Branche_Politik

Handwerkstugenden sind wieder „in“

Günther Beckstein ist Festredner beim Neujahrsempfang der Bäckerinnung Nürnberg / Die Veranstaltung soll zur Tradition werden


Nürnberg (buc). „Ich danke den Bäckern und dem gesamten Handwerk für die große Leistung in der Berufsausbildung junger Menschen. Damit zeigen Sie Ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem Nächsten und der Gesellschaft – eine der Tugenden, die von der Finanzwirtschaft zuletzt so missachtet wurden.“ Dieses hohe Lob erhielten Nürnbergs „Becken“ von keinem geringeren als von Bayerns ehemaligem Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein, der beim Neujahrsempfang der Innung als prominenter Festredner fungierte.

Im noblen Ambiente des innungseigenen „Bäckerhof“-Ballsaals in der Schlehengasse betonte der CSU-Politiker vor gut 100 Zuhörern: „Nicht Kapitalismus pur gehört die Zukunft, sondern der sozialen Marktwirtschaft.“ Das sei eine wichtige Lehre der Finanzkrise, in der sich Banker auf riskanteste Spielchen eingelassen hätten. Nun seien hoffentlich statt Gier und Maßlosigkeit der „Heuschrecken“ wieder Kaufmanns- und Handwerksattribute wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit gefragt. Und: „Menschliche Kontakte sind wichtiger als ein paar Prozent Rendite.“

Dass die Nürnberger Bäcker dies längst beherzigen, beweisen sie laut Beckstein zum einen durch ihr stetes Bemühen auch um lernschwächere Lehrlinge („Sie machen aus jungen Menschen wertvolle Mitglieder der Gesellschaft“), sondern auch durch ihren Zusammenhalt und ihr höchst aktives Vereinsleben. Dazu zählten zum Beispiel die wertvollen kulturellen Beiträge der Sängergesellschaft der Innung oder der Bäckerposaunen im CVJM: „Solch bodenständige Beziehungen brauchen wir Menschen einfach.“ Den erstmals veranstalteten Neujahrsempfang wünscht er sich deshalb als neue Tradition.

Optimismus trotzt der Krise

Wie sehr ihm die heimischen Bäcker am Herzen liegen, bekannte der gebürtige Hersbrucker offen – ebenso wie seine Gattin Marga, die vor Weihnachten 2007 in der Fußgängerzone mit Innungsmitgliedern Spenden für einen guten Zweck sammelte.

Der Landtagsabgeordnete (seit 1974 für den Stimmkreis Nürnberg-Nord) empfahl, gegen die Konkurrenz der Handelsketten und Backstationen auf Qualität und Kundennähe zu setzen. Und auf Optimismus. Denn selbst wenn die schwierige konjunkturelle Situation zum Beispiel für die Autoindustrie eine echte Strukturkrise bedeute und der globale Abwärtstrend uns als Exportweltmeister hart treffe – Deutschland und vor allem Bayern, so Beckstein, seien viel besser gerüstet als andere für eine Wirtschaftskrise, die teils von den Medien herbeigeredet werde. Man dürfe sich deshalb nicht ins Bockshorn jagen lassen von Experten, die sich in immer schwärzeren Prognosen überbieten wollen.

Mit dem Dank für diese kompetenten Analysen verband Nürnbergs Obermeister Manfred Kerschbaum sein Bedauern, dass Beckstein (65) seine Qualitäten derzeit nicht mehr in Bayerns Kabinett einbringen könne. Er habe zwar schon als Innenminister geahnt, auf einem „Schleudersitz“ gelandet zu sein; dass aber auch der Ministerpräsident auf einem solchen sitze, sei schade.


Artikel vom 13.01.2009
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