Aktuell

Heizen mit Weizen in NRW erlaubt

Wirtschaftlich geht die Rechnung dank der gestiegenen Energiepreise auf – ethisch ist Verbrennung problematisch


Stuttgart (kh). Über die Verbrennung von Getreide zur Energieerzeugung wird schon länger diskutiert. In NRW erlaubt ein Ministerialerlass das Heizen mit Weizen seit Dezember letzten Jahres. Danach können Land- und Gartenbaubetriebe sowie agrargewerbliche Betriebe (z. B. Mühlen) eine Ausnahmegenehmigung erhalten, Getreide, das nicht für die Nahrungsmittelproduktion geeignet ist, energetisch zu verwerten.

Wirtschaftlichkeit

Der durchschnittliche Erlös für konventionell erzeugtes Getreide bewegt sich um die 10 Cent pro kg. Der Heizölpreis bewegt sich pro Liter je nach Abnahmemenge zwischen 52 und 60 Cent. Um den gleichen Heizwert wie beim Öl zu erreichen, benötigt man 2,3 bis 2,5 kg Getreide. Somit geht die Rechnung wirtschaftlich schon auf. Das Heizen mit Getreide ist demzufolge günstiger als jede Ölheizung.

Energiegetreide

Der Leiter des Zentrums für nachwachsende Rohstoffe, Soest (eine Einrichtung des NRW-Umweltministeriums) Dr. Karsten Block, setzt sich für die Verbrennung von Ausfallgetreide (Mutterkorn, Schwachkorn, verschimmeltes Getreide ein. Es mehren sich aber Stimmen, die den gezielten Anbau von Energiegetreide mit möglichst hohen Stärkeanteilen und geringem Proteingehalt vorantreiben wollen.

Es geht dabei um den gezielten und massenhaften Anbau von Getreide zu Heizzwecken. Ernährungsphysiologische Aspekte treten dann in den Hintergrund, die Sortenwahl erfolgt ausschließlich unter energetischen Aspekten. Rechtlich gesehen macht es eine EU Verordnung von 2001 (Nr. 587/2001) möglich, auf Stilllegungsflächen auch Getreide zur energetischen Verwertung anzubauen.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb von Feuerungsanlagen lassen in Deutschland bislang die Verbrennung von Getreide in Anlagen mit einer Heizleistung zwischen 15 und 100 kW zu. Größere Anlagen unterliegen anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die eine Einzelfallprüfung auch in Bezug auf die Wahl des Brennstoffes ermöglicht. Grundsätzlich steht nach Aussagen des Bundesumweltamtes einer Verbrennung von Getreide wenig entgegen, da es mit dem zugelassenen Brennstoff Stroh gleichgesetzt werden könne.

Ethisch problematisch

Die großen christlichen Kirchen lehnen die Verbrennung von Getreide zur Energiegewinnung aus ethischen Gründen ab. Auch die Umweltverbände, allen voran der Bund für Umwelt und Naturschutz, sprechen sich gegen das Heizen mit Weizen aus.

In einer Presseerklärung heißt es dazu: „Der Anbau von Energiegetreide ist agrarpolitisch kontraproduktiv und ethisch denkwürdig. Er löst keines der grundsätzlichen Probleme der Landwirtschaft und leistet keinen substanziellen Beitrag zur Deckung unseres viel zu hohen Energieverbrauches. Der BUND befürwortet hingegen die Einrichtung kleiner Anlagen zur Energiegewinnung aus Biomasse (z.B. Biogasanlagen).


Artikel vom 12.01.2006
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