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Im TV: Frontal auf die Zimtsterne

Zimt könnte unter die Aromenverordnung fallen / Hersteller in Aufregung, da die Saisonware bereits produziert ist


München/Mainz (ke). In diesem Herbst gehören Zimtsterne zum täglichen Brot der Lebensmittelkontrolleure. Neben Zimtgebäcken, bei denen die Cumaringehalte zwar erhöht sein können, aber nicht unbedingt gesundheitsschädlich sein müssen, werden insbesondere auf Zimt basierende Nahrungsergänzungsmittel untersucht. Zimt war auch ein Thema der ZDF-Sendung Frontal.

Das vor allem als Süßwaren-Gewürz bekannte Zimt enthält Cumarin. Dieser natürliche Aromastoff ist Bestandteil vieler Pflanzen, vor allem Waldmeister, Steinklee oder Tonka-Bohnen.

Karzinogene Wirkung

Cumarin kann Herzrhythmusstörungen verursachen und zu Kopfschmerzen führen. Bekannt ist außerdem, dass der Stoff im Tierexperiment die Bildung von Tumoren auslösen kann. In bestimmten Zimtarten kommt Cumarin in höheren Konzentrationen vor. So enthält etwa Cassia-Zimt weit höhere Cumarinmengen, als beispielsweise Ceylon-Zimt. Dass Zimtprodukte seit längerem einen so hohen Anteil an Cumarin haben, liegt laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, daran, dass die Hersteller zunehmend den billigeren Cassia-Zimt verwenden. Der teurere Ceylon- oder Canehl-Zimt enthalte dagegen kaum Cumarin.

Duftstoff und Wirkstoff

Cumarin wird auch als Duftstoff in kosmetischen Mitteln und als Wirkstoff in Arzneimitteln verwendet. Seit wenigen Jahren werden zudem zimthaltige Nahrungsergänzungsmittel angeboten, die angeblich den Blutzuckerspiegel sowie die Blutfettwerte bei Diabetikern senken sollen. Wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung größerer Mengen – Cumarin kann Leberschäden verursachen – darf Cumarin im Lebensmittelbereich nur als Bestandteil von Aromen und sonstigen Lebensmittelzutaten mit Aromaeigenschaften verwendet werden.

Das BfR meldet, dass Messergebnisse einer amtliche Lebensmittelüberwachungsbehörde zu hohe Cumarin-Gehalte in Zimtpulver und Zimtgebäck gefunden hat.

Die getesteten Lebensmittel überschritten die geltenden Höchstgehalte der europäischen Aromenrichtlinie von 2 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel erheblich. Berechnungen des Instituts haben ergeben, dass Kinder, die viel Zimt verzehren, ungünstigstenfalls den von der EFSA abgeleiteten TDI-Wert für Cumarin deutlich überschreiten. Der TDI-Wert gibt die Menge eines Stoffes an, die täglich ein Leben lang ohne gesundheitliche Schäden aufgenommen werden kann.

Heißer gekocht als gegessen

In Europa wird Zimt seit dem 15. Jahrhundert als Gewürz verwendet. Wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Bonn, meldet, bieten die deutschen Zimtgebäckhersteller dem Verbraucher auch dieses Jahr wieder ihre Produkte nach traditionellen Rezepturen an. Der Verband betont, dass nach einer Bewertung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, Parma, neueste Studien sogar zu einer Aufhebung des bestehenden Grenzwertes für Cumarin in der EU-Aromenrichtlinie von 2 mg/kg berechtigten. Auch die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA beurteilten Zimt als sicher.

Der BDSI fordert daher, den Grenzwert im Entwurf der europäischen Aromenverordnung aufzuheben.


Artikel vom 19.10.2006
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