Meinung

Gute Ernte – sinkende Preise?Kommentar


Der erste Erntebericht liegt vor und die Hildebrandmühlen stellen hohe Erträge und eine recht anständige Qualität fest. Nun lässt sich von Hessen nicht einmal auf die deutsche Ernte schließen, aber auch der Internationale Getreiderat hat seine Erwartungen an die weltweite Ernte korrigiert: Mit 670,8 Mio. Tonnen soll es 60 Mio. Tonnen mehr als im Jahr 2007 geben. Den Anstieg beim globalen Weizenverbrauch mit einkalkuliert, müsste es ein Angebotsüberhang von rund 21 Mio. Tonnen geben (S. 1).

Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntlich den Preis, aber bei landwirtschaftlichen Produkten ist das so eine Sache. Auch den Getreidepreis soll das eherne Grundprinzip der Marktwirtschaft zunehmend bestimmen – hört man jedenfalls. Das müsste den Bauern eigentlich recht sein, allerdings haben sicher viele mit höheren Preisen für die Tonne Getreide gerechnet, als es jetzt wohl geben wird. Der Mehlpreis könnte also fallen. Vermutlich. Denn da sind ja noch einige Unbekannte, wie etwa die Qualität der Ernte, eine europäische Subventionspolitik inklusive Förderung der Bio-Energie und Spekulationen an den Rohstoffmärkten.

Bäcker stellen hohe Ansprüche an die Mehlqualität, A-Weizen ist das Maß aller Dinge: Ist der Proteingehalt zu niedrig, müssen die Mühlen kräftig mischen, wohl auch importieren, was eine sehr differenzierte Preisgestaltung zur Folge haben könnte. Ob deutsche Bauern dabei verdienen, ob sie mit Brot- oder mit Bio-Energie-Getreide mehr verdienen können und ob Bäcker weniger über die Mehlpreise stöhnen müssen, bleibt spannend. Der Schulterschluss von Bäckern und Bauern in Westalen-Lippe lässt jedenfalls hoffen, dass die Querelen über die Preisfindung – hüben wie drüben – der Vergangenheit angehören (S. 9).


Artikel vom 20.08.2008
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