Trends & Märkte
Hellere Weizenbrote und Schrotbrote bevorzugt
CMA-Trendbarometer Brot: Bei den beliebtesten Sorten dominieren zwei deutliche Trends zu Lasten der klassischen Weizenmischbrote

Bei der Benennung ihrer Lieblingsbrotsorten machen Frauen und Männer keine großen Unterschiede – auch wenn dies mancher erwarten würde. Foto: GMF
Die Antworten zur Beliebtheit sind als Hintergrundmotiv im Meinungsbild der Kunden hilfreich für die richtige Positionierung von Produkten im Backwarenbereich – um beispielsweise das Sortimentsprofil im Angebot eines backenden Betriebs kundenorientiert zu schärfen.
Mit Blick auf sich wandelnde „Produktbevorzugungen“ durch die Verbraucher wurden in der aktuellen Untersuchung zusätzliche Differenzierungen bei drei wesentlichen Brotgruppen vorgenommen, die in der Tabelle 1 gesondert ausgewiesen sind – gleichzeitig macht aber die Zusammenfassung nach Sortengruppen den Vergleich zu den Jahren 2000 bzw. 1992 möglich.
Der große Bereich der Roggen- und Weizenmischbrote hat seine insgesamt dominierende Rolle bei den Beliebtheitsnennungen der Deutschen eingebüßt.
Stattdessen manifestieren sich zwei deutliche Trends:
einmal in Richtung „Schwarz“brot, d.h. zu Vollkorn- oder Schrotbroten;
zum anderen zu „Weiß“brot, sprich den hellen Weizenbroten bzw. auch zum Toast.
Mehrkorn- und Spezialbrote haben nur leicht zugelegt. Dies ging offenbar weitgehend zu Lasten der klassischen Weizenmischbrote, die einige Prozentpunkte eingebüßt haben.
Interessant erscheint insbesondere die „Roggenfrage“: Die Bedeutung des Roggens als Imagefaktor für Brotsortiment und Backkompetenz ist weiterhin groß, nicht umsonst ist er bei den Deutschen diejenige Getreideart, die fürs Brot als topaktuell eingestuft wird. Aber immer häufiger heißt „Roggen“ für die Bundesbürger offenbar „Vollkorn“, wenn es um die Brotlieblinge geht – mit unterschiedlichen Schwerpunkten bei den Altersgruppen (s. Tabelle 2). Die traditionellen Sorten aus dem Roggenmischbrot-Bereich mussten ihre Spitzenstellung an die Roggenvollkornbrote abgeben. Brote aus Weizenvollkorn spielen nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle. Anders bei den Weizenbroten „ohne Vollkorn“: Hier ist ein klar positiver Meinungswandel bezüglich ihrer Beliebtheit zu verzeichnen, wobei die Toastbrote (als erstmals gesondert abgefragte Gruppe) eine wesentliche Rolle spielen.
Frauen und Männer machen bei den Lieblingssorten keine großen Unterschiede – auch wenn dies möglicherweise mancher erwarten würde. Unisono nennen sie Vollkornbrote als Lieblingssorte Nummer Eins, und auch bei allen anderen Brotgruppen gibt es nur zwei geschlechtsspezifische Ausnahmen: Frauen tendieren deutlich häufiger zu Mehrkorn- und Spezialbroten, die Männer haben den (insgesamt zurückgefallenen) Weizenmischbroten häufiger die Treue gehalten.
Differenzierung übers Alter
Bei den Lieblingssorten spielt weniger das Geschlecht, sondern vielmehr das Lebensalter eine ausschlaggebende Rolle, wenn man die Ergebnisse differenziert betrachtet (s. Tabelle 2).
Je nach Geschäftsstandorten bzw. den davon abhängigen Schwerpunkten in der Kundenstruktur sind daraus für den einzelnen Betrieb „seine“ Verbraucher-Meinungsbilder abzuleiten.
Einige Highlights verdeutlichen die höchst unterschiedliche Differenzierung, überdurchschnittlich hohe Nennungen gibt es beispielsweise:
für Roggenvollkornbrote bei den 30- bis 39-Jährigen;
bei den Roggenmischbroten für die 40- bis 49-Jährigen;
für die Roggen(mehl)brote von den 60- bis 69-Jährigen;
bei den Weizen- und Toastbroten unter den 18- bis 29-Jährigen.
Umgekehrt gibt es Sortengruppen, die in bestimmten Altersgruppen noch besonders weit unter dem Mittelwert für die repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung liegen, wie etwa:
Mehrkorn- und Spezialbrote bei den 60- bis 69-Jährigen;
Roggen(mehl)brote für die 18- bis 29-Jährigen;
Weizen-/Weißbrote unter den 40- bis 49-Jährigen.
Natürlich spielen bei den Lieblingsbrotsorten auch die Regionen eine (brot-)kulturhistorische Rolle, heute jedoch längst nicht mehr so stark wie in früheren Zeiten.
Bei den „Nordlichtern“ (Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg/Bremen) dominieren nach wie vor die Roggenvollkornbrote – bei ihnen die mit Abstand führende Lieblingssorte. Das geht andererseits vor allem zu Lasten der Roggenmischbrote – an der Waterkant heißt es eben „wenn Roggen, dann Vollkorn“.
Nahezu „unauffällig“ ist die Region „Mitte-West“ mit NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
In Süddeutschland, d.h. in Baden-Württemberg und Bayern bleibt das viel zitierte Nord-Süd-Gefälle in Sachen „Vollkorn“ bestehen. Dort nennt die Bevölkerung im Gegensatz zum Norden relativ selten Roggenvollkornbrote, stattdessen umso häufiger Roggenmischbrote.
Die ostdeutschen Bundesländer (mit Berlin) zeichnen sich durch besondere Treue zu „ihrer“ traditionellen Haupt-Produktgruppe, den Roggenmischbroten, aus.
Bleibt abschließend die Frage nach dem „Warum“ der Beliebtheit: Begründungen für die Wahl eines Lieblingsbrotes sind naturgemäß in einer quantitativ-repräsentativen Meinungsumfrage nur schwer differenziert zu ermitteln.
Aber eins wird ganz klar und deutlich: Der am häufigsten genannte Grund, warum man sein spezielles Brot liebt, heißt „es schmeckt mir gut“ bzw. „es ist lecker“. 85 Prozent begründen damit ihre Lieblings-Sortenwahl. Daneben sind für die Beliebtheit dieser Produktgruppen Gesundheitsaspekte relevant: 47 Prozent nennen Gründe aus diesem Begriffsfeld, wie „ist gesund“, „besser verdaulich/bekömmlich“ oder „wegen der Ballaststoffe“.
Aufgrund dieser Ergebnisse des Trendbarometers Brot wird somit aus dem ernährungswissenschaftlich begründeten Brotmotto „Gesundheit mit Geschmack“ aus Verbrauchersicht in Umkehrung die klare Charakterisierung von Brot als „ein Genuss, der gesund ist“.
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