Trends & Märkte
Innovationspreis für zwei Bäckereien
Bäckerei Märkisches Landbrot und Bohlsener Mühle für ihre Konzepte rund um Bio-Lebensmittel ausgezeichnet

Sechs Bio-Unternehmen wurden von der Parlamentarischen Staatssekretärin Ursula Heinen, BMELV, (vorne) mit dem Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung ausgezeichnet. Foto: Schweisfurth-Stiftung
Auf den Preis, der alle zwei Jahre von der Münchner Schweisfurth-Stiftung in Kooperation mit der Anuga ausgelobt wird, hatten sich insgesamt 51 Unternehmen aus ganz Deutschland beworben; 11 kamen in die engere Wahl. In der Kategorie Kleinbetrieb siegte die Meierei des Ökodorfes Brodowin in Brandenburg, den zweiten Platz errang das Riedenburger Brauhaus aus Bayern.
In der Kategorie Mittelstand gewann die Berliner Bäckerei Märkisches Landbrot; der zweite Platz wurde gleich zweimal vergeben: an Tofutown aus der Eifel und an die Bohlsener Mühle in der Lüneburger Heide. In der Kategorie Großunternehmen lag die Großmetzgerei Bauerngut aus Bückeburg klar vorn; ein zweiter Preis wurde nicht verliehen.
Die Meierei des Ökodorfes Brodowin, Sieger in der Kategorie Kleinbetrieb, wurde für ihr ganzheitliches Konzept geehrt: Der 11-Mann-Betrieb, der pro Tag 10.000 Liter Frischmilch zu Trinkmilch, Butter und Käse verarbeitet, liegt nur wenige Schritte vom Kuhstall entfernt. Kurze Wege seien in Hinsicht auf den Klimaschutz vorbildlich, lobte die Jury.
Das Riedenburger Brauhaus, zweitplatziert in der Kategorie Kleinbetrieb, wurde als „Dauerinnovator“ ausgezeichnet. Seit nunmehr zehn Jahren erzeugt die Kleinbrauerei aus fast vergessenen Getreidesorten wie Einkorn, Emmer und Dinkel ökologische Bierspezialitäten. Aktuelle Innovation ist ein glutenfreies Bier auf Hirsebasis, das auch Zöliakie-Patienten unbeschwert genießen können.
Starke regionale Vernetzung
Bei der Demeter Biobäckerei Märkisches Landbrot würdigte die Jury die starke regionale Vernetzung. Der Betrieb, in dessen Backstube täglich 33 Brotsorten und ebenso viele Brötchen-Variationen gebacken werden, betreibt Feldstudien mit alten und neuen Getreidesorten. Im „Brodowiner“, einem regionalen Vollkorn-Roggenbrot, werden Bergroggen, eine langstrohige Wildsorte, und die ökologische Neuzüchtung Lichtkornroggen zu einem innovativen Produkt verbacken. Das Unternehmen hat ein vorbildliches Umweltmanagementsystem etabliert, mit dem Stoff- und Energieströme kontinuierlich optimiert werden. Mit Hilfe von Solarenergie und einem Blockheizkraftwerk wurde der Energieverbrauch nahezu halbiert.
Viana und Soyatoo!, zweitplatzierter Mittelstandsbetrieb, stellt unter dem Dach von Tofutown.com innovative Soja-Produkte her, die mit Humor vermarktet werden. Beispielsweise als „Holzfäller-Hacksteaks“ oder „Wiener Weizenschnitzel“.
Ökolandbau voran gebracht
Die Bohlsener Mühle, ebenfalls Zweite in der Kategorie Mittelstand, wurde geehrt, weil sie in der strukturschwachen Lüneburger Heide den Ökolandbau in Schwung gebracht hat. Die Mühle erzeugt mit einer ungewöhnlich langen Backstraße Brot, Kekse und Konditoreiwaren – oft aus alten Getreidesorten wie Einkorn, Emmer und Dinkel. Eine Kooperation mit der Fachhochschule Osnabrück soll das bruchstückhafte Wissen über diese Urgetreide vervollständigen. Mittelfristig will die Bohlsener Mühle CO2-neutral produzieren. Anfang 2008 wird deshalb eine Pelletieranlage in Betrieb gehen, die aus den jährlich 1000 Tonnen Dinkelabfällen Heizpellets presst. Zwei Kilo dieser Presslinge ersetzen einen Liter Heizöl – effektiver lässt sich Abfall kaum recyceln.
An Bauerngut Fleisch- und Wurstwaren, dem Sieger bei den Großbetrieben, hat die Jury der integrale Ansatz aus regionaler Struktur, Ökolandbau und Landschaftserhalt beeindruckt. Das Unternehmen zeigt Kompetenz von der landwirtschaftlichen Produktion bis zur Theke. Das ist innovativ für eine Großmetzgerei, die täglich 2400 Schweinehälften und 250 Rinderviertel verarbeitet.
Der vom Bundeslandwirtschaftsministerium initiierte Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung wurde erstmals im Jahre 2003 vergeben. 2007 schrieb die Schweisfurth-Stiftung, München, den Preis in Kooperation mit der Anuga, Köln, zum dritten Mal aus. Bewertet wurden Neuerungen in fünf Innovationsfeldern: Rohstoff & Technologie, Ernährung & Gesundheit, Kooperation & Kommunikation sowie Unternehmenskultur. In diesem Jahr wurde der Preis um das Feld Klimaverantwortung erweitert.
Die Leistungen der drei erstplatzierten Preisträger wurden mit spannenden Filmreportagen geehrt, die das Bundesprogramm Ökologischer Landbau finanzierte.
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