinsichtlich der Öffnungszeiten an kirchlichen Feiertagen auf Kriegsfuß stehen und bei Christa Thoben auf taube Ohren stoßen. Es kann schließlich nicht angehen, dass Tankstellen und Co das Geschäft an Pfingsten überlassen bleibt, so Kamm, weshalb eine entsprechende Resolution der Versammlung die Landesregierung zur Korrektur auffordern. Die Wettbewerbsverzerrung belastet die Betriebe enorm und Ehren-Landesinnungsmeister Wolfgang Miehle machte zu Recht auf ein noch tiefgreifenderes Problem aufmerksam, das durch diese Schieflage provoziert wird: „Die Verbraucher gewöhnen sich daran, Brötchen bei solchen Anbietern zu bekommen“, gab Miehle zu bedenken. Die erfolgreich verabschiedete Resolution wird auch auf dem Verbandstag der Rheinländer auf der Tagesordnung stehen, so dass sich der Druck auf die Landesregierung erhöht.
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