Wirtschaft

Kamps an Investor verscherbelt

Barilla verkauft Filialgeschäft an ECM / Preis mutmaßlich 30 bis 40 Mio. Euro / Geschäftsführer Schalken beteiligt


Frankfurt (p). Ob Guido Barilla ein Stein vom Herzen gefallen ist, ist nicht belegt. Tatsache ist, dass seit geraumer Zeit ein Käufer für die 900 Kamps-Filialen und die fünf dazugehörigen Produktionsstätten gesucht und jetzt gefunden wurde. Der italienische Nudelkonzern Barilla verkauft seine Bäckereisparte Kamps an den Frankfurter Finanzinvestor Capital Equity Management (ECM) – für 30 bis 40 Mio. Euro, wie in den Medien verschiedentlich gemutmaßt wird. Wenn der Verkaufspreis stimmt, könnte man fast von verscherbeln reden.

Denn 2002 hat Barilla für Heiner Kamps satte 1,8 Milliarden Euro für das Unternehmen überwiesen. Pikant bei dem Deal war, dass Guido Barilla sich relativ kurz danach, darüber beklagt hat, mit Kamps „kein Unternehmen“ gekauft zu haben. Er wollte wohl frühzeitig darauf verweisen, dass er wohl zu tief in die Tasche gegriffen hat.

Lieken AG bleibt bei Barilla

Verkauft wird übrigens nur ein Teil des ursprünglichen Imperiums. Die industrielle Sparte des Brotgeschäfts bleibt bei Barilla: Die Lieken AG, die mit ihren Marken Lieken Urkorn, Golden Toast und Harry's unter anderem Großkunden wie McDonald's und Aldi beliefert.

Wie die Kamps GmbH, deren industrielle Bäckereien bei Barilla bleiben, weiter mitteilte, beteiligt sich auch das Kamps-Management um Geschäftsführer Jaap Schalken mit einem „signifikanten Anteil“ an dem Unternehmen. Die Kaufvereinbarung zwischen der Lieken AG, einer 100-prozentigen Tochter der Barilla Iniziative S.r.l., und ECM sei bereits unterzeichnet. Der Gesellschafterwechsel werde demnächst vollzogen.

Expansion im Visier

Anlässlich der Vertragsunterzeichnung kündigte Schalken die Eröffnung von rund 100 neuen Kamps-Erlebnisbäckereien in den kommenden fünf Jahren an. Strategische Optionen für einen rentablen Wachstumsprozess sieht er darüber hinaus in einer erhöhten Auslastung und Effizienzsteigerung der Bäckereien. Ferner würden ein schnelleres organisches Wachstum sowie Zukäufe und Verkäufe geprüft.

Schalken macht Preispolitik

Für die kurzfristige Entwicklung hat Jaap Schalken schon mal Signale gesetzt und sich mit preispolitischen Aussagen aus dem Fenster gelehnt – nicht unbedingt zur Freude der Landwirtschaftsverbände und des Verbands Deutscher Mühlen: Wegen des zuletzt deutlich gestiegenen Weizenpreises müssten die Deutschen künftig mehr für ihre Brötchen bezahlen, kündigte er über die Medien an. „Für den Gesamtmarkt gibt es einen erheblichen Druck, der letztlich auch beim Kunden ankommen dürfte.“ Für Kamps sei die Entwicklung „verkraftbar, da wir uns abgesichert haben“, wird der künftige Mitinhaber des Großfilialisten zitiert.

Übrigens: Wie aus dem Umfeld bekannt wurde, habe Exinhaber Heiner Kamps seine Finger beim neuerlichen Verkauf der Bäckerei Kamps nicht mit im Spiel. Einen Rückkauf hat er zwar nie ausgeschlossen. Wie es heißt, sei ihm der Preis aber bisher immer zu hoch gewesen.


Artikel vom 18.08.2010
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