Branche&Politik

Karl-Heinz Wohlgemuth neuer Landesinnungsmeister

Verbandstag des BIV Niedersachsen/Bremen: Klaus Borchers ehrenvoll verabschiedert / Willi Wolke und Holger Dahl stellv. LIMs


Gifhorn (wo). Auch nach der Ära Borchers wird es im Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen weiter gehen. Auf dem Verbandstag in Gifhorn ist Karl-Heinz Wohlgemuth von den Delegierten einstimmig zum neuen Landesinnungsmeister gewählt worden. Klaus Borchers ist aus gesundheitlichen Gründen als Obermeister der Bäckerinnung Hannover und als Landesinnungsmeister zurückgetreten. Ein für alle Seiten bedauerlicher Schritt, wie auf der Tagung vielfach betont wurde, auch wenn es im Zusammenhang mit dem geschassten Geschäftsführer Westphal zu einigen Anfeindungen gekommen ist. Abgesehen davon versprach Wohlgemuth den Kollegen, die Arbeit im Sinne seines Vorgänger fortzuführen und vor allem abtrünnige Innungen davon zu überzeugen, dass es lohnt, sich im Verband für die gemeinsame Sache des Bäckerhandwerks stark zu machen (siehe Interview auf S. 2).

Ausbildung aufwerten

Ein einzelner Betrieb könne die Herausforderungen eh nicht mehr allein meistern, betonte Rolf Schneider, Vizepräsident der Handwerkskammer Lündeburg-Stade in seinem Grußwort, der auch die nach wie vor große Ausbildungsleistung des Bäckerhandwerks hervor hob.

Ein Thema, das Willi Wolke, Vorsitzender des Ausschusses für berufliche Bildung gerne aufgriff. Die Prüfung nach der neuen Prüfungsordnung sei etwas zeit- und kostenaufwändiger und in einigen Punkten sei sie zu leicht geworden. „Wir müssen sehen, wie wir das Niveau wieder heben können", so Wolke, der sich freut, dass der Leistungswettbewerb zur Meisterschaft im Bäckerhandwerk umbenannt wurde. „Für die Teilnehmer ist das eine Aufwertung, schon weil die Anforderungen gestiegen sind." Leider seien bei der Landesmeisterschaft in Niedersachsen/Bremen beim letzten Mal von 13 gemeldeten Bäckern nur 4 erschienen und auch bei den Fachverkäuferinnen sei nur die Hälfte angetreten. Hier müsse alles getan werden, die entsprechenden Kandidaten zu unterstützen und zur Teilnahme zu ermutigen. Schließlich gehe es bei dieser Nachwuchselite auch um das Image des Bäckerhandwerks.

Werbung nach innen und außen

Ein wichtiger Aspekt, wie Axel Schröer, Vorsitzender des Ausschusses für Marketing in seinen Ausführungen betonte. Vor allem gehe es auch darum, die Mitglieder für die neue Image- und Nachwuchskampagne des Zentralverbands zu gewinnen, Werbung nach innen, als auch nach außen zu machen. Denn gerade die beiden Filme zu Ausbildung und Aufstiegsmöglichkeiten im Bäckerhandwerk seien wichtige Medien, um die Öffentlichkeit von den positiven Aspekten des Bäckerhandwerks zu überzeugen. In diesem Sinne regte er die Kollegen an, auch lokale oder regionale Anlässe, werblich zu nutzen und für positives Aufsehen in der Öffentlichkeit zu sorgen.

Gute Arbeit gut honorieren

Auch die Entlohnung trägt zum Image einer Branche bei. Umso bedauerlicher sei, dass man keinen gültigen Tarifvertrag habe, so Hans-Henning Maas, Vorsitzender des Ausschusses für Tarif- und Sozialpolitik. „Im vergangenen Jahr hatten wir keinen Kontakt mit der NGG", verdeutlichte er das leicht frostige Verhältnis zur Gewerkschaft. Aber der Status quo habe sich durchaus als praktikabel erwiesen. Er betonte: „Betriebe sollten ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern auch ohne tarifliche Vorgaben wahrnehmen." Maas wurde nach 30 Jahren ehrenamtlichem Engagement beim LIV und nach 12 Jahren Einsatz in der Tarifkommission ehrenvoll verabschiedet. Er habe in dieser Zeit viele Hochs und Tiefs erlebt. Aber unterm Strich habe sich das Engagement gelohnt, betonte Maas und gab den Kollegen mit auf den weiteren Weg: „Gute Arbeit muss auch gut honoriert werden."

Interessenvertretung ist wichtig

Im Anschluss bot der scheidende Landesinnungsmeister Klaus Borchers einen kleinen Rückblick auf seine 12-jährige Amtszeit – verbunden mit kritischen Anmerkungen zur Entwicklung der Berufsorganisation. Im Grunde hätten sich die Themenstellungen kaum geändert. Bedauerlich, dass sich in dieser Zeit die Zahl der Betriebe um die Hälfte auf 920 reduziert habe. Außerdem sei ein höchst bedauerlicher Rückgang der Solidarität innerhalb des Bäckerhandwerks festzustellen. „Es wird immer schwerer, junge Kollegen für das Ehrenamt zu begeistern“, betonte Borchers. Hier müsse man sich auch Gedanken darüber machen, ob die Strukturen noch stimmen.

„Ich habe große Sorge um den Erhalt unserer handwerklichen Organisation.“ Nur gemeinsam könne man die nach wie vor anstehenden Aufgaben im Sinne des Handwerks lösen. Schon deshalb sollte das Ehrenamt wieder gestärkt und weiterhin für eine effiziente Interessenvertretung gesorgt werden. Denn die Politik entferne sich zunehmend von der Wirtschaft und sorge für Gesetze und Regelungen, die meist realitätsfremd sind. „Hier ist Einflussnahme mehr denn je gefordert“, appellierte Borchers an die Kollegen, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Handwerksorganisation nicht ausblute. Denn die Vergangenheit habe verschiedentlich gezeigt, dass man als Verband durchaus Möglichkeiten habe, korrigierend und beratend Einfluss zu nehmen.

Positive Entwicklung

Erfreulich sei die aktuelle Entwicklung im Bäckerhandwerk. Das haben die Beiträge der einzelnen Ausschüsse im Vorfeld der Delegiertentagung gezeigt (siehe Bericht auf Seite 32). Ein durchschnittliches Umsatzplus von 6 Prozent und etwa 2 Prozent Gewinnsteigerung können sich sehen lassen. Auch an den Investitionen können man erkennen, dass die Betriebe wieder mehr Mut zur Gestaltung der Zukunft hätten, so Klaus Borchers, der es sehr bedauert, nach 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen den geordneten Rückzug antreten zu müssen.

„Nur mit Geschlossenheit können wir die anstehenden Aufgaben meistern“, bestätigte ZV-Präsident Peter Becker die Aussagen von Borchers bei dessen Verabschiedung und mahnte eine zeitgemäße Strukturreform der Berufsorganisation an. Der BIV Niedersachsen/Bremen habe im übrigen immer starke Landesinnungsmeister hervorgebracht. Unter ihnen eben auch Klaus Borchers, den er gerne als seinen Nachfolger als ZV-Präsident gesehen hätte.


Artikel vom 09.05.2008
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